Home
http://www.faz.net/-gu4-133cr
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Formel-1-Kommentar Wie gut ist er noch?

30.07.2009 ·  Uneingeschränkte Sympathie schlug ihm eher selten entgegen. Formel-1-Pilot und -Ikone Michael Schumacher war die personifizierte Perfektion in einem Leben, das für ihn ein einziges Rennen war. Jetzt kann er seinen Mythos als Maschine nur verlieren.

Von Michael Wittershagen
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (4)

Uneingeschränkte Sympathie schlug ihm selten entgegen. Vielmehr war es großer Respekt, den sich Michael Schumacher während seiner 16 Jahre langen Laufbahn in der Formel 1 erarbeitet hat. Allzu routiniert feierte er seine Erfolge, ließ kaum einen Blick in sein Seelenleben zu und weinte öffentlich nicht einmal nach seinem vorerst letzten Grand Prix im Oktober 2006. Der siebenmalige Weltmeister war die personifizierte Perfektion in einem Leben, das für ihn ein einziges Rennen war. Schumacher verabschiedete sich nicht aus der Formel 1, weil er den Spaß an der Geschwindigkeit verloren hatte. Er wollte sich dem öffentlichen Druck entziehen, wollte nicht mehr nur im Scheinwerferlicht atmen, weil ihm das die Kraft raubte. Dabei schien doch das Adrenalin seine Nahrung. Schumacher stieg auf das Motorrad um – und wieder fuhr er Rennen.

Es ist wie eine Sucht, die nicht vergehen will. Das Angebot von Ferrari bedeutet für einen Vierzigjährigen die letzte Chance, sich auf diesem Niveau noch einmal mit der Jugend zu messen. Die letzte Möglichkeit, seine eigenen Grenzen zu erfahren. Schumacher will eine Frage beantwortet wissen: Wie gut bin ich wirklich noch? Trotz aller Risiken und Nebenwirkungen. Willi Weber, der langjährige Manager von Schumacher, sagt: „Das Problem ist die Erwartungshaltung der Menschen, wenn ein Schumacher wieder ins Auto steigt, dann wollen sie ihn siegen sehen.“ Aber das wird nicht möglich sein. Zu schlecht ist derzeit der Ferrari. Zu gering die Erfahrung, die Schumacher bis zum Ernstfall in Valencia in seinem neuen Boliden sammeln kann.

Schumacher kann eigentlich nur verlieren

Auch sein Fitnesszustand wirft Fragen auf: Kaum zu glauben, dass jemand, der zweieinhalb Jahre kein Rennen mehr gefahren ist, auf Anhieb wieder schneller sein wird als die Hoffnungen der Zukunft. Kaum vorstellbar, dass Schumacher sofort wieder an das Limit gehen kann und ihm dabei keine Fehler unterlaufen. Dass er selbst keine Rücksicht auf diese Zweifel nimmt, zeigt nur eines: seine bedingungslose Leidenschaft als Rennfahrer.

Sie war immer da, nur hat er sie nicht jedem offenbart. Allein seine angekündigte Rückkehr in den mit Testosteron aufgeladenen PS-Zirkus aber macht nun auch in der öffentlichen Wahrnehmung aus einer scheinbar tadellosen Maschine wieder einen Menschen. Das Comeback von Schumacher ist ein Ereignis, das die Gefühle anregt. Bei jedem, nicht zuletzt bei ihm selbst. Dabei kann Schumacher eigentlich nur verlieren. Was, wenn er sich nur als Zehnter für ein Rennen qualifiziert? Werden die anderen dann sagen: Schaut her, dieser alte Mann hat alles verlernt? Aber das kümmert ihn nicht. Weil er Rennen fahren will. Für sich. Nicht für die anderen.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1981, Sportredakteur.

Jüngste Beiträge

Stürmer in der Defensive

Von Michael Ashelm

Die Anforderungen an Angreifer haben sich stark verändert – und damit die Auswahl des Personals. Der Stürmertyp, der vorne wartet, bis er bedient wird, stirbt aus. Mehr 1

Ergebnisse, Tabellen und Statistik