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Formel 1 Ralf Schumacher fährt auf Bewährung

08.06.2007 ·  Natürlich hält Ralf Schumacher sich noch für einen der besten Fahrer. Doch Teamkollege Trulli fährt ihm davon. Das Auto passe nicht zu seinem Fahrstil, klagt der kleine Bruder des Serienweltmeisters. Für einen neuen Vertrag benötigt er dringend ein gutes Ergebnis.

Von Anno Hecker, Montreal
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Nun hat sich auch die Stimme des amerikanischen Motorsports gemeldet. "Mir wurde gesagt, dass Ralf Schumacher einer der bestbezahlten Fahrer der Formel 1 ist", sagt der frühere Formel-1-Weltmeister Mario Andretti. "Das zeigt nur, was ein Nachname für einen bewirken kann. Über weite Strecken seiner Karriere ist er in Michaels Rockschoß gefahren."

Schlechten Zeiten von Formel-1-Piloten folgen automatisch harte Zeiten. Rang 20 in der Startaufstellung für den Großen Preis von Monaco vor zwei Wochen diente als willkommenes Symbol: Schumacher am Ende! Der Rheinländer, hieß es, fahre auf der Amerika-Tournee am Sonntag in Montreal und eine Woche später in Indianapolis auf Bewährung. Für den Fall der fortgesetzten Langsamkeit drohe die Auswechslung bei voller Fahrt.

Zwar beeilte sich Toyota, diese Darstellung zu dementieren. Aber Schumacher ist mit dem Plädoyer des blassen Motorsport-Präsidenten von Toyota, John Howett, kaum der Druck genommen. Wenige Monate vor Ablauf seines Vertrages fehlt dem Piloten die wichtigste Voraussetzung für eine Rückkehr in die Beschleunigungsspur: das Vertrauen in den Dienstwagen.

Er hält sich für einen der besten Fahrer

Donnerstags im Fahrerlager. Seit Mitte März wiederholt sich die Prozedur. Schumacher spricht vom großen Ziel des Teams, vom ersten Sieg. Dann erklärt er, warum er mit dem Boliden nicht so die Kurve kriegt, wie sich das für einen sechsmaligen Grand-Prix-Sieger gebührt. Natürlich hält er sich noch für einen der besten Fahrer. Obwohl der Teamkollege Jarno Trulli bei jedem Zeittraining dieser Saison schneller war (5:0), sogar mal Siebter wurde. "Das Auto will halt nicht so", sagt Schumacher. Instabil beim Anbremsen und beim Beschleunigen aus der Kurve.

Im Winter noch war er "verliebt" in den Boliden. Inzwischen hat der Renner seine Anziehungskraft verloren. "Er passt nicht zu meinem Fahrstil", sagte Schumacher in Malaysia, in Bahrein, in Barcelona, zuletzt in Monaco. Das nervt. Alle. Schumacher schwankt zwischen bitterer Ironie nach Rang 16 in der Startaufstellung von Bahrein ("Hervorragend, gigantisch, einer meiner schönsten Tage") und starkem Trotz in Monaco (20.): "Ich habe schon Schlimmeres in meiner Karriere erlebt." Vielleicht.

Stimmungsschwankungen im Cockpit

"Kümmert euch um euren Job", riet Schumacher Journalisten, die nach seiner Zukunft fragten und von dannen zogen, weil sie Schumachers Urteil über dessen eigene Pressekonferenz teilten: "Hat mal wieder nichts gebracht, wie immer." Dabei stimmt das nicht. Der jüngere Schumacher, inzwischen Sprecher der Fahrervereinigung GPDA, hat sehr wohl was zu sagen. Wenn er will. Aber er ist launisch; mal erstaunlich offen in der geschlossenen Gesellschaft Formel 1, dann wieder überraschend brüsk. Die Schwankungen, sagt sein früherer Teamchef Frank Williams, nehme Schumacher "mit ins Cockpit". Wer Weltmeister werden will, muss stabil sein auf höchstem Niveau.

Und ein Auto haben, das er blindlings an die Grenze treiben kann. "Damit haben andere auch Schwierigkeiten", sagt Schumacher und verweist auf gute Gesellschaft: Weltmeister Fernando Alonso kommt im McLaren (allerdings auf höchster Kreisebene) schwerer in die Gänge als erwartet. Kimi Räikkönen macht bei Ferrari trotz eines Auftaktsieges längst nicht das ihm zugedachte Tempo. Alle drei deuten zur Erklärung auf die neuen Reifen. Seit dieser Saison liefert nur noch Bridgestone Pneus, härtere, die viel weniger Haftung bieten.

Nun scheinen die Fahrer mit einem runden Fahrstil wie Trulli im Vorteil, während die "aggressiveren" Steuerkünstler nach ihrem Weg suchen. Alonso fehlen Nuancen, Räikkönen kämpft mit ein paar Kurven und Schumacher auf der ganzen Ideallinie: "Ich kriege die Reifen nicht warm." Und damit nicht die nötige Haftung, die man braucht, um etwa in Monaco am Limit bei Tempo 260 "blind" in die Massenet-Kurve einzulenken.

„Vom Sieg dürfen wir nicht mal träumen“

In Montreal mag es besser laufen. Mit dem ersten Triumph für Toyota aber wird es wohl nichts anno 2007. "Von einem Sieg", sagt Trulli, "dürfen wir nicht mal träumen, außer die Erde bebt." Das wiederum ist unwahrscheinlich. Toyota setzt auch im sechsten Jahr immer noch auf den vorsichtigen Wandel, obwohl Tokio das Team wie kaum ein Zweites ausgerüstet hat. "Wir können bei den Japanern alles haben, und wer unser Werk in Köln sieht", sagt Trulli, "glaubt, die gewinnen jedes Rennen." Tatsächlich verliert Toyota nicht nur das Saisonziel aus den Augen, sondern im Mittelfeld zusehends an Boden.

Selbst der Kunde Williams, mit Toyota-Motoren unterwegs, liegt in der Konstrukteurswertung vor dem größten Automobilhersteller der Welt (6.). Was laut Howett nicht am fahrenden Personal liegt: "Wir waren überzeugt, dass Ralf für uns einen Grand Prix gewinnt", sagte der Präsident dem "Kicker", "jetzt müssen wir zugeben: Das scheitert an unserem Auto - nicht an Ralf." Andererseits ist es Ralf Schumacher in drei Jahren nicht gelungen, was seinen Bruder Michael auszeichnete: wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung eines Boliden zu nehmen.

Quelle: F.A.Z., 08.06.2007, Nr. 130 / Seite 32
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Jahrgang 1964, Sportredakteur.

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