11.09.2005 · Die Entscheidung um die Formel-1-Weltmeisterschaft ist vertagt. Spitzenreiter Fernando Alonso kam beim Großen Preis von Belgien in Spa auf den zweiten Platz, Verfolger Kimi Räikkönen gewann im McLaren-Mercedes. Michael Schumacher schied nach einer Kollision aus.
Mit einem Husarenritt hat Kimi Räikkönen in Spa die Titel-Entscheidung in der Formel-1-WM vertagt und das Rennen um die Nachfolge von Michael Schumacher weiter offen gehalten. Der „Iceman“ feierte im McLaren-Mercedes beim Großen Preis von Belgien seinen sechsten Saisonsieg und wehrte damit eindrucksvoll den ersten „Matchball“ des WM-Führenden Fernando Alonso ab (Siehe auch: Rechenspiele: Alonsos Wege zum Titel ).
Unter keinem glücklichen Stern stand der Sonntag für die deutschen Fahrer: Ferrari-Star Schumacher schied nach einem Unfall aus, Bruder Ralf landete im Toyota abgeschlagen auf Rang sieben. Alonso, der vier Punkte mehr als Räikkönen hätte holen müssen, belegte im Renault den zweiten Platz. Der Spanier profitierte aber vom Pech der „Silberpfeile“: Nur drei Runden vor Rennende schied Räikkönens Teamkollege Juan Pablo Montoya (Kolumbien) nach einer Kollision mit Nick Heidfelds Ersatzmann Antonio Pizzonia (Brasilien) im BMW-Williams an zweiter Position fahrend aus - damit war der Traum der „Silberpfeile“ vom Doppelerfolg geplatzt (Siehe auch: Ergebnisse Formel 1).
Räikkönen will weiterkämpfen
„Solange es noch möglich ist, werden wir weiterkämpfen. Aber wenn Fernando direkt hinter uns ins Ziel kommt, ist alles vorbei. Dann können wir ihn nicht mehr einholen“, erklärte Räikkönen. Der Finne verließ das verregnet Spa am Abend mit einem lachenden und einem weinenden Auge: „Der Ausfall von Juan Pablo ist sehr schade für das ganze Team, denn es war ein perfektes Rennen bis dahin.“
Großer Preis von Belgien: Räikkönen wehrt Alonsos Matchball ab
Das sah Mercedes-Sportchef Norbert Haug genauso: „Das war ein Super-Rennen ohne Fehler vom ganzen Team. Pizzonia hat leider den Doppelsieg verhindert.“ Auch Alonso gestand: „Ich hatte wieder ein bißchen Hilfe von McLaren-Mercedes, deshalb habe ich hier noch zwei Punkte mehr geholt. Das ist zwar nicht so entscheidend, aber es ist immer besser, Zweiter zu werden als Dritter.“
Alonso reicht Platz drei in Brasilien
In der WM-Wertung verkürzte Räikkönen bei drei ausstehenden Rennen, in denen maximal 30 Punkte vergeben werden, den Rückstand auf den weiter führenden Alonso nur um zwei Zähler auf 25 Punkte. Sollte der 24jährige Spanier jedoch beim nächsten Rennen am 25. September in sao Paulo Dritter werden, stünde er in jedem Fall als jüngster Weltmeister der Formel-1-Geschichte fest - unabhängig von Räikkönens Platzierung.
Für Rekord-Weltmeister Schumacher war das Rennen auf seiner Lieblingsstrecke in der 14. Runde beendet, als der Japaner Takuma Sato im BAR-Honda beim Anbremsen der langsamen Haarnadelkurve La Source ins Heck des Ferrari rutschte. Beide Piloten schieden aus, Schumacher zeigte Sato noch am Auto stehend mit einer abfälligen Geste deutlich, wem er die Schuld an dem Unfall gab. „Ich habe mich auf einen Jordan vor mir konzentriert - da hat es plötzlich rumms gemacht. Ich habe da ganz normal gebremst, doch Sato hat offenbar andere Grenzen“, sagte Schumacher.
Fisichella nach schwerem Unfall unverletzt
Auf die Frage, was er dem Japaner in seinem Ärger dann unmittelbar nach dem Crash erzählt habe, meinte der der Weltmeister: „Lieber nicht, denn es schauen ja auch Kinder zu.“ Zum Zeitpunkt des Unfalls lag der sechsmalige Spa-Triumphator Schumacher auf Rang 10, nachdem er während einer Safety-Car-Phase zweimal zum Tanken und Reifenwechseln in der Box war.
Er hatte sich im Reifenpoker verzockt, setzte erst auf Rillenreifen und dann auf Intermediates. Schumacher rechtfertige diese Entscheidung: „Wir waren zu langsam, die Spitze ist uns anfangs davongefahren. Die einzige Chance wäre wechselnde Bedingungen gewesen. Nötig gemacht hatte den Einsatz des Safety Cars in der 11. Runde ein schwerer Unfall des Italieners Giancarlo Fisichella, der mit seinem Renault in der berüchtigten Eau-Rouge-Kurve von der Strecke gerutscht, aber unverletzt geblieben war.
Ralf Schumachers Problem mit den Trockenreifen
Während die Silberpfeile in der Anfangsphase im Formationsflug der Konkurrenz enteilten, war Alonso zunächst nicht in der Lage, das Tempo von Trulli zu halten. Nach dem Fisichella-Crash schickte die Rennleistung das Safety-Car auf die Strecke, was fast alle Fahrer zum Nachtanken nutzten. Während Montoya schnell in die Box fuhr, ließ sich Räikkönen viel Zeit, weil ihn kein Konkurrent überholen durfte.
Nach der Freigabe des Rennens hielt Ralf Schumacher auf Platz zwei eine ganze Zeit das Tempo des führenden Montoya. Räikkönen folgte mit einigen Sekunden Abstand, Alonso war auf Platz vier vorgerückt. In Runde 24 fuhr Ralf Schumacher zum zweiten Mal an die Box, ließ nachtanken und Trockenreifen aufziehen, mit denen er in der nächsten Runde prompt von der Strecke ins Gras rutschte, aber weiterfahren konnte.
Strafen für Sato und Pizzonia
Eine Runde später ließ er wieder Regenreifen aufziehen und fiel bis auf Rang 13 zurück. Nach einer Aufholjagd nahm „Schumi II“ als Siebter schließlich noch zwei Punkte mit. Räikkönen fuhr in der Folgezeit mit mehreren schnellsten Runden wieder an Montoya heran. Eine Runde, nachdem Alonso im 32. Umlauf seinen zweiten Tankstopp absolviert und Rang drei gehalten hatte, legte Montoya den zweiten Halt ein. Räikkönen übernahm die Führung, blieb zwei Runden länger draußen und fuhr so viel Vorsprung heraus, um die Führung zu behalten.
BMW-Williams-Pilot Antonio Pizzonia ist nach seinem Auffahrunfall mit einer Geldstrafe von 8.000 Dollar (knapp 6.500 Euro) belegt worden. Der Brasilianer hatte in der viertletzten Runde den zu diesem Zeitpunkt auf Platz zwei liegenden Juan-Pablo Montoya im McLaren-Mercedes von der Strecke geschoben. Auch der Unfall zwischen Michael Schumacher und Takuma Sato hat Folgen: Der Japaner wird beim Rennen in Brasilien um zehn Plätze nach hinten versetzt.
Pausierender Heidfeld nach Verkehrsunfall verletzt
Williams-BMW-Pilot Nick Heidfeld (Mönchengladbach) muß auch beim Großen Preis von Brasilien in zwei Wochen in Sao Paulo eine Zwangspause einlegen. Der 28jährige zog sich beim Radfahren in Stäfa in seiner Schweizer Wahlheimat bei einer selbst verschuldeten Kollision mit einem Motorrad einen Riß des rechten Schulterblatts, eine Verstauchung eines Fingers sowie mehrere Schürfwunden zu. „Dadurch kann ich beim nächsten Formel-1-Rennen leider nicht starten“, teilte er am Sonntag mit.
Heidfeld wollte am Samstag mit der Radfahrt überprüfen, ob er wieder fit für einen Formel-1-Test an diesem Donnerstag in Silverstone ist. Wegen eines Unfalls bei Testfahrten hatte er die letzten beiden Grand Prix in Monza und Spa-Francorchamps wegen starker Kopfschmerzen auf ärztlichen Rat hin absagen müssen.