20.06.2009 · Heinz Prüller war von 1965 bis 2008 die Stimme der Formel 1 des ORF. Nun kommentiert er bei Premiere. Seinen Einstand gibt er in Silverstone. Im FAZ.NET-Interview spricht er über österreichische Piloten, Sebastian Vettel und den Streit zwiswchen Fia und Fota.
Heinz Prüller war von 1965 bis 2008 die Stimme der Formel 1 des Österreichischen Rundfunks. Nun kommentiert er beim deutschen Pay-TV-Sender Premiere die Grand Prix. Seinen Einstand gibt er an diesem Sonntag in Silverstone. Im FAZ.NET-Interview spricht Prüller über österreichische Piloten, Sebastian Vettel und den Streit zwiswchen Fia und Fota.
Herr Prüller, Sie gehen beim Grand Prix in Silverstone am Sonntag (14.00 Uhr / Live bei RTL und im FAZ.NET-Formel-1-Liveticker) erstmals für Premiere auf Sendung. Ein Österreicher will den deutschen Zuschauern erklären, wie die Formel 1 funktioniert?
(Lacht) Ich muss den Deutschen nichts erklären. Es ist ein Angebot für meine Fans. Ich bin zwar Patriot, aber kein Chauvinist.
Wir Deutschen werden ja schnell geblitzt, auch auf österreichischen Straßen im Urlaub. Wer sind die besseren Fahrer, Deutsche oder Österreicher?
Das weiß ich nicht. Österreicher werden in Deutschland seltener geblitzt, da man auf den Autobahnen schneller fahren darf.
Kunden von Premiere, bald Sky, haben jetzt die freie Wahl, ob Sie Ihnen oder den Stammkommentatoren Jacques Schulz und Marc Surer zuhören. Was kann das Publikum von Ihrer Reportage erwarten?
Die beiden sind Superexperten, ein perfektes Duo. Von mir kann man auf alle Fälle Spannung erwarten. Die menschliche, die private Seite möchte ich auch vermitteln, den Aberglauben der Fahrer. Es geht darum, Dinge zu verraten, von denen der Zuschauer nichts weiß. Ein wenig Historie darf auch nicht fehlen.
Die Motorsport-Gemeinde hierzulande ist seit der Ära von Michael Schumacher verwöhnt. Fünf deutsche Piloten fahren in der Formel 1, Sebastian Vettel bereitet vielen Freude. Blicken Sie neidisch auf das Nachbarland?
Nein, schon gar nicht auf Vettel. Den schätze ich irrsinnig. Er hat das Vorwort meines letzten Buches geschrieben, fährt für ein österreichisches Team und hat eine südliche Mentalität. Wir haben ihn quasi annektiert. Übrigens haben Österreicher 41 Rennen gewonnen.
Niki Lauda und Gerhard Berger waren in der Tat erfolgreiche Piloten aus Österreich. Alexander Wurz bleibt eher als Testfahrer in Erinnerung. Wann kommt der nächste Pilot mit Potential fürs Treppchen?
Moment! Alex Wurz ist der dritte Mann im Brawn-GP hinter Jenson Button und Rubens Barrichello – so wie ich bei Premiere. Der nächste Kracher aus Österreich hat einen italienischen Namen und Pass: Mirko Bortolotti. Seine Eltern haben im dritten Bezirk in Wien einen Eissalon. Nach dem Gewinn der Formel- 3-Meisterschaft 2008 hat er unglaubliche Testzeiten im Formel-1-Ferrari hingelegt.
Ist diese Saison Ihre letzte? Der Weltverband Fia und die Teamvereinigung Fota zerfleischen sich regelrecht.
Es ist wahnsinnig traurig im Augenblick. Aber das Ziel ist klar: Geld muss gespart werden. Sie werden sich einigen. Diese Saison ist nicht die letzte der Formel 1, und meine letzte ist sie ebenso wenig.
Sie beobachten die Formel 1 seit über 40 Jahren. Übt sie noch dieselbe Faszination auf Sie aus wie 1965?
Ja, aber die Perspektiven verschieben sich. Damals gab es eine Kameradschaft von nur fünf Journalisten und einem Kreis von Fahrern, von denen jedes Jahr zwei ums Leben hätten kommen können. Wir haben zusammen gegessen oder uns den Mietwagen geteilt. Heute ist die Todesgefahr fast weg, 1000 Reporter sind an der Rennstrecke, und die Piloten sitzen in langen Besprechungen mit den Ingenieuren. Vieles dreht sich um das technische Verständnis. Lewis Hamiltons Vater sagte mir neulich, dass die Koordination aus Auge, Hirn und Hand besonders in Kurven immer wichtiger wird. Dieser Sport bleibt faszinierend.