22.11.2009 · Schon im Sommer wollte Michael Schumacher wieder losrasen - durfte aber nicht. Nun scheint ein Comeback möglich, 2010 im Silberpfeil. Es könnte eine traumhafte Geschichte werden.
Von Anno HeckerDiese Engländer! Eben noch haben sich die Formel-1-Journalisten auf der Insel über den Wechsel von Jenson Button zu McLaren mokiert. Weil der neue Silberpfeil-Rennstall den Weltmeister der abgelaufenen Saison verloren hat. Aber dann ist ihnen aufgegangen, was dieser Zug bedeuten könnte: Buttons Ende in den Fängen von McLarens Chefpilot Lewis Hamilton und – ein grandioses Freispiel für die Deutschen. Jedenfalls erschrecken selbst die findigen Briten angesichts ihrer Phantasie: Michael Schumacher 2010 im Silberpfeil!
Diese Spekulation ist erst nach Tagen in der Heimat des Rheinländers angekommen. Weil man hierzulande, zunächst überfahren von den sich überschlagenden Nachrichten aus dem PS-Zirkus, den Coup der Coups nicht auf dem Radar hatte. Schumachers Comebackwunsch im Sommer, der Wirbel um den (Hals-)Wirbel der Nation endete schließlich nach wochenlanger Aufregung in einer Enttäuschung – für alle Seiten. Aber die Zeit heilt alle Wunden.
Schumacher wollte losrasen - durfte aber nicht
Das hatte schon Schumachers Leibarzt mit Blick auf den Schädel des Formel-1-Rekordmannes erklärt. Darin tickt ein Hirn, das reizvolle Signale empfangen hat bei den Testfahrten im Ferrari von 2007. Kreislauf an Kopf: „Bin schon wieder auf höchsten Touren.“ Muskeln an Zentrale: „Kraftniveau nach forciertem Training wie früher.“ Messprogramm an Steuereinheit: „Wie in alten Zeiten.“ Da pochte sein Herz vor Freude. Schumacher wollte wieder losrasen – durfte aber nicht.
Glaubt also jemand, dass dieser leidenschaftliche Rennfreak mit dem Durchsetzungsvermögen einer Bulldozer-Einheit seine Zukunft von vermutlich vorübergehenden Halsschmerzen abhängig macht? Oder von der Sorge, die jugendlichen Kollegen könnten ihn ausbremsen? Wahrscheinlich würde ihm die Trennung von Ferrari, wo noch viele Freunde an ihm hängen, am meisten zusetzen. Dabei haben sie ihrem Chefpiloten a. D. im Sommer zugeredet nach der Auswertung der ersten Testdaten: Michele, steig doch wieder ein!
Eine grandiose Alternative
Deshalb drängt sich die Rückkehr, sagen wir für ein Jahr, zu Ross Brawn als Teamchef von Mercedes Grand Prix, zu einem Mann, mit dem Schumacher bei Ferrari ein blindes Vertrauen verband, geradezu auf. Außerdem kommt die Regeländerung – es darf nicht nachgetankt werden im Rennen – umsichtigen Piloten wie dem Deutschen entgegen.
Die Bedenkzeit bei der Besetzung des freien Cockpits neben Nico Rosberg, die sich Mercedes’ Sportchef Norbert Haug und Brawn genommen haben, kann also nur mit der grandiosen Alternative zusammenhängen. Den Weckruf aus England hat Mercedes jedenfalls nicht nötig. Es könnte eine traumhafte Geschichte werden. Titel: Die Rückkehr vom verlorenen Sohn.