30.07.2011 · Vettel „quetscht“ das Letzte aus seinem Boliden und startet beim Rennen in Ungarn als Erster. Die siebte Pole Position dieser Saison verdankt der Weltmeister auch einer Extraschicht seines Teams. Hamilton und Butten lauern hinter Vettel.
Von Anno Hecker, MogyorodSie sahen ihn schon als schnellsten Mann des Tages: Lewis Hamilton beeindruckte seine Landsleute in der Formel 1 beim Qualifikationstraining zum Großen Preis von Ungarn an diesem Sonntag (14.00 Uhr / FAZ.NET-Formel-1-Liveticker) mit Effizienz und Spitzenzeiten in seinem McLaren. „Er lässt das Auto am Limit tanzen“, schwärmte der frühere Formel-1-Pilot David Coulthard Minuten vor dem Ende des Startplatzrennens: „Phantastisch.“
Aber dann kam der Weltmeister: Schnörkellos, abgebrüht mit gerade 24 Jahren, „quetschte“ er das Letzte aus seinem Boliden. Und schon sah es so aus, als hätte sich nichts geändert in dieser Saison. Zum elften Mal bei elf Grand-Prix-Veranstaltungen steht ein Red Bull auf der Pole Position.
Vettel startet zum siebten Mal in dieser Saison von der erstbesten Startposition, diesmal vor Hamilton (0,163 Sekunden Rückstand) und dessen Teamkollegen Jenson Button (0,209). Von den Positionen vier und fünf starten die Ferrari-Piloten Felipe Massa und Fernando Alonso (0,55) noch vor dem zweiten Red Bull mit Mark Webber (0,659) am Steuer.
„Das war keine leichte Entscheidung“
Der Rückkehr an die Spitze im Sprintwettbewerb der Formel 1, zuletzt hatte Vettel Ende Juni in Valencia auf der Pole-Position gestanden, war eine harte Nacht-Arbeit vorausgegangen. „Wir haben viel umgebaut“, berichtete Vettel, „ich glaube, die Mechaniker sind erst um 4:45 Uhr ins Bett gekommen.“ Das Fahrverhalten des Boliden am Freitag hatte den Hessen so beunruhigt, dass er sich zu einem Risiko entschloss. Während Webber an den neuen Teilen für den RB7 festhielt, ließ Vettel sein Modell auf einen älteren Stand zurückrüsten: „Das war keine leichte Entscheidung.“
Und keine, die automatisch zum alten Vorsprung beim Startplatzrennen verhalf. Am Samstag bedankte sich Vettel für die Extraschicht des Teams - viermal in der Saison dürfen die Rennställe bis in den frühen Morgen an ihren Autos arbeiten - mit einer Sonderfahrt: „Er musste“, schilderte Red-Bull-Teamchef Christian Horner, „eine brillante Runde abliefern, um die Pole zu bekommen.“
Hätte Hamilton sich nicht kleine Abweichungen von der Ideallinie erlaubt, der Brite wäre wohl dort gelandet, wo er sich selbst gesehen hatte. „Ich bin glücklich“, sagte er, ohne jedoch so auszusehen. Dabei bieten ihm sich gute Chance, in Ungarn zu gewinnen. Hamilton steht dank seiner Sparsamkeit im Rennen ein Satz der superweichen Pneus mehr zur Verfügung als Vettel. Außerdem deuteten seine Trainings-Ergebnisse mit viel Benzin an Bord Spitzenzeiten im Rennen an.
Der McLaren, das zeigte sich schon in der Eifel, kommt bei geringeren Temperaturen (23 Grad Celsius) bestens in Fahrt. Ferrari dagegen leidet unter der Laune der Natur. Die Scuderia braucht eine Sommerhitze, um den Hinterreifen schon in der ersten Runde maximale Haftung abzutrotzen. Alle anderen haben wohl keine Chance, sich mit einem Triumph in die Sommerpause zu verabschieden. Nico Rosberg (Mercedes), nach Vettel mit 1,2 Sekunden Rückstand bester Deutscher (Rang sieben) vor Adrian Sutil im Force India und Michael Schumacher (Mercedes/Neunter), macht sich keine Illusionen: „Ich hoffe, wenigstens gut Punkte zu sammeln.“