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Formel 1: Vettel und Rosberg Auf rasanter Bewerbungstour

07.06.2009 ·  Sebastian Vettel und Nico Rosberg empfehlen sich mit guten bis meisterlichen Leistungen in der Formel 1 für höhere Aufgaben. Über Nick Heidfeld und Timo Glock kreist die Ungewissheit - abrupte Vollbremsung nicht ausgeschlossen.

Von Michael Wittershagen, Istanbul
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Die Formel 1 ist ein ständiger Wettlauf mit der Zeit, und für die Protagonisten geht es vor allem darum, sich weiterzuentwickeln. Wer stagniert, der verliert. Das gilt für die Teams genauso wie für die Fahrer, und deshalb wird die Vielfalt der Möglichkeiten für die kommende Saison schon jetzt genau analysiert. Auch wenn das öffentlich kaum einer zugeben mag. Immerhin sagt Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug: „Wir haben ständig den Wunsch, den besten Fahrer zu verpflichten, der gerade verfügbar ist.“

Er sagt dies im verspiegelten Motorhome von McLaren-Mercedes, schaut währenddessen auf das Mobiltelefon, und sein Blick verrät nichts darüber, welche Pläne er in diesem Sommer wirklich verfolgt. Sehr wahrscheinlich aber ist, dass das Cockpit von Heikki Kovalainen zur neuen Saison frei wird. Der Finne konnte zuletzt viel zu selten mit seinen Qualitäten überzeugen und wird vermutlich Platz machen müssen für einen Nachfolger. Weltmeister Lewis Hamilton sagt: „Ich will einen netten Teamkollegen, der mich anstachelt.“

An Interessenten für die frei werdende Stelle mangelt es sicher nicht, und die Bewerbung von Nico Rosberg in diesen Tagen von Istanbul könnte öffentlicher kaum sein. In einem Fernsehinterview wurde er gefragt, ob er sich vorstellen könne, Teamkollege von Hamilton zu werden – und musste nicht lange über die Antwort nachdenken: „In meinem Kopf schon.“ Nach dieser Saison endet der Vertrag des Dreiundzwanzigjährigen bei Williams, Rosberg sucht schon jetzt nach einer neuen Perspektive: „Im Moment bin ich ganz klar in der Phase, wo ich mich ein bisschen umhöre.“

Er wird Angebote bekommen, schließlich vereint er vieles von dem, was einen in der Branche begehrenswert macht: Rosberg hat das Abitur mit Bravour bestanden, er spricht vier Sprachen fließend und hat das mitunter harte Geschäft als Sohn des ehemaligen Formel-1-Weltmeisters Keke Rosberg von klein auf miterlebt. Seit 2006 ist Nico Rosberg selbst fester Bestandteil im schnellsten Zirkus der Welt. „Ich schätze seine Fähigkeiten“, sagt Haug. „Nico hat sich gut entwickelt in den vergangenen Jahren.“ In einem Team, dessen beste Zeiten vorbei scheinen und bei dem er sich trotzdem wiederholt in das Rampenlicht gefahren hat. Das war sein Ziel, wie er schon nach seinem zweiten Platz von Singapur im September 2008 sagte: „Der Marktwert eines Fahrers hängt mit dem Auto zusammen. Geht das Auto nicht, dann fällt er. Man muss versuchen, mit einem langsameren ab und zu nach vorne zu kommen.“ Genau das ist oftmals die Basis für rasante Aufstiege.

Ecclestone würde Vettel gern in einem Ferrari sehen

So hat Sebastian Vettel sein Talent in der vergangenen Saison im mittelmäßigen Toro Rosso eindrucksvoll bewiesen. Aus einem Nebendarsteller wurde so ein gefeierter Mann, der inzwischen mit Red Bull sogar um den Gewinn der Weltmeisterschaft fährt. Das weckt Begehrlichkeiten und Interessen. Am Freitagnachmittag stand Vettel gemeinsam mit Pasquale Lattuneddu – umringt von Fotografen – im Fahrerlager von Istanbul, aber die beiden ließen sich überhaupt nicht irritieren von der Aufmerksamkeit, die ihre Begegnung auslöste. Ein Scherz, ein breites Grinsen, am Ende eine freundliche Umarmung. Einer der größten Hoffnungsträger der Formel 1 und der Assistent von Chefvermarkter Bernie Ecclestone hatten viel Freude in diesem Moment.

Warum, das bleibt vorerst ihr Geheimnis. Vielleicht hat Lattuneddu einen Gruß von Ecclestone übermittelt. Seit Monaten ist bekannt, dass der 78 Jahre Engländer den jungen Deutschen in näherer Zukunft gern in einem Ferrari sehen würde, weil er sich aus dieser Kombination mehr Interesse am Rennspektakel verspricht. Und auch Vettel lässt Raum für Spekulationen, wenn er sagt: „Mein Ziel ist es, im bestmöglichen Auto zu sitzen und Rennen zu gewinnen. Im Moment bin ich gut aufgehoben, wo ich bin.“ Sein Vertrag im Team des österreichischen Brausehersteller endet nach der kommenden Saison.

Glock hat deutlich bessere Perspektiven als Heidfeld

Aber was auch immer passiert, Vettel muss sich um seine Zukunft vorerst keine Sorgen machen. Über zwei anderen deutschen Fahrer kreist indes schon jetzt die Ungewissheit – aus unterschiedlichen Gründen. Weil immer noch nicht sicher ist, ob sich Toyota am Ende dieses Jahres aus der Formel 1 verabschiedet, weiß auch Timo Glock noch nicht, bei welchem Team er künftig fahren wird. Neben Rosberg gilt er als weiterer Kandidat bei McLaren-Mercedes. „Wir müssen abwarten und sehen, wie die Gesamtsituation nächstes Jahr aussieht“, sagt Glock, der deutlich bessere Perspektiven haben wird als Kollege Nick Heidfeld, dessen Kontrakt bei BMW-Sauber endet und der sich bisher nicht für eine Verlängerung empfohlen hat.

Heidfeld sagt: „Wie immer werde ich mir zu gegebener Zeit überlegen, welche relevanten Optionen für mich in Zukunft am erfolgversprechendsten sind.“ Fest steht: Es wird einiges passieren in den kommenden Monaten, und eines hat schon seit Jahren Bestand: „Bei vielen Motorsportfans besteht sicher den Wunsch, wieder einmal einen deutschen Fahrer bei McLaren-Mercedes zu sehen, und ich kann das sehr gut verstehen“, sagt Norbert Haug. Der Weg scheint frei. Erst recht, seitdem sich mit dem Ausscheiden von Teamchef Ron Dennis die Machtverhältnisse innerhalb der deutsch-englischen Renngemeinschaft verschoben haben.

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Jahrgang 1981, Sportredakteur.

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