30.09.2007 · Nach einem Ausfall von Fernando Alonso im japanischen Chaos-Rennen kann Lewis Hamilton schon in China zu seinem ersten WM-Titel in der Formel 1 rasen. „Ich brauche ein Wunder. Bei normalem Verlauf ist nichts mehr drin für mich“, sagte Alonso.
Lewis Hamilton probte nach seinem Triumph im Blindflug schon einmal die Weltmeister-Rede, Fernando Alonso hakte die Titelverteidigung so gut wie ab. „Ich brauche ein Wunder. Bei normalem Verlauf ist nichts mehr drin für mich“, sagte Alonso nach einem denkwürdigen Formel-1-Rennen in Japan. Nach dem Ausfall des zweimaligen Champions im Regen-Chaos am Fuji kann Hamilton als erster Rennfahrer überhaupt in seinem Premierenjahr bereits am kommenden Sonntag zum WM-Titel rasen. „Das war die Vorentscheidung - welch grandiose Fahrt von Lewis bei diesen Bedingungen“, lobte Mercedes- Motorsportchef Norbert Haug den Briten.
In Manier des einstigen „Regengottes“ Michael Schumacher feierte Hamilton im McLaren-Mercedes am Sonntag seinen vierten Saisonsieg. Der 22-Jährige baute seinen Vorsprung auf Alonso vor den letzten beiden Rennen der Saison auf zwölf Zähler aus. Zweiter wurde in Fuji überraschend Renault-Pilot Heiki Kovaleinen vor seinem finnischen Landsmann und Ferrari-Fahrer Kimi Räikkönen, der mit 17 Punkten Rückstand nur noch theoretische Chancen auf den Titel hat. Deutsche Fahrer holten beim Großen Preis von Japan keine WM-Punkte.
Weltmeister auf dem Motorroller
„Das gibt noch mal einen richtigen Schub an Selbstvertrauen und für mein Ziel, Weltmeister zu werden“, sagte Hamilton, ehe er seinem Vater Anthony überglücklich in die Arme fiel. Dagegen platzte der Traum seines Team-Rivalen vom Titel-Triple in Runde 42.: Da fuhr Alonso seinen Wagen wegen Aquaplanings zu Schrott.
Auf dem Motorroller musste er zurück in die Box gebracht werden. Schon im 36. Umlauf war ihm Sebastian Vettel mit seinem Toro Rosso in die rechte Seite des McLaren-Mercedes gekracht und hatte das Gefährt des Weltmeisters beschädigt. „Ich konnte mich nicht in Luft auflösen“, meinte der Heppenheimer.
Vettel weint nach Auffahrunfall
Sensationell hatte Vettel als elfter Deutscher überhaupt bei einem Grand Prix die Führung inne - auch wenn es nur vier Runden war. Doch nach einem selbst verschuldeten Auffahrunfall mit Mark Webber im Red Bull musste Vettel auf Rang drei liegend seinen demolierten Wagen abstellen. Der Hesse weinte bitterlich in seiner Box und wurde von den Rennkommissaren auch noch bestraft: In Schanghai wird er in der Startaufstellung automatisch um zehn Plätze zurückgestuft.
In dem von einem fliegenden Start und Safety-Car-Phasen geprägten Japan-Grand-Prix im Regen und Nebel kam überraschend Adrian Sutil als Neunter im Spyker als bester des deutschen Formel-1-Quintetts ins Ziel. Ralf Schumacher aus Kerpen belegte im Toyota Rang 14. Zwei Runden vor Schluss schied Nick Heidfeld im BMW aus. Noch früher hatte es Nico Rosberg im Williams-Toyota erwischt. Insgesamt kamen nur 13 der 22 gestarteten Autos nach 67 Runden ins Ziel.
„Macht Schluss“
Am schnellsten gelang dies Hamilton, der sich am Samstag auch schon die Pole Position gesichert hatte. 2:00:34,579 Stunden benötigte der erste dunkelhäutige Pilot in der „Königsklasse“ des Motorsports, um im Kaiserreich Japan einen riesigen Schritt Richtung WM-Krone zu machen. „Es war für mich eines der schwersten, wenn nicht sogar das schwerste Rennen bislang. Das Wasser stand mir im Visier. Es gab Phasen, wo wir uns alle gewünscht hätten, macht Schluss“, sagte Hamilton.
Geradezu weltmeisterlich gab sich Hamilton danach. Seinen Dank richtete er auf der offiziellen Pressekonferenz an seine Eltern und an seinen Bruder. „Es war auch für meine Familie ein langes hartes Jahr, ich bin euch allen so sehr dankbar“, sagte er. Mit einem Sieg im Grand Prix am kommenden Sonntag (8.00 Uhr/RTL, Premiere, FAZ.NET-Liveticker) wäre Hamilton in der WM-Wertung nicht mehr einzuholen.
Lob von allen Seiten
Hamilton, der sich angeblich über eine kräftige Lohnerhöhung freuen darf, verteidigte im Rennen seinen Vorsprung souverän, als es nach dem fliegenden Start am Ende von Runde 19 richtig losging. Die beiden Ferraris waren von den Rennkommissaren wegen nicht erlaubter Mischreifen bei den Streckenverhältnissen gleich zu Beginn an die Box beordert worden. Die Kommissare hätten sich dafür entschuldigt, erklärte ein Ferrari-Sprecher nach dem Rennen. Grund des Missverständnisses sei eine offenbar zu spät eingegangene E-Mail gewesen.
„Gratulation an Lewis, der unbeeindruckt sein Rennen an der Spitze nach Hause gefahren und damit einen Riesenschritt in Richtung WM-Titel gemacht hat“, sagte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen. „Hamilton ist gefahren wie ein angehender Weltmeister“, fand Ex-Champion Niki Lauda, der 1976 in Fuji bei einem ähnlichen Regen-Chaos aus Sicherheitsgründen ausgestiegen war und seine WM-Chance verspielt hatte.
Chaos
Heinz Müller (Haintz)
- 30.09.2007, 14:35 Uhr
Kein Chaosrenner - aber....
Andreas Kirsch (Immobilienblase)
- 01.10.2007, 11:41 Uhr