10.09.2006 · Michael Schumacher hat den Großen Preis von Italien gewonnen und seinen Rückstand in der Fahrerwertung verkürzt. Nach dieser Saison will er seine Karriere beenden.
Michael Schumacher hat am „Tag der Entscheidung“ zum fünften Mal den Großen Preis von Italien gewonnen und seine Chancen deutlich verbessert, seine einzigartige Karriere mit dem achten WM-Titel abzuschließen. Der 37jährige, dessen erwarteten Rücktritt zum Saisonende sein Ferrari-Team unmittelbar nach der Zieldurchfahrt bekanntgab, hat nach dem 90. Sieg seiner Laufbahn vor den letzten drei Grand Prix nur noch zwei Punkte Rückstand auf Titelverteidiger Fernando Alonso (106:108).
Der Spanier schied auf Platz drei fahrend neun Runden vor Schluß mit einem Motorschaden an seinem Renault aus. Damit beginnt das Titelrennen 2006 zwischen Schumacher und Alonso in drei Wochen in Schanghai quasi wieder von vorne. „Ich konzentriere mich jetzt auf die letzten drei Rennen und hoffe, daß wir dieses Jahr mit der Weltmeisterschaft abschließen können. Der Titel ist in greifbare Nähe gerückt“, sagte Schumacher auf der Pressekonferenz, nachdem er sichtlich bewegt und mit stockender Stimme seinen Abschied aus der Königsklasse erklärt hatte.
Adieu nach 16 Jahren
„Das ist heute ein sehr spezieller Tag. Es hat etwas länger gedauert, aber ich glaube, jetzt ist der richtige Moment gekommen. Das wird heute mein letztes Monza-Rennen gewesen sein, denn ich werde mich am Ende des Jahres aus dem Motorsport zurückziehen“, meinte Schumacher, der sich bei seinen Fans und seiner Familie für die Unterstützung in 16 Jahren in der Formel 1 bedankte.
Rund 80.000 begeisterte Tifosi jubelten Schumacher in der Ferrari-Heimat Monza, wo er 1996 seinen ersten Sieg für die „Roten“ geholt hatte, also zum letzten Mal zu, als er auf das wie ein Ufo über der Zielgeraden schwebende Siegerpodest stieg. Schumacher, der seinen von der Pole Position gestarteten Ferrari-Nachfolger Kimi Räikkönen im McLaren-Mercedes beim ersten Boxenstopp überholte, fuhr souverän seinen sechsten Saisonsieg heraus und hatte danach Glück, daß Alonso zum zweiten Mal in dieser Saison nach dem Ausfall von Ungarn leer ausging. Als der blaue Renault in einer weißen Wolke verschwand, begann auf den Tribünen die rote Glückseligkeit.
Alonso frustriert
„Natürlich bin ich sehr enttäuscht, wie das Rennen verlaufen ist. Aber so etwas passiert, mal mir und mal Anderen“, sagte Alonso, der wie Schumacher sechs Saisonsiege hat: „Ich habe schon oft gesagt, wer die meisten Rennen gewinnt, der wird Weltmeister. Das wird sich in den letzten drei Grand Prix jetzt herausstellen. Wir sind in der Lage, zu gewinnen.“ Vor seinem Ausfall hatte der Spanier sich noch erfolgreich gegen Schumachers Teamkollegen Felipe Massa (Brasilien) gewehrt und den Polen Robert Kubica im BMW-Sauber nach seinem zweiten Reifenwechsel in einer Millimeter-Entscheidung in der Boxengasse überholt.
Durch Alonsos Ausfall bekam Kubica aber den dritten Platz zurück und fuhr damit in seinem erst dritten Rennen seine erste Podiumsplazierung heraus. Zudem war es der erste Podiumsplatz eines Polen in der Formel-1-Geschichte. Kubicas Teamkollege Nick Heidfeld dagegen, der mit Startplatz drei das beste Qualifying-Resultat des neuen BMW-Sauber-Teams herausgefahren hatte, landete nach einer ganz schwachen ersten Runde und einer Durchfahrtstrafe wegen zu schnellen Fahrens in der Boxengasse am Ende auf Platz acht. Keine große Rolle spielte Toyota-Mann Ralf Schumacher (Kerpen) als 15., Nico Rosberg (Wiesbaden) im Williams schied in der 10. Runde mit technischen Problemen aus.
Räikkönen wechselt zu den Roten
Alonso mußte den Italien-GP vom zehnten Startplatz aus angehen, nachdem ihn die Rennkommissare wegen einer angeblichen Behinderung von Massa im Qualifying von der ursprünglich fünften Startposition zurückversetzt hatten. Der Spanier fühlte sich daraufhin von der Rennleitung verschaukelt. „Ich halte das nicht mehr für einen Sport. Wenn das so weitergeht, wie sollen wir da in Zukunft noch Rennen fahren“, hatte der 25jährige schon vor dem Rennen geschimpft.
Der Asturier muß jetzt mehr denn je um seine erfolgreiche Titelverteidigung bangen. Schumacher könnte ihn mit drei Siegen in Shanghai (1. Oktober), Suzuka (8. Oktober) und Sao Paulo (22. Oktober) noch aus eigener Kraft abfangen. Sollte Alonso beim nächsten Rennen ein Problem haben, könnte Schumacher sogar beim nächsten Rennen in China schon erstmals seit fast zwei Jahren wieder der Spitze der WM-Wertung übernehmen.
Im „Königlichen Park“ von Monza begann der dramatische Renntag mit einem Start ohne Crashs. Michael Schumacher verlor zunächst die zweite Position gegen Heidfeld, holte sie sich aber in der ersten Schikane nach einem gekonnten Manöver zurück. Alonso machte in den ersten Runden sofort vier Positionen bis auf Rang sechs gut, blieb dann jedoch zunächst hinter dem Briten Jenson Button im Honda hängen.
16. Ferrari-Sieg in Monza
Vorn setzten sich Räikkönen und Schumacher, die bei der Qualifikation nur zwei Tausendstel getrennt hatten, im Doppelpack vom Feld ab. Die „rote Wand“ der Ferrari-Fans mit Plakaten wie „Schumi und Ferrari - die Liebe hält ewig“ oder „Danke Schumi für alles“ jubelte ihrem Idol bei jedem Durchlauf zu, doch der noch bei „Silberpfeilen“ unter Vertrag stehende Räikkönen war vorerst zu schnell zum Überholen.
In Runde 15 mußte der „Iceman“ jedoch an die Box, Schumacher kam erst zwei Runden später herein, aber vor dem Finnen wieder auf die Strecke. Es war die vorentscheidende Szene des Rennens. Schumacher baute danach seinen Vorsprung auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke weiter aus und verteidigte auch bei der zweiten Boxenstopp-Serie in Runde 39 seine Führung. So fuhr er zum insgesamt 16. Ferrari-Sieg in Monza.
Jetzt ist es soweit
André Rößner (roessners)
- 10.09.2006, 18:09 Uhr