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Formel 1 „Schade, dass die Saison jetzt zu Ende ist“

01.11.2009 ·  Sebastian Vettel hat das Formel-1-Jahr 2010 mit seinem vierten Saisonsieg und Platz zwei in der WM-Wertung hinter dem neuen Champion Jenson Button abgeschlossen.

Von Anno Hecker, Abu Dhabi
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Überzeugender kann man nicht Zweiter werden. Mit einem außergewöhnlichen Schlussspurt hat Sebastian Vettel am Sonntag auf der Insel Yas die Premierenvorstellung der Formel 1 vor den Toren von Abu Dhabi gewonnen. Im letzten Grand Prix der Saison siegte der hessische Red-Bull-Pilot vor seinem Teamkollegen Mark Webber und Weltmeister Jenson Button im Brawn. Mit dem vierten Saisonsieg sicherte sich Vettel den zweiten Rang in der Fahrerwertung vor Rubens Barrichello (Brawn). „Das war ein perfekter Tag“, sagte der 22 Jahre alte Deutsche. „Das Auto war phantastisch, bis zum Schluss war es ein Traum, damit zu fahren, über die Randsteine zu donnern. Es gibt keinen besseren Weg, die Saison zu beenden. Leider ist es jetzt schon vorbei.“

Wenigstens ein Wunsch blieb offen im großartigen Tempel des Motorsports. Alles haben die Araber getan, um der Formel 1 das Finale so angenehm wie möglich zu gestalten. Für den Auftritt in der Welt aus 1001 Nacht, auf der prunkvollsten Bühne des Zirkus weltweit, zahlten die Gastgeber mit (geschätzt) 45 Millionen Dollar sogar eine Rekordsumme. Fehlte nur noch eines, um die Premiere zu vergolden: ein Rennen von der ersten bis zur letzten Runde. Gerade hatten die Zuschauer bei der untergehenden Sonne einen spannenden Zweikampf zwischen Vettel und Lewis Hamilton an der Spitze entdeckt, da dämmerte ihnen im Flutlicht, wie kurzlebig die Formel 1 doch sein kann. Kurz nach dem ersten Boxenstopp steuerte Hamilton seinen McLaren-Mercedes in die Garage. Eine defekte Bremsanlage am rechten Hinterrad stoppte den Engländer. „Wir haben ihn aus Sicherheitsgründen hereingeholt“, teilte McLaren mit.

Erstaunlicher Saisonverlauf

Hamiltons Ausfall war das Ende des Rennens. Vettel wehrte sich natürlich gegen diese Verkürzung der letzten Grand-Prix-Geschichte anno 2009. Immerhin waren noch 33 Runden zu fahren. Zeit genug also, um mit einem kleinen Fehler alles wegzuwerfen. Aber was ist ein Kampf gegen die Müdigkeit im Vergleich zu einem Duell zwischen dem entthronten und einem zukünftigen Weltmeister? Die Raserei zweier Siegertypen - Vettel hatte Hamilton beim Boxenstopp die Führung abgenommen - wäre auch eine Art Vorschau auf die nächste Saison gewesen. Denn McLaren-Mercedes ist, das zeigte schon Hamiltons überragende Vorstellung als Schnellster beim Qualifikationstraining, längst wieder Teil der Spitze. Und hat dabei einen Saisonverlauf hinter sich, den Mercedes-Sportchef Norbert Haug „in fünfzehn Jahren Partnerschaft nicht erlebt hat“.

Formel-1-Finale: Vettel gewinnt in Abu Dhabi

Laut interner Statistik von plus 2,5 auf minus 0,6. Das sind die Lieblingszahlen auf der Haugschen Leistungsskala: Im Winter hatte das Team plötzlich einen Rückstand von 2,5 Sekunden auf die Spitze entdeckt und wähnte sich zum Saisonstart zu Recht im hinteren Mittelfeld. Am Samstag aber überraschte Hamilton mit seinem Sondertempo Freund wie Feind: 0,6 Sekunden fuhr er schneller als Vettel im Rennen um die Pole Position.

Die Motoren schweigen nun

Die Panne trübte die Stimmung am Sonntag, aber nicht die Zuversicht. McLaren glaubt, mit dem Comeback des Jahres den Schwung in die nächste Saison mitnehmen zu können: „Wir haben das Entwicklungsprogramm fortgesetzt“, sagte Teamchef Martin Whitmarsh, „weil wir sicher sind, von den Erfahrungen für nächstes Jahr zu profitieren.“ Ferrari wählte einen anderen Weg. Die Italiener beendeten im Spätsommer angesichts ihrer Chancenlosigkeit (ein Sieg von Kimi Räikkönen) die Verfeinerung des aktuellen Autos, um sich auf den Nachfolger konzentrieren zu können. „Wir erklären uns die Schwierigkeiten in dieser Saison auch mit dem harten WM-Kampf bis zur letzten Runde 2008“, erklärt Whitmarshs Kollege Stefano Domenicali. „Beide werden sicherlich vom ersten Rennen an schnell sein“, sagte Button.

Aber sein Team Brawn, die Überraschung der Saison, und Red Bull, der Aufsteiger des Jahres, „fallen nicht zurück, da bin ich sicher. Wir haben uns eta-bliert.“ Auch deshalb fällt es der Mercedes-Fraktion nicht schwer, den Absprung durchzusetzen. Stuttgart möchte auf neue Pferde setzen, 80 Prozent von Brawn kaufen und Vettel mit einem Mercedes-Motor im Red Bull den Rücken stärken. Die Verhandlungen mit McLaren über die Modalitäten einer Trennung auf Dauer aber ziehen sich hin.

18:42 Uhr Ortszeit: Stille im Fahrerlager. Die Motoren werden nun mindestens vier Wochen schweigen. Von wohltuender Entspannung ist die Szene nach einer aufregenden, skurrilen, überraschenden Saison so weit entfernt wie Abu Dhabi von einem Wintereinbruch. Die WM mag gelaufen sein, das Rennen vor dem Rennen noch lange nicht. Spaß an der Verlängerung haben vielleicht Button, Vettel und der Champion a. D., Michael Schumacher. Die drei machten sich nach der Wüstentour auf zum „Race of Champions“ im Pekinger Olympiastadion. Zurück ließen sie einen Haufen verunsicherter Kollegen. Nie zuvor wusste die Formel 1 so wenig über ihre zukünftige Besetzung. Nur sieben von voraussichtlich 26 Fahrern sind bislang von ihren Teams offiziell als Stammpiloten für 2010 benannt worden. Sieben weitere, wie Nico Rosberg (9. im Williams) bei Brawn, haben einen Platz sicher, müssen sich aber 24 Stunden am Tag auf die Zunge beißen, weil Details zum Teil komplexer Verstrickungen noch nicht geklärt oder die PR-Maschinerie einen guten Zeitpunkt abwarten will. Es wird noch eine Weile rundgehen, bis sicher ist, dass auch Piloten wie Nick Heidfeld, zum Abschied von BMW-Sauber starker Fünfter, ein angemessenes Cockpit bekommen. Auch Vettel will sich nicht zurücklehnen: „Man muss seine Lektion lernen und versuchen, stärker zurückzukommen.“ Den Zweiten treibt ein dringender Wunsch. (siehe auch: Die skurrile Formel-1-Saison: Alte Männer, schamlose Lügner und ein paar Drinks)

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Jahrgang 1964, Sportredakteur.

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