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Formel 1 Schumacher kehrt für drei Jahre zurück

23.12.2009 ·  Michael Schumacher kehrt in den Kreisverkehr zurück. Der siebenmalige Weltmeister hat bei Mercedes Grand Prix unterschrieben. Überraschend ist die Länge des Kontrakts: Schumacher soll drei Jahre für die Silberpfeile fahren.

Von Anno Hecker
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Michael Schumacher fährt wieder Formel 1. Am Mittag bestätigte der siebenmalige Weltmeister seine Rückkehr als Stammpilot des neuen Rennstalls Mercedes Grand Prix während einer Telefon-Pressekonferenz. „Ich habe die Rennstrecken 2006 verlassen, weil ich müde war. Jetzt fühle ich mich bereit für eine ernsthafte Rückkehr, richtig aufgeladen und fit“, sagte der Rheinländer. „Ich fühle mich wie ein Zwölfjähriger, der gerade vor Freude durch die Gegend hüpft.“ Den Vertrag hatte er Dienstagnacht unterschrieben. Überraschend ist nicht mehr der Wiedereinstieg seit dem ersten Rückzug Ende 2006, sondern die Länge der Vereinbarung: Der Deutsche, er wird im Januar 41 Jahr alt, will nicht nur 2010 an der Seite seines Landsmanns Nico Rossberg für Mercedes in der Formel 1 fahren. Die Abmachung mit Mercedes umfasst drei Jahre Fahrertätigkeit und soll in eine Rolle als Markenbotschafter für den Konzern münden. Fragen zur Höhe seines Gehaltes wollten weder Schumacher noch der Konzern beantworten.

Es gilt als sicher, dass der Rheinländer nicht mehr das Honorar erhält, dass er zum Ende seiner Zeit bei Ferrari (1996 bis 2006) erhielt, nämlich (geschätzt) 25 Millionen Dollar. Zusammen mit Sponsorenbeiträgen und Erfolgsprämien könnte die Vergütung aber einen zweistelligen Millionen-Betrag in Euro erreichen. „Mir geht es nicht ums Geld“, sagte Schumacher, „ich habe gespürt, dass es mir wieder Spaß macht.“

Die Bestätigung des großen Coups beschert dem Formel-1-Zirkus offenbar beste Aussichten: Schumacher im Silberpfeil, die Rückkehr des „verlorenen Sohnes“ nach fast zwanzig Jahren in ein Cockpit von Mercedes, hält Bernie Ecclestone für eine bezaubernde Geschichte. „Das ist magisch“, sagte der Chefmanager und rechnete schon mal den Ertrag hoch: Marktbeobachter rechnen mit einem sprunghaften Anstieg der Einschaltquoten bei den Übertragungen der Rennen im Fernsehen.

Nach Schumachers Rückzug war das Interesse in Deutschland zunächst um bis zu 30 Prozent gefallen, ehe Sebastian Vettel als WM-Kandidat von Red Bull wieder mehr Aufmarksamkeit erregte. Renn-Veranstalter wie die Hockenheimring GmbH erhoffen sich einen enormen Schub von Schumacher als einer Art „Außendienstmitarbeiter“ für das zuletzt defizitäre Geschäft. Angeheizt wird die große Sause von den Formel-1-Piloten. Lewis Hamilton, Weltmeister von 2008 im McLaren, wollte sich immer schon mal mit dem erfolgreichsten Fahrer der Geschichte messen. Von Alonso (im Ferrari) und Vettel ganz zu schweigen.

Gedankenspiele seit November

Beim Saisonfinale in Abu Dhabi Anfang November war Schumacher erstmals von Ross Brawn, seinem einstigen kongenialen Partner bei seinen sieben Titelgewinnen im Benetton (1994 und 1995) und später im Ferrari, angesprochen worden. Zu diesem Zeitpunkt konnte sich Schumacher eine komplette Rückkehr über eine ganze Saison mit allen Rechten und vor allem Pflichten wie PR-Kampagnen und Medienauftritten nicht vorstellen. Der Gedanke reifte aber mit dem weiteren Werben von Brawn und Mercedes-Sportchef Norbert Haug. Die beiden Strategen des neuen „Silberpfeil-Teams“ hatten einen Ersatz für den kurzfristig zu McLaren gewechselten Weltmeister Jenson Button gesucht. Sie stießen schließlich auf einen „hochmotivierten“ Rekordmann. „Wir wussten, dass Michael durch seine Testfahrten für Ferrari wieder auf den Geschmack gekommen war“, schilderte Haug. „Er wollte wieder, konnte aber aus gesundheitliche Gründen nicht. Das hat ihn geärgert.“

Schumacher hatte im Sommer für den verletzten Ferrari-Fahrer Felipe Massa einspringen sollen. Eine Schädel- und Halswirbelverletzung bewog ihn jedoch, von seinem Plan Abstand zu nehmen. Nach eigenen Angaben bereiteten Schumacher die hohen Beschleunigungskräfte beim Bremsen und in den Kurven zu starke Schmerzen. Bei einer langen Testfahrt in einem alten Ferrari hatte er auf der ersten Runde die Folgen eines schweren Motorradunfalls im vergangenen Januar zu spüren bekommen. Gleichzeitig aber stellte er zu seiner eigenen Überraschung fest, dass er selbst nach einer zweieinhalbjährigen Pause sofort wieder konstante Rundenzeiten fahren konnte; eine unbedingte Voraussetzung für Erfolg in der Formel 1. Schumachers „dicker Hals“ nach der Absage an Ferrari im Spätsommer ist längst abgeschwollen. Stattdessen wachsen die Muskeln. Seit er sich vor Wochen entschloss, für Mercedes im neuen Silberpfeil-Team zu fahren, bereitet er sich intensiv auf das Comeback vor. Unter anderem in einem Trainingsgerät, dass die Beanspruchung der Halswirbelsäule während eines Grand Prix simuliert. Schumacher hat keine Schmerzen mehr.

Wettbewerbsfähig im Kart

Ob sich die „gefühlte“ Schnelligkeit auf die Piste übertragen lässt, wird man erst in sechs Wochen erfahren. Am 1. Februar soll Schumacher erstmals im neuen Silberpfeil testen. Die jüngsten Ergebnisse Schumachers bei internationalen Kartwettbewerben gelten unter Formel-1-Experten zwar nicht als „übersetzbar“ auf die Königsklasse. Zweifellos aber bewies Deutschlands berühmtester aktiver Sportler Ende November, dass er nichts an Entschlossenheit und Kampfgeist eingebüßt hat. In den Vereinigten Staaten musste er sich nur einer Gruppe von professionellen Kartfahrern geschlagen geben.

Beim Gesamtsieg in Brasilien schlug er - nach intensiver Abstimmungsdiskussion im Hotelzimmer - eine Reihe Formel-1-Kollegen mit Felipe Massa an der Spitze. „Der Michael ist so gut drauf wie früher“, sagt ein ständiger Begleiter. „Er hat eine Erholungsphase gehabt. Ich glaube, wir werden einen noch besseren Schumacher erleben“, sagte Haug: „Wir müssen ihm natürlich ein erstklassiges Auto hinstellen.“

Motorrad war keine Alternative

Schumacher hätte sich nicht für Mercedes Grand Prix entschieden, wenn er dem Team diese Fähigkeit nicht zutraute. Die Mannschaft um Ross Brawn baute 2008 einen Boliden, mit dem Button und Rubens Barrichello die Konstrukteurs-Weltmeisterschaft gewannen. Da es für 2010 keine so massiven Regeländerungen gibt wie 2009, bietet die Basis des Rennwagens eine gute Voraussetzung für Schumachers Kalkulation: Er will wieder Rennen auf höchstem Niveau fahren. Seine mit ähnlicher Perfektion betriebenen Ausflüge in die Motorrad-Welt deuteten schon an, dass er nach 15 Jahren in der Formel 1 immer noch den Zweikampf auf der Piste liebt.

Zwar schätzte Schumacher seine Freiheit in einer relativ unbeachteten Rennserie. Aber als Quereinsteiger reichte es nicht mehr, um zum absoluten Limit vorstoßen zu können. Schumacher reizt es, in extremsten Situationen die Kontrolle zu behalten. Dabei dürfte ihm 2010 seine enorme Erfahrung zugute kommen. Im nächsten Jahr darf während der Rennen nicht mehr nachgetankt werden. Die Autos werden beim Start also wesentlich schwerer sein und über die Grand-Prix-Distanz kontinuierlich Gewicht verlieren. Die nötige Anpassung an die ständige Veränderung, der behutsame Umgang mit den Reifen, wird eine entscheidende Rolle spielen. „Für Michael ist das nichts Neues“, sagt Mercedes-Sportchef Haug. „Die Fähigkeit, sich schnell auf wechselnde Bedingungen einstellen zu können, hat ihn doch so erfolgreich werden lassen.“ (siehe: Michael Schumacher: FAZ.NET-Leser raten vom Comeback ab)

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Jahrgang 1964, Sportredakteur.

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