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Großer Preis von Monaco Fürstlich belohnt: Alonsos „schönster Sieg“

28.05.2007 ·  Monaco ist das Highlight der Formel 1. Wo der Sieger vom Fürsten zum König der Autofahrer gekrönt wird, will jeder gewinnen. Weltmeister Fernando Alonso gelang eine doppelte Machtdemonstration. Aus Monte Carlo berichtet Anno Hecker.

Von Anno Hecker, Monte Carlo
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Das war eine doppelte Machtdemonstration in Monte Carlo: Ferrari schwer geschlagen und gleichzeitig den Teamkollegen abgewehrt. Formel-1-Weltmeister Fernando Alonso strahlte am Sonntag mit dem glänzenden Pokal des Siegers im Arm, während neben ihm zwei Piloten wie gedämpft wirkten: Der Teamkollege bei McLaren-Mercedes, Lewis Hamilton, weil der nur zu gerne sein erstes Formel-1-Rennen im Fürstentum gewonnen hätte und Felipe Massa, weil Ferrari beim größten Formel-1-Spektakel der Saison nicht den Hauch einer Chance hatte.

Der spanische Chefpilot Alonso steht nach seinem zweiten Saisonsieg, dem zweiten in Monaco hintereinander wieder ganz vorne. In der Fahrerwertung führt er zusammen mit Hamilton (je 38 Punkte). Massa liegt auf Rang drei (33). Erfolgreichster deutscher Fahrer wurde Nick Heidfeld (BMW-Sauber) mit Platz sechs. Nico Rosberg steuerte seinen Williams auf Position zwölf, während Ralf Schumacher im Toyota Rang 16 belegte. Adrian Sutil prallte nach einem Fahrfehler mit seinem Spyker in die Leitplanken und schied (unverletzt) aus.

„Der schönste Sieg meiner Karriere“

Als das unspektakuläre Rennen längst gelaufen schien, keimte Hoffnung auf Spannung: ein Zweikampf zwischen Alonso und Hamilton, die stallinterne Auseinandersetzung, vielleicht das Duell des Jahres. In jedem Fall ein Duett auf einer städtischen Open-Air-Bühne, die von zwanzig Beifahrern umrahmt wurde. McLaren-Mercedes dominierte die Konkurrenz, wie es zuletzt Ferrari beim Saisonstart in Melbourne gelungen war. Der Vorsprung betrug bis zu einer Sekunde pro Runde.

Ron Dennis musste den Übermut seiner Piloten auf dem gefährlichen Stadtkurs allerdings zügeln. „Wir mussten die beiden Wagen etwas langsamer fahren lassen“,sagte der McLaren-Teamchef und verteidigte seine Order: „Ich wäre ein Idiot, wenn ich das nicht tun würde.“ So durfte Hamilton zeigen, was er kann, einen halsbrecherischen Überholversuch untersagte das Team.

Alonsos Freude Tat das keinen Abbruch. „Ich habe nie mehr als eine Minute Vorsprung vor dem Dritten gehabt“, sagte der Spanier, „das ist sicher der bislang schönste Sieg in meiner Karriere.“ Ein herber Rückschlag für die Scuderia, nicht nur in der Konstrukteurswertung. Denn Monaco ist das Highlight der Formel 1, wo der Sieger vom Fürsten, inzwischen Albert II, zum König der Autofahrer gekrönt wird. Diesen Titel wollen sie alle haben. Aber nur ein Team kämpfte am Sonntag darum: McLaren-Mercedes in einer Solovorstellung, die von den zwei interessantesten Piloten zum Abtasten unter Wettkampfbedingungen genutzt wurde: Hier der nominelle Chefpilot Alonso, dort der aufmüpfige Debütant, der zwar wie ein braver Lehrling im Namen des Teams von der Gemeinschaftsarbeit spricht und doch gleichzeitig nur an das eine denkt: wie werde ich Erster?

Hamilton drückte und drängte

Am Sonntag war von diesem Duell lange nicht viel zu sehen. Alonso schien auf dem besten Weg, führte mit zehn Sekunden etwa zur Mitte des Rennens. Doch nach seinem zweiten Boxenstopp verlor der Spanier im Überrundungsverkehr fünf Sekunden in einer Runde. Schon schloss Hamilton, kurz danach von der Crew im Akkord zum zweiten und letzten Mal abgefertigt, auf: 0,8 Sekunden Rückstand, zwanzig Runden vor dem Ende. Hamilton drückte und drängte.

Wie schon beim Training am Donnerstag und Samstag beeindruckte er mit seinem aggressiven Fahrstil. Der McLaren sprang bei dem wilden Ritt über die Randsteine, driftete in der Rascasse-Kurve. „Ich habe die Leitplanken einige Male berührt“, berichtete der 22 Jahre alte Brite. Doch davor zog Alonso fehlerlos seine Kreise bis er den standfesten Renner vor den Füßen von Albert II parkte. In der Fürsten-Loge reckte Alonso den Pokal in die Luft und wirkte entspannt wie jemand, der gerade einen potentiellen Thronfolger auf Abstand gehalten hat. Zumindest für dieses Mal.

Massas Kampf um Schadensbegrenzung

Monaco schafft bleibende Eindrücke: Das Rennen bietet eine Hatz sausender Boliden über Zebrastreifen und Kreuzungen, im Zentimeter-Abstand vorbei an Leitplanken; es bietet Einblicke in das Amüsement von Reichen und Schönen in ihren brüllenden Sportwagen oder auf riesigen Yachten. Aber aus Sicht der Ingenieure wird man nicht viel mitnehmen. Denn der Stadtkurs fordert so besondere Leistungen, andere Abstimmungen der Boliden, ist mit seinen engen Kurven so speziell, dass die Ergebnisse nicht für den Rest der Saison hochgerechnet werden dürfen. Ferrari hat seit 1950 nur acht Mal in Monaco gewonnen. Und ist doch allein 14 Mal Konstrukteurs-Weltmeister geworden.

Insofern ist Massas Kampf um Schadensbegrenzung halbwegs gelungen. Er war der einzige Pilot, der nicht vom McLaren-Duo überrundet wurde: „Selbst wenn ich 150 Prozent gab, am Limit war, konnte ich nichts machen. Ich erwartete einen Fehler oder technische Probleme. Nichts passierte. So habe ich wenigstens ein paar Punkte gesammelt.“ Auch BMW-Sauber kam im Fürstentum nicht so gut über die Runden wie zuletzt. Giancarlo Fisichella landete auch Dank seiner besonderen Steuerkunst mit seinem Renault vor den BMW-Fahrern Robert Kubica und Nick Heidfeld. „Es ist erfreulich, wieder mit beiden Fahrzeugen zuverlässig ins Ziel gekommen zu sein. Wir haben sieben wichtige Punkte gesammelt“, erklärte BMW-Sportchef Mario Theissen. Der Rückfall hinter Renault am Sonntag wird als Monaco-Ausnahme verbucht.

Schumachers Desaster

Nico Rosberg wurde im Williams nur Zwölfter, obwohl er von Platz fünf aus gestartet war. Am Piloten lag das nicht, eher an der Strategie. Rosberg setzte auf eine Zwei-Stopp-Taktik. Einige Piloten hinter ihm versuchten es mit einem Halt. Und landeten vor ihm. Zum Beispiel Teamkollege Alexander Wurz. Der Österreicher sauste von Startplatz elf auf sieben.

Das hätte Ralf Schumacher gefallen. Aber es reichte nur zu Rang 16 nach einem Desaster beim Zeittraining (20.). „Ich habe schon schlimmere Zeiten in meiner Karriere erlebt“, behauptete der Rheinländer. Das ist schwer vorstellbar. In allen Trainingsstunden landete er mit seinem Toyota auf Rang 20. Das Fahren hat er sicher nicht verlernt. Aber das Vertrauen verloren in seinen Boliden; in einen millionenschweren Renner aus Köln-Marsdorf, der zum Start am Sonntag in die vorletzte Reihe geschoben wurde, noch schräg hinter den vergleichsweise billigen Spyker des talentierten Deutschen Adrian Sutil.

Der Toyota ist nach wie vor so instabil beim Bremsen, dass die Entdeckung der Langsamkeit bei Schumacher durchaus eine technische Ursache hat. Allerdings kommt Teamkollege Jarno Trulli zumindest über eine Runde besser zurecht. Der Italiener, in den vergangenen zwei Jahren von Schumacher überwiegend in Schach gehalten, „überfährt“ die Schwäche des Autos mit einer erstaunlichen Gleichgültigkeit. Seine Ergebnisse aber kaschieren nur das Hauptproblem. Beim Rennen in Monte Carlo kam es ungeschminkt zum Vorschein. Schumacher und Trulli fuhren quasi im Gleichschritt über die Zielline, um eine Sekunde von einander getrennt (15. und 16.), aber zweimal überrundet.

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Jahrgang 1964, Sportredakteur.

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