12.06.2009 · Was nun, rein oder raus? Die von der FIA vorgelegte Liste mit dreizehn Rennställen für die Saison 2010 spiegelt offensichtlich alles andere als die Wünsche von wenigstens drei der genannten Teams - darunter Ferrari. Der Streit ist weit von einer Lösung entfernt.
Von Anno HeckerIst das nicht lustig? Am Freitagmittag hat der Internationale Automobil-Verband (FIA) pünktlich zum Ende der Einschreibefrist bekanntgegeben, welche Teams im nächsten Jahr in der Formel 1 fahren. Ferrari, laut FIA-Boss Max Mosley wenn auch unter Schmerzen entbehrlich, steht ganz oben auf der Liste. Ohne Sternchen. Was bedeuten soll, dass die Italiener ohne Wenn und Aber im Rennen bleiben. Denkste! In einer Depesche aus Maranello, nicht mal eine halbe Stunde später geschickt, stand das Gegenteil zu lesen: „Um jeden Zweifel zu zerstreuen: Ferrari bestärkt seinen Willen, nicht unter den von der FIA angekündigten Regeln an der Weltmeisterschaft 2010 teilzunehmen.“
Was nun, rein oder raus? Die von der FIA vorgelegte Liste mit dreizehn Rennställen spiegelt offensichtlich alles andere als die Wünsche von wenigstens drei der genannten Teams. „Trotz einer schriftlichen Aufforderung, dies nicht zu tun, hat die FIA Ferrari als bedingungslosen Teilnehmer an der nächstjährigen Formel-1-Weltmeisterschaft aufgenommen“, heißt es in der Ferrari-Mitteilung. Die FIA aber ignoriert das Interesse von Ferrari und beruft sich auf einen bis 2012 gültigen Teilnehmervertrag, den Ferrari als gebrochen betrachtet. Auch Red Bull und dessen Tochterteam Toro Rosso zwingen Abmachungen mit dem Vermarkter zur Teilnahme.
Kompromiss weiter entfernt denn je
Beide erklärten aber Freitag ebenfalls schriftlich, wie Ferrari nur unter Bedingungen im Rennen bleiben zu wollen. So wie die übrigen Mitglieder der Teamgemeinschaft namens Fota, BMW-Sauber, McLaren-Mercedes, Renault, Toyota und Brawn GP. Nur diese fünf nannte die FIA unter Führung von Präsident Max Mosley als vorläufige Kandidaten mit Gesprächsbedarf. Sie sollen ihre Einwände binnen einer Woche zurückziehen. Die Fota verlangt unter anderem eine gestaffelte und keine abrupte Kostenreduzierung über zwei Jahre auf etwa 45 Millionen Euro, lehnt Mosleys Weg zu einer Budgetobergrenze ab, votiert für eine Selbst- statt einer Fremdkontrolle der Finanzen und fordert vor allem eine transparente Führung sowie Regelung des internationalen Motorsports.
„Die eindeutige Reaktion von Ferrari und den anderen zeigt“, sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug, „dass die Fota weiter zusammensteht.“ Und dass man von einem Kompromiss im Machtkampf weiter entfernt ist denn je. Zu den von der FIA akzeptierten Teams ohne aktiven Widerstand gegen die Führung durch Mosley zählen im Moment nur zwei aktuelle Formel-1-Rennställe, Williams sowie Force India – und drei neue Teams: Campos Grand Prix, Manor Grand Prix und Team US F1. Ob diese Unternehmen die Finanzierung auf die Beine stellen können, ist nicht klar. Adrian Campos, der ehemalige Formel-1-Fahrer und Anteilseigner von Campos, berichtete dem Fachblatt „Motorsport aktuell“, erst nach der Einschreibung Sponsoren ansprechen zu wollen. Angeblich hat der spanische, in der NBA aktive Basketball-Star Pau Gasol, eine Rate für die Entwicklung des Autos bei Dallara bezahlen lassen. Alle drei haben offenbar einen Vertrag mit dem Motorenhersteller Cosworth.
Erpressung...
Frank Garbe (Frank_Garbe)
- 12.06.2009, 19:35 Uhr