25.06.2011 · Zum siebten Mal im achten Rennen startet Vettel von Platz eins. In Valencia dominiert er im Red Bull mit Leichtigkeit. Hinter ihm folgen Webber, Hamilton und Alonso. Auch vier andere Deutsche zeigen eine schnelle Hafenrundfahrt.
Von Michael Wittershagen, ValenciaIm Grunde ist es immer das gleiche Spiel. Die Gegner greifen an, sprechen von ihren Hoffnungen - und dann steht an diesem Sonntag in der Startaufstellung doch wieder ein Red Bull auf der Pole Position. Zum siebten Mal im achten Rennen dieser Saison heißt der Mann im Cockpit Sebastian Vettel. Am Samstag dominierte der Dreiundzwanzigjährige auch das Qualifikationstraining von Valencia - mit offenkundiger Leichtigkeit.
„Good Job“, das waren die einzigen beiden Worte, die ihm sein Team nach der schnellsten Runde über Funk zurief. Vettel bedankte sich artig, parkte seinen Formel-1-Boliden, stieg aus und streckte den Zeigefinger in die Höhe. Bekannte Bilder. Nur Teamkollege Mark Webber konnte ihm als Zweiter einigermaßen folgen, Dritter wurde Lewis Hamilton im McLaren. Fernando Alonso (Ferrari) startet als Vierter. „Red Bull ist unerreichbar“, sagte der Spanier.
Dabei gab es erstmals überhaupt in dieser Saison vor einem Rennwochenende Zweifel an der Leistungsstärke von Red Bull. Der Internationale Automobil-Verband (Fia) hatte Anfang dieser Woche das so genannte Anblasen des Diffusors verboten, das in zwei Wochen in Silverstone in Kraft tritt. Doch schon in Valencia ist es untersagt, die Motoreinstellung von Samstag auf Sonntag (Rennstart um 14 Uhr / FAZ.NET-Formel-1-Liveticker) noch einmal zu verändern. Also musste eine konservative Lösung her, um die Aggregate während des Grand Prix nicht allzu sehr zu belasten.
„Ich habe schon gedacht, der Finger ist ab“
Der große Vorsprung von Red Bull schien der Vergangenheit anzugehören. Wie kein anderes Team im Feld verstand man es dort, die Auspuffgase unter dem Boliden austreten zu lassen, den Diffusor anzublasen und so mehr Abtrieb zu generieren. Die Folge: Vettel und Webber rasten zum Teil mit zwanzig Kilometern mehr durch die Kurven als alle anderen. „Es wurde viel über dieses Thema gesprochen in den letzten Tagen“, sagte Vettel. „Aber ich wusste genau, dass wir keine Angst haben müssen.“ Er behielt Recht.
Der Große Preis von Europa wird zwar in Spanien ausgetragen, aber er wurde zumindest im Qualifikationstraining von den deutschen Piloten geprägt: Auch die beiden Mercedes-Fahrer Nico Rosberg (7.) und Michael Schumacher (8.) kamen unter die besten Zehn. Zufrieden war der Rekordweltmeister damit hingegen nicht. „Wir sind irgendwie im Niemandsland“, sagte Schumacher. „Wir fahren also unser eigenes Rennen.“ Rund 1,3 Sekunden trennen beide von der Spitze. Das ist eine andere Welt.
Und die Silberpfeile werden gejagt von zwei anderen Landsleuten: Nick Heidfeld (Renault/9.) und Adrian Sutil (Force India/10.). Sorgen anderer Art hat dagegen Timo Glock (21.). Einerseits ist sein Virgin noch immer zu langsam, und nun kommen auch noch körperliche Probleme dazu. Beim Brotschneiden hat sich der Neunundzwanzigjährige den Zeigefinger der linken Hand verletzt und sitzt nun also noch mit einem zusätzlichen Handicap im Auto. „Es war ein ziemlich tiefer Schnitt“, sagte Glock. „Ich habe schon gedacht, der Finger ist ab.“
Chancengleichheit ist ja schön...
Marcel Benson (Jackenklau)
- 25.06.2011, 17:27 Uhr