22.06.2009 · Mit Jackie Stewart hat das erste namhafte Mitglied der Formel-1-Gesellschaft den Rückzug von Max Mosley gefordert. Das sagte er der F.A.Z. in Silverstone. Unterdessen kritisierte auch Michael Schumacher die „politischen Spielchen“.
Von Anno Hecker, SilverstoneJackie Stewart hat als erstes namhaftes Mitglied der Formel-1-Gesellschaft den Rückzug von Max Mosley, dem Präsidenten des Automobil-Weltverbandes (Fia), gefordert: „Max muss weg. Er führt die Formel 1 in einer imperialistischen Art und Weise“, sagte der dreimalige Weltmeister, mittlerweile Sponsorenberater, am Sonntag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Damit reagierte der Schotte auf die Ankündigung der Teamvereinigung Fota, eine eigene Rennserie gründen zu wollen. „Es sollte nur eine Formel 1 geben“, sagte Stewart, „wenn die besten Teams gehen, dann werden sich auch die Sponsoren abwenden. Ich habe 40 Jahre Erfahrung mit großen Unternehmen. Das muss verhindert werden.“
Stewart ist allerdings überzeugt, dass der Fia-Chef, sein Intimfeind aus England, nicht vom Weltrat des Verbandes – er tagt am kommenden Mittwoch – oder von der Generalversammlung im Oktober abgewählt wird. „Das ist unmöglich. Max regiert die Fia seit 18 Jahren.“ Stattdessen forderte Stewart den Chefvermarkter Bernie Ecclestone auf, Mosley zum Rückzug zu bewegen und dann die Formel 1 in Abstimmung mit den Rennställen zu führen. „Er könnte dann neue Verträge mit den Teams machen, die ihm erlauben würden, die Ansprüche der Geldgeber zu erfüllen.“ Ecclestone ist Statthalter des britischen Unternehmens CVC, das die Vermarktungsrechte an der Formel 1 mit Hilfe von Krediten gekauft hat. Die Zahlung von Zins und Tilgung, hieß es im Fahrerlager, geriete in Gefahr, wenn die Fota abwanderte.
„Ich habe etwas Sympathie für die Teams“
Ecclestone ging am Samstag auf die revoltierenden Rennställe zu: „Ich habe etwas Sympathie für die Teams“, sagte der Brite der BBC: „Niemand möchte gesagt bekommen, wie er sein Geld ausgibt. Ich sage, dass sie ihr Geld ausgeben können, wie sie wollen, vorausgesetzt, sie bestätigen, dass sie weitere fünf Jahre in der Meisterschaft sind.“ Damit wandte sich Ecclestone gegen den von Mosley angeordneten Budget-Cap für 2010.
Der Streit um die Höhe der Ausgaben soll allerdings nicht ausschlaggebend für die Entscheidung der Fota gewesen sein. Sie ist – inoffiziell – wie Stewart der Ansicht, dass der Fia-Chef als Regelmacher und Überwacher vor allem seine Machtposition gesichert hat. Die letzten Regeländerungen bestimmte Mosley, ohne die Rennställe einzubinden. Sein letztes Verhandlungsangebot lehnten die Teams ab, weil sie sich vorher verbindlich für die Formel 1 2010 hätten einschreiben müssen. Mosley wiederum hat den Versuch, die drohende Abwanderung mit juristischen Schritten zu unterbinden, wieder fallen lassen.
„Politische Spielchen haben mich schon immer genervt“
Der siebenmalige Weltmeister Michael Schumacher forderte unterdessen das Ende der „politischen Spielchen“ um den Führungsanspruch in der Formel 1. „Die haben mich schon immer genervt. Ich finde es extrem schade, dass in letzter Zeit in der Formel 1 so viel über Politik geredet wird und so wenig über den Sport“, schrieb der 40 Jahre alte Ferrari-Berater auf seiner Internetseite. Als beste Lösung, die massiven Auseinandersetzungen zwischen Weltverband Fia und Teamvereinigung Fota zu beenden, sieht er die Gründung einer neuen Rennserie an. „Für mich ist das inzwischen eine echte Alternative“, schrieb Schumacher, dessen Rennstall Ferrari zu den acht Teams gehört, die angekündigt haben, die Formel 1 zu verlassen.
„Natürlich erscheint das erst mal unvorstellbar, aber diesmal stehen alle großen Teams dahinter. Dadurch wird eine neue Meisterschaft schon deutlich realistischer.“ Der Kerpener erklärte weiter, die Formel 1 müsse die Spitze des Motorsports bleiben. „Aber wenn das durch permanente Regelunsicherheit in Frage gestellt wird, ist es vielleicht wirklich besser, diesen Anspruch zu verteidigen, zu gehen und woanders vernünftig zu etablieren.“ Es sei nicht nachvollziehbar, dass sich alle Teams einig seien in ihren Reformansätzen, die Sporthoheit trotzdem etwas anderes durchsetzen wolle.
Silverstone kann auf weitere Rennen hoffen
Derweil machte Formel-1-Chef Bernie Ecclestone Silverstone neue Hoffnung auf einen Verbleib in der Serie. Ursprünglich sollte der Grand Prix von Großbritannien am Sonntag das letzte Formel-1-Rennen auf dem Traditionskurs in Mittelengland sein. Als neuer Veranstaltungsort ist von 2010 an Donington vorgesehen. Sollte Donington, von dem es heißt, es stecke in finanziellen Schwierigkeiten, nicht alle Vereinbarungen erfüllen, „dann werden wir sicherlich nach Silverstone zurückkommen“, sagte Ecclestone. Er hatte immer wieder eine Modernisierung der Anlage gefordert.
Ecclestones Sinneswandel hängt mit personellen Veränderungen an der Spitze des Silverstone-Betreibers zusammen, dem „British Racing Drivers' Club“. „Sie haben jetzt mehr geschäftstüchtige Leute, und diese Leute versuchen alle, die Gründe zu beseitigen, aus denen wir diesen Platz verlassen wollten.“ Viele Fahrer würden einen Verbleib in Silverstone begrüßen. Im Umkreis der Strecke haben zudem zahlreiche Teams ihre Werke. Sollte es zu einer Abspaltung von der Formel 1 durch die acht in der Fota organisierten Teams kommen, hätte Silverstone deshalb gute Chancen, Standort in der Konkurrenzserie zu werden.