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Im Gespräch: Formel-1-Weltmeister Jenson Button „Ich bin unglaublich hungrig“

13.03.2010 ·  Weltmeister Jenson Button geht für McLaren-Mercedes in die neue Saison - und steht in Bahrein hinter Michael Schumacher in der Startaufstellung. Im F.A.Z.-Interview spricht Button über die Risiken während des Rennens, seinen sanften Fahrstil und die Chancen im neuen Wagen.

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Weltmeister Jenson Button geht für McLaren-Mercedes in die neue Saison - und steht in Bahrein hinter Michael Schumacher in der Startaufstellung. Im F.A.Z.-Interview spricht Button über die Risiken während des Rennens,seinen sanften Fahrstil und die Chancen im neuen Wagen.

Sie sind im Qualifying für den Großen Preis von Bahrein Achter geworden, stehen in der Startaufstellung direkt neben Michael Schumacher. Sind Sie zufrieden?

Ich hatte mit blockierenden Vorderrädern zu kämpfen. Während des Qualifyings wurde es besser und besser, aber auf dem letzten Versuch war etwas nicht in Ordnung. Irgendetwas fühlte sich faul an. Wir müssen uns das Auto nun anschauen und herausfinden, was das Problem ist. Ich bin überrascht, überhaupt Achter geworden zu sein. Auf der letzten Runde hatte ich ganz schön zu kämpfen.

Kann man das Qualifying-Ergebnis übertragen auf die Chancen im Rennen?

Da muss man sehr vorsichtig sein. Im Qualifying werden die Autos wohl auch in Zukunft ganz eng zusammen sein. Aber im Rennen könnte sich das stark ändern. Da könnten Fahrer, die vorne stehen, nicht zu den Ersten gehören. Die Autos verhalten sich sehr unterschiedlich bei der Gewichtsschwankung von zehn Kilogramm (Benzin im Tank während des Qualifyings) bis zu 150, 160 Kilogramm (beim Rennstart). Das haben wir schon bei den Tests gesehen.

Sie haben einen sanften Fahrstil. Wird Ihnen das helfen, die Reifen über die 300 Renn-Kilometer zu schonen, angeblich der Schlüssel zum Erfolg in diesem Jahr?

Ich hoffe es. Der sanfte Fahrstil ist aber nur ein Detail. Ich habe gerne ein bisschen Untersteuern (das Auto schiebt beim Einlenken über die Vorderräder), aber im Moment übersteuert das Auto. Ich hoffe, dass ich das Problem im Rennen umfahren kann.

Ihre Konkurrenten fragen sich, was es mit dem angeblichen Windkanal in Ihrem Auto auf sich hat und ob der Heckflügel im Zusammenspiel mit der Luftströmung den Regeln entspricht.

Unser Flügel ist unser Flügel, mehr gibt es nicht zu sagen. Die Fia (der Internationale Automobil-Verband) hält ihn für legal. Wir haben ein innovatives Design, das stimmt. Unsere Höchstgeschwindigkeit ist sehr gut. Aber ich hätte schon gerne etwas mehr Anpressdruck.

Welchen Einfluss hat das Nachtankverbot auf die Arbeit im Cockpit?

Im Moment ist das noch alles neu für uns. Es wird sehr kompliziert. Die Strategie war immer schon sehr wichtig, jetzt, das ist mein Eindruck, muss man noch aufmerksamer sein. Du musst genau verstehen, was um dich herum passiert. Du musst mehr Risiken eingehen.

Warum?

Wenn du schneller bist als dein Vordermann, und du gehst eine Runde vor ihm an die Box, dann ist das phantastisch. Du kannst dann leicht an ihm vorbeikommen mit einem frischen Satz Reifen. Aber wenn du das Risiko nicht eingehst, und er bleibt noch 15 Runden vor dir, dann war es das. Vor allem bei Safety-Car-Phasen erwarte ich jede Menge Hektik. Wenn es in der ersten Runde (nach einem Unfall beim Start) rausfährt, dann werden einige sofort zum Reifenwechsel abbiegen, von weichen auf harte wechseln und versuchen, mit einem Satz das Rennen zu Ende zu fahren. Es wird sehr aufregend und schwierig, immer die richtige Entscheidung zu treffen.

In England spricht man angesichts der Besetzung von McLaren mit zwei Weltmeistern von einem „Dreamteam“. Was denken Sie?

Darüber macht man sich keine Gedanken. Wir arbeiten gut zusammen. Der Informationsaustausch funktioniert gut. Ich denke, wir respektieren uns. Das ist wichtig für ein gutes Ergebnis.

Würden Sie mit Ihrem Teamkollegen Lewis Hamilton auf ein Bier in einen Pub gehen?

Er ist ein guter Typ. Ob wir Freunde abseits der Piste werden, muss man abwarten. Wir haben viel und hart gearbeitet über den Winter, viel Zeit zusammen verbracht. Unsere Beziehung ist gut.

In britischen Medien sind immer wieder Ihre Gegensätze beschrieben worden, da wurden Ihre Fahrstile, Ihre Karrieren, Ihre Freundinnen verglichen . . .

Ja, ich fand das ein bisschen merkwürdig. Aber es war auf eine gewisse Weise auch lustig. In einem Interview wurde ich gleich zu Beginn gefragt: „Du warst in der ersten Trainingseinheit schneller, Lewis in der zweiten, jetzt steht es 1:1.“ Ich habe dann nur gesagt, „Mensch, das ist doch nur das Training“, ich musste wirklich lachen. Natürlich ist diese Art der Konfrontation wohl unvermeidbar, wenn zwei Weltmeister in einem Team fahren. Und sicher wollen wir uns gegenseitig schlagen. Aber bevor man um die Weltmeisterschaft kämpfen kann, muss man erst zusammenarbeiten, um überhaupt in diese Position zu kommen.

Hat Sie der Gewinn der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr verändert?

Man wird etwas entspannter, wenn man es endlich erreicht hat. Und man denkt über das nächste Ziel nach. Als ich das in Brasilien tat, entschied ich mich für eine neue Herausforderung. Die habe ich gebraucht. Ich bin sehr entspannt, aber im guten Sinn. Ich bin unglaublich hungrig.

Sie kommen in einen Rennstall, in dem Hamilton groß geworden ist. Spürt man das?

Der Umstieg ist mir leichter gefallen, als ich gedacht hätte. Es gibt unterschiedliche Arbeitsansätze. Daran muss man sich gewöhnen. Aber das ist eine Herausforderung für mich. McLaren hat fast immer um Siege und Weltmeisterschaften gekämpft. Das hat mich angezogen. Jeder sollte verstehen, dass meine Entscheidung richtig war. Ich fühle mich sehr wohl.

Verstehen Sie, dass Michael Schumacher zurückgekommen ist?

Ich finde das großartig. Es ist doch phantastisch, große Champions im Feld zu haben. Er fährt in einem starken Team. Also werden wir Kämpfe miteinander austragen. Darauf freue ich mich. Fernando Alonso, Felipe Massa (beide Ferrari) und Lewis haben sich ähnlich geäußert. Ich hatte zwar den einen oder anderen Zweikampf in der Vergangenheit, aber so viele waren es nicht. Als ich (mit BAR-Honda) 2004 Dritter wurde, war der Ferrari leider viel zu stark.

Glauben Sie, dass Schumacher einige Rennen und vielleicht sogar die Meisterschaft gewinnen kann?

Wenn das Auto gut genug ist, ja. Es gibt keinen Grund, warum er nicht stark genug sein sollte. Ich glaube nicht, dass er seinen Fahrstil verbessert hat. Aber sein Hunger ist wieder größer geworden. Man darf nicht vergessen, dass er in den letzten beiden Jahren vor seinem Rücktritt die WM nicht gewonnen hat. Sein letzter WM-Sieg ist also sechs Jahre her. Sicher ist es nicht einfach zurückzukommen, nach drei Jahren Pause. Aber Michael ist ein Ausnahmefahrer.

Sie glauben an eine besondere Saison?

Ja, wir stehen vor einer ganz besonderen Saison. Es gibt so viele talentierte Fahrer in guten Autos, das ist diesmal ganz speziell, elektrisierend. Es ist ein gutes Gefühl, ein Teil davon zu sein.

In aller Welt sind Sie noch vor einem Jahr als sehr lebenslustiger Pilot mit einer nicht allzu ausgeprägten Arbeitslust beschrieben worden . . .

. . . was nicht mit der Wahrheit übereinstimmt. Wer arbeitet härter als ich beim Testen oder bei meiner körperlichen und geistigen Vorbereitung? Die Leute, die ein solches Bild von mir verbreiten, halte ich für sehr schlecht informiert.

Werden Sie wieder einen Triathlon bestreiten in diesem Jahr?

Ja, am 7. August in London. Es kommen wieder viele starke Athleten, alles Amateure, aber gute. Im vergangenen Jahr bin ich Zweiter meiner Altersklasse unter 400 Teilnehmern geworden. Das Ziel ist also klar. Ich will Erster werden.

Die Fragen stellte Anno Hecker.

Quelle: F.A.Z.
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