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Formel 1: Sebastian Vettel Angriff mit der „scharfen Mandy"

29.05.2010 ·  Formel-1-Pilot Sebastian Vettel steht nach zwei teaminternen Niederlagen gegen Mark Webber unter Druck. Im neuen Red-Bull-Chassis, das er „Randy Mandy“ getauft hat, will er sich vom Australier distanzieren.

Von Michael Wittershagen, Istanbul
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Nichts mehr als dieses Lächeln. Zumindest nach außen. Es ist sein Schutzschild in diesen Tagen, Sebastian Vettel will Einblicke vermeiden, die offenbaren, wie es in ihm aussieht. Aber die fröhliche Fassade hält seinen Worten nicht permanent stand. „Es ist doch normal, dass mal ein anderer schneller ist“, beteuert der Zweiundzwanzigjährige. „Es verwundert mich nur, dass das immer gleich wie ein Weltuntergang dargestellt wird.“ Der andere ist Teamkollege Mark Webber.

Er fährt ihm seit zwei Rennen vor der Nase her, hat kaum Schwächen gezeigt und liegt vor dem Großen Preis der Türkei an diesem Sonntag punktgleich (78) mit Vettel an der Spitze der Fahrerwertung. Es ist der Beweis dafür, dass Red Bull derzeit das Tempo vorgibt in der Formel 1. Nicht wenige Experten sehen den Kampf um den Titel in diesem Jahr als interne Angelegenheit zwischen Vettel und Webber an. „Red Bull fährt gerade in einer eigenen Welt“, sagt Rekordweltmeister Michael Schumacher (Mercedes).

Bei Red Bull ist der Chefdesigner der Star

Jeweils drei Mal standen Vettel und Webber bei den bisherigen sechs Rennen auf der Pole Position. Dass beide der Konkurrenz nicht schon weit enteilt sind, lag an den technischen Defekten der Boliden vor allem in der Frühphase der Saison. Doch die Kurzzeit-Krise ist von einer überbordenden Begeisterung abgelöst worden. Seinen Erfolg von Monte Carlo feierte Webber im Swimming Pool des österreichischen Brauseherstellers.

Der Grund für die derzeitige Dominanz sind vor allem die Ideen von Adrian Newey. Dem Chefdesigner ist mit dem RB6 ein Meisterwerk gelungen. „Adrian ist die Attraktion bei uns“, sagt Webber. „Er besitzt unglaubliches Talent zum Bau schneller Autos.“ Mit Zutaten wie zum Beispiel einer ausgefeilten Aerodynamik und einem effizienten Doppel-Diffusor. In Istanbul testeten beide Piloten am Freitag nun auch noch das sogenannte F-Schacht-System, das auf der Geraden einen Strömungsabriss am Heckflügel bewirkt. Der Bolide ist so noch einmal um bis zu zehn Kilometer pro Stunde schneller. „Ich glaube nicht, dass es viele Fahrer gibt, die mit diesem Auto nicht auf Platz eins und zwei fahren würden“, sagt Nick Heidfeld.

Webber kämpft gerade um die Chance seines Lebens

Der Mercedes-Testpilot war in der Saison 2005 Teamkollege von Webber bei Williams und hat dabei auch eine andere Seite des in der Öffentlichkeit so oft lachenden Australiers kennengelernt. „Es ist nicht alles easy going bei ihm“, sagt Heidfeld. Hinter den Kulissen ist Webber ein verbissener Arbeiter. Nach den Niederlagen gegen Vettel in Bahrein, Australien oder Malaysia quoll der Ärger aus jeder Pore seines Gesichts. Webber kämpft gerade um die Chance seines Lebens.

Im Alter von 33 Jahren sitzt er zum ersten Mal in seiner Karriere von Saisonbeginn in einem Wagen, der ihn zum ganz großen Coup verhelfen könnte. „Man muss immer die Hoffnung haben, mal ein richtig konkurrenzfähiges Auto zu bekommen“, sagt er. Weder bei Minardi noch bei Jaguar und Williams kam er bisher in diesen Genuss, und vielleicht galt Webber deshalb lange als einer der am meisten unterschätzten Fahrer im Feld.

„Es gab Zeiten, da war Sebastian nahezu unantastbar“

Auch vor dieser Saison sah Vettel bei Red Bull noch wie die natürliche Nummer eins aus, schließlich wird er ein Teil der Zukunft dieses Teams sein. „Es gab Zeiten, da war Sebastian nahezu unantastbar. Ich hoffe, das wird nicht mehr so oft der Fall sein.“ Nun ist es der Deutsche, der sein Revier verteidigen muss. In den ersten beiden Trainingssitzungen am Freitag war er abermals langsamer als Webber. Dann aber wurde der Australier einmal mehr vom eigenen Auto gestoppt: Motorschaden.

Webber ist wahrscheinlich in der Form seines Lebens. Noch im vergangenen Jahr fuhr er beinahe bis zum letzten Rennen unter Schmerzen. Im November 2008 war er mit seinem Rennrad in Tasmanien auf der falschen Straßenseite unterwegs und prallte mit einem entgegenkommenden Auto zusammen. Das rechte Schien- und Wadenbein brach ebenso wie die linke Schulter. Ein Titannagel erinnert ihn an den Unfall. Noch vor Wochen gab es Gerüchte, Kimi Räikkönen, zurzeit in der Rallye-Weltmeisterschaft für Red Bull unterwegs, könnte im kommenden Jahr die Nachfolge von Webber antreten. Glaubt man Teamchef Christian Horner, dann soll der auslaufende Vertrag mit Webber jedoch verlängert werden. „Wir sind mit ihm sehr zufrieden, warum sollten wir also etwas ändern?“

„Ich glaube, dass in meinen Kopf noch alles in Ordnung ist“

Für Vettel gab es zuletzt nach Rang drei in Barcelona und Platz zwei in Monte Carlo allen Grund für Veränderung. In der Türkei wird er mit einem neuen Chassis antreten, er hat es „Randy Mandy“, die „scharfe Mandy“ genannt. Zuletzt habe ihm ein wenig das Vertrauen gefehlt, sagt er. „Und dann lässt du das Auto einfach nicht mehr fliegen.“ Was diese Situation aus ihm machte, konnte jeder sehen. Mit ernstem Blick und zusammengekniffenen Lippen stand Vettel auf dem Podium, er mag es nicht sehen, wenn ein anderer den größeren Pokal bekommt.

„Es ist kein Geheimnis, dass wir uns gegenseitig schlagen wollen. So muss es doch auch sein“, sagt Webber. Das große Ziel kann nur einer der beiden erreichen. Einige wollten Vettel nach den neuerlichen Rückschlägen im Zweikampf mit Spätstarter Webber sogar schon ein psychologisches Problem unterstellen. Aber er lächelte die Zweifel wieder weg. „Ich glaube, dass in meinen Kopf noch alles in Ordnung ist.“ Den Beweis dafür will er auf der Strecke erbringen.

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