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Kimi Räikkönen Reinsetzen, losfahren, ankommen

21.10.2007 ·  Niemand hatte Kimi Räikkönen wirklich auf der Rechnung. Doch nach dem Finale von Sao Paulo darf sich der Finne doch Weltmeister der Formel 1 nennen. Dabei ist er ein Schweiger im Showgeschäft, ein Antiheld in der Glimmerwelt.

Von Anno Hecker
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Er ist von hinten gekommen, aus der zweiten Reihe. Niemand hatte Kimi Räikkönen wirklich auf der Rechnung. Während die Rivalen vor dem Finale quick das Spiel mit den nötigen Platzierungen für ihre Sieges-Kalkulation wie auf Knopfdruck herunterspulten, kratzte sich der Ferrari-Mann am Oberstübchen. Kein Zweifel. Räikkönen macht sich keinen Kopf.

„Reinsetzen, losfahren, ankommen, aussteigen.“ So hat mal ein Mercedes-Mann die Arbeitsweise des langjährigen McLaren-Piloten beschrieben. Daran hat sich auch mit dem Wechsel zu Ferrari nichts geändert. Während Michael Schumacher in seiner Ära ständig wie ein fahrender Ingenieur um jedes Detail kreiste, interessiert den 27 Jahre alten Nachfolger nur das Auto als Dienstwagen am Stück. Räikkönen vertritt die klassische Kart-Generation unter den Piloten.

Enttäuschungen äußerlich gelassen hingenommen

Fahrer, die mit einem Motor im Rücken vom elterlichen Hof hinaus in die große Welt sausen konnten, weil sie ein ganz besonderes Feingefühl für Kurvenlagen bei Höchstgeschwindigkeit entwickelten. Mit dem Talent gesegnet, sprang er nach nur etwa zwanzig Autorennen 2001 mit Hilfe von Sauber in die Formel 1. So stieg er im Handumdrehen zum WM-Kandidaten auf. Und musste doch sechs Jahre warten. Weil er nicht zupackt. Die Ingenieure planen, die Mechaniker schrauben, Räikkönen fährt.

Es hat nicht nur deshalb bis zum 120. Rennen gedauert. Räikkönen wäre wohl 2005 schon Weltmeister geworden, wenn ihn nicht so viele Defekte bei McLaren-Mercedes gestoppt hätten. Auch in seiner ersten Ferrari-Saison bremsten Pannen den Schweiger aus Espoo. 26 Punkte lag er nach dem siebten von 17 Rennen in den Vereinigten Staaten hinter dem führenden McLaren-Piloten Lewis Hamilton. Als er am Nürburgring in aussichtsreicher Position ausrollte, schien das große Rennen endgültig gelaufen. Die Enttäuschung nahm er äußerlich gelassen hin. Innerlich staute sich wohl auch keine Wut auf. Alles blieb ruhig bei Ferrari. Statt im Team zu rotieren oder gar öffentliche Klage zu führen, wartete der Neue einen verbesserten Ferrari ab. Räikkönen strahlt Ruhe aus. Das ist seine zweite, große Stärke.

„Hier interessiert sich niemand für mein Privatleben“

Das neue Glück, glaubt Ferraris Generaldirektor Jean Todt, hat Räikkönen in Maranello gefunden, „weil er glücklich ist bei uns“. Seine Balance, wie mitunter bei McLaren-Mercedes, verlor der Ferrari-Star bislang angeblich nicht. Von Druckbetankungen mit Wodka oder Table-Dance-Auftritten wie einst in London – auf dem Tisch, nicht im Publikum – ist nichts mehr bekannt geworden. „Bei Ferrari interessiert sich niemand für mein Privatleben“, sagte Räikkönen zufrieden im Frühjahr.

Die Scuderia hält ihren aus einfachen Verhältnissen stammenden, hochbezahlten Steuermann auch nicht zu Kurskorrekturen an. Räikkönen darf offenbar bleiben, was er ist. Ein Schweiger im Showgeschäft, ein Antiheld in der Glimmerwelt der Formel 1, ein Rennfahrer, der just dann Weltmeister geworden ist, als sein Typ schon überholt scheint: „Ich bin“, sagte Räikkönen dem englischen Fachmagazin „Autosport“, „wohl in einer falschen Zeit geboren.“

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Jahrgang 1964, Sportredakteur.

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