31.03.2008 · Die Geburt des Faschismus aus dem Geist des Autorennens - das ist eine These, die den Deutschen kaum einleuchten wird, vielleicht nur den Kunsthistorikern und Italienkennern unter ihnen oder solchen Psychoanalytikern, die über aggressive Männlichkeit forschen.
Von Lorenz JägerDie Geburt des Faschismus aus dem Geist des Autorennens - das ist eine These, die den Deutschen kaum einleuchten wird, vielleicht nur den Kunsthistorikern und Italienkennern unter ihnen oder solchen Psychoanalytikern, die über aggressive Männlichkeit forschen.
Denn so las man es vor knapp hundert Jahren im ultraavantgardistischen „Futuristischen Manifest“ von Mussolinis späterem Parteigänger Filippo Marinetti: „Wir erklären, dass sich die Herrlichkeit der Welt um eine neue Schönheit bereichert hat: die Schönheit der Geschwindigkeit. Ein Rennwagen, dessen Karosserie große Rohre schmücken, die Schlangen mit explosivem Atem gleichen, ein aufheulendes Auto, das auf Kartätschen zu laufen scheint, ist schöner als die Nike von Samothrake.“
Amüsement der Oberschicht
Aggro-Techno der Großväterzeit, sicher, aber Max Mosley könnte das Manifest heute noch unterschreiben. Der Kreis scheint sich wieder zu schließen. Mosley ist Präsident des Internationalen Automobilverbandes, er fuhr früher selbst Rennen und bestimmt seit langem die Geschicke der Formel 1. Nun hat er ein eigenes Faschismus-Problem, wie nicht nur Boulevardblätter berichten. [...].
Max Mosley ist, wie kaum ein Bericht zu erwähnen versäumt, der Sohn des britischen Faschistenführers Oswald Mosley und dessen bildschöner Frau Diana. Seine Mutter gehörte zu den Mitford-Schwestern, die die Ideologien unter sich aufteilten: Unity ging zu Hitler, eine andere Schwester schloss sich den Kommunisten an. Diana internierte man zusammen mit ihrem Mann bald nach der Geburt von Max; als „alte Knastschwester“ (old jailbird) grüßte sie Evelyn Waugh in einem Brief. Nur: Ganz geht die hübsche Gleichung doch nicht auf. Marinettis Rennfahrer-Faschismus galt den Nationalsozialisten als entartet. „Wir wollen den Mann besingen, der das Steuer hält, dessen Idealachse die Erde durchquert, die selbst auf ihrer Bahn dahinjagt“, hatte der Italiener verkündet. „Deutsche Kunst“ war damit nicht zu machen.