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Formel 1 Unverletzt, schmerzfrei, fröhlich: Lewis Hamilton

22.07.2007 ·  Der Nürburgring wäre Lewis Hamilton fast zum Verhängnis geworden. Nur sechs Wochen nach dem schweren Unfall von Robert Kubica sorgte der WM-Spitzenreiter für eine Schrecksekunde in der Formel 1. Doch für den Engländer blieb der Abflug ohne Folgen.

Von Anno Hecker, Nürburgring
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Erst die Marke, dann der Mensch? Das war die grobe Reihenfolge im sogenannten „Brandcenter“ von McLaren-Mercedes am Samstagnachmittag. Im angeblich elf Millionen Euro teuren, verspiegelten, mobilen Turm des Formel-1-Teams eröffnete Ron Dennis die obligatorische Pressekonferenz samstags vor einem Rennen zwar mit einem kurzen, erfreulichen Hinweis auf den Gesundheitszustand seines Piloten Lewis Hamilton.

Dann aber leitete der McLaren-Boss geschwind über ins hauseigene TV-Werbeprogramm: Hamilton und sein Teamkollege Fernando Alonso beim Wettlauf auf dem Weg zum Hotel, zur Rezeption, ins Zimmer, in den Fitness-Raum und die Sauna. Das Rennen machte schließlich Mika Häkkinen, einst zweimaliger Weltmeister von McLaren-Mercedes und inzwischen eine populäre Werbefigur in Deutschland. Ein lustiges Filmchen. Nur Hamilton konnte während der Premiere nicht über den Streifen lachen. Er lag zur gleichen Zeit in der Röhre eines Computertomographen im Bundeswehrkrankenhaus von Koblenz. Es gibt glücklichere Momente. Wer den Spot trotzdem zeigt, braucht für den Schaden nicht zu sorgen.

Mit 250 Sachen in den Reifenstapel

Eineinhalb Stunden vorher war der 22 Jahre alte Brite, Führender der Formel-1-Weltmeisterschaft, beim Qualifikationstraining auf dem Nürburgring mit seinem McLaren wegen eines technischen Defektes heftig in die Streckenbegrenzung eingeschlagen. Ein Schlagschrauber hatte nach Angaben von Dennis beim Reifenwechsel nicht richtig funktioniert. Die Sicherungsmutter des rechten Vorderrades saß also nicht an ihrem Platz, als sich Hamilton auf dem Weg zur Vollgasrunde machte. Nach einer Anlauftour über den Grand-Prix-Kurs brach vermutlich die Felge bei der Anfahrt zum „Schumacher-S“.

Bei Tempo 250 ließ sich der McLaren nicht mehr steuern. Er schoss geradeaus von der Piste durch ein Kiesbett mit etwa 120 Kilometer pro Stunde in die Reifenstapel. Der Crash ähnelte dem Unfall von Michael Schumacher 1999 beim Großen Preis von England in Silverstone. Damals versagten die Bremsen des Ferrari. Schumacher erlitt einen Unterschenkelbruch, fiel für sechs Grand Prix aus, verlor das große WM-Rennen. Hamilton, von Sanitätern mit einer Krause um den Hals und Infusionsschlauch im Arm auf der Trage am Samstag um 15.07 Uhr abtransportiert, spazierte drei Stunden später wieder ins Fahrerlager: unverletzt, schmerzfrei, fröhlich: „Ich hatte Glück.“ Das sah auch der Rennarzt des Internationalen Automobil-Verbandes (FIA) so. Gary Hartstein erteilte am Sonntagmorgen die Starterlaubnis.

„Ich hatte keine Sorgen“

Gestern eingeschlagen, heute wieder auf vollen Touren. Das gehört zum Berufsbild eines Formel-1-Piloten (Siehe auch: Unfall in Montreal: Die Formel 1 hat Glück gehabt). Hamiltons Kollegen blieb eine halbe Stunde, über den Unfall und die Risiken des Jobs nachzudenken. Dann rief die FIA zur Fortsetzung des Qualifyings: „So ist der Motorsport“, erklärte Hamiltons Teamkollege Fernando Alonso. „Ich hatte keine Sorgen. Ich habe nicht nachgefragt, wollte die Ingenieure nicht stören. Ich war mir sicher, dass mein Auto völlig okay war.“

Der Spanier gab nach Hamiltons Crash so viel Gas, dass es trotz eines Fahrfehlers zum zweiten Startplatz hinter Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen reichte. Von seinem großen Glück im Unglück Hamiltons ahnte er angeblich nichts: Am rechten Vorderreifen von Alonsos Boliden wäre ohne den Unfall der gleiche Schlagschrauber zum Einsatz gekommen.

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Jahrgang 1964, Sportredakteur.

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