20.06.2009 · Der Vorstoß der Fota zur Spaltung der Formel 1 ist ein Angriff auf Max Mosley. Aller Welt soll damit vor Augen geführt werden, welchen Schaden die gescheiterten Verhandlungen mit dem Fia-Chef verursachen. Nun wird es zu einer Schlacht kommen.
Von Anno HeckerEines ist sicher: Eine zweite Formel 1 wird es auf Dauer nicht geben, kann es nicht geben. Dazu würde die erste zu viel verlieren. Die besten Teams, Fahrer und Sponsoren. So einen Aderlass verkraftet kein Unternehmen. Eine Spaltung bedrohte also die Existenz der gegenwärtigen Formel 1. Aber sie garantierte der neuen Serie auch nicht automatisch eine Beschleunigung von null auf hundert. Denn Banken geizen mit Krediten, Sponsoren reduzieren Verträge, Hersteller zögern mit Bürgschaften in diesen Zeiten. Das wissen alle Beteiligten.
Was also steckt hinter der Erklärung der Fota? Vorerst ein Angriff auf Max Mosley. Aller Welt soll vor Augen geführt werden, welchen Schaden die gescheiterten Verhandlungen mit dem Fia-Chef verursachen. Und welche Pfründe gefährdet sind. Schließlich lebt die Fia, leben einige ihrer Mitglieder indirekt von der attraktivsten Motorsportserie der Welt. Etwa von den Einladungen in alle Winkel dieser Erde, von der Zulassung von Rennstrecken.
Es ist also kein Zufall, dass die Fota knapp eine Woche vor der Sitzung des Fia-Weltrates am Mittwoch in Paris nach langen Verhandlungen die Notbremse zog und damit alle wachrütteln will, die im Zug von Mosleys Gnaden lange zufrieden vor sich hindösten. Vermutlich wird ein der Fota nahestehendes Mitglied des Weltrates die Abwahl von Mosley beantragen. Das ist die einzige Chance, den Juristen auf die Schnelle loszuwerden. Dann bliebe die Formel 1 der Schatz der Fia.
Transparente Regelprozesse sind dringend nötig
Auch die nachdenklicheren Köpfe wie Ross Brawn halten Mosley inzwischen für das größte Hindernis auf dem Weg zu einer Einigung. Es geht schließlich nicht nur darum, Kosten einzusparen. Seit Jahren leidet das Image der Serie unter willkürlich anmutenden Entscheidungen der Fia-Verkehrsrichter, unter ständigen Regeländerungen und grotesken Bestrafungen oder Freisprüchen. Ganz zu schweigen von der Bevorzugung willfähriger Teams. Die politische Verantwortung dafür liegt bei Mosley.
Und die Rennställe haben Recht: Transparente Regelprozesse sind dringend nötig. So wie die gesamte Formel 1 dringend modernisiert werden muss. Verglichen mit anderen Sportarten sind ihre Einkünfte gering, ihre Vermarktung altbacken, ihre Forderungen abschreckend. Wer leistet sich noch eine Karte für 350 Euro? Dass Mosley und sein ebenfalls attackierter kongenialer Landsmann Bernie Ecclestone, zusammen 147 Jahre alt, die Wende schaffen, ist unwahrscheinlich. Zu sehr sind sie in ihren Denkmustern verhaftet, an Macht und Money gewöhnt.
Das aber ist gleichzeitig ihr größter Schutz. Mosley, so das erste Ziel der Fota, soll ausgerechnet von jenem Weltrat der Fia abgelöst werden, der vor Monaten die Regeländerungen seines Präsidenten abnickte. Das käme einem Wunder gleich. Aufgeben aber wird der scharfsinnige Rhetoriker auch nicht. Im Gegenteil. Bei Angriffen, das bewies seine Sexaffäre 2008, entwickelt Mosley ungeahnte Kräfte. Es wird zu einer Schlacht kommen.
Notbremse?
Frank Garbe (Frank_Garbe)
- 19.06.2009, 20:40 Uhr
Herr Garbe, keine Vorschläge der FOTA?
Fritz Waldow (FJWaldow)
- 20.06.2009, 04:57 Uhr
Höchste Zeit
Caroline Meyer (CarolineM)
- 20.06.2009, 10:53 Uhr
Guter Kommentar
Klaus Dieter (Leser2009)
- 20.06.2009, 18:21 Uhr
Herr Waldow
Frank Garbe (Frank_Garbe)
- 22.06.2009, 13:43 Uhr