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Formel-1-Kommentar Lenken und umdenken

22.10.2007 ·  Der McLaren-Grundsatz, jedem Fahrer die gleichen Chancen einzuräumen, hat der Formel 1 eine spannende Saison und Ferrari den Titel beschert. Um künftig den einen Punkt besser zu sein, braucht Hamilton einen genügsameren Kollegen, meint Anno Hecker.

Von Anno Hecker, Sao Paulo
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Sie sind stolz bei McLaren-Mercedes. Das sagen sie wenigstens. Wer kann schon zwei Piloten vorweisen, die nach 17 Rennen je 109 Punkte gesammelt haben, nur einen weniger als der Weltmeister Kimi Räikkönen. Teamchef Ron Dennis ist also nur ganz knapp gescheitert mit seinem Das ist ein sehr guter Grund, an diesem Prinzip festzuhalten. Denn was hat Dennis’ Hartnäckigkeit der Formel 1 in dieser Saison nicht alles ermöglicht: einen Zweikampf unter Teamkollegen vom ersten bis zum letzten Meter. Einen Fight auf allen Ebenen. Die bis auf 30 Sekunden in den Rennen absolut zuverlässigen Maschinen machten nicht den Unterschied aus. Mensch schlug Mensch.

Das will man sehen. Ein Duell Rad an Rad wie in Spa-Francorchamps, die Kämpfe im Qualifikationstraining um jedes Zehntelsekündchen. Dennis konnte nicht wissen, dass Hamilton auf Anhieb dem zweimaligen Weltmeister schon auf der Strecke ebenbürtig sein würde. Und er konnte und wollte ihn auch nicht zum Schutze des mit besten Aussichten angelockten Spaniers stoppen. Denn Hamilton ist natürlich im ersten Jahr schon kein Lehrling gewesen. In ihm steckt ein moderner Gewinner-Typ, einer, der im Kreisverkehr der Besten alle Register zieht: „Es ist die größte Herausforderung“, sagt Hamilton, „den Gegner mental zu schlagen.“

Alonso geriet aus der Balance

Es war spannend zu beobachten, wie der Debütant den zum nächsten Schumacher erhobenen Alonso ungewöhnlich häufig zu Fahrfehlern verleitete; wie der Asturier hin und wieder die Haltung verlor mit kryptischen Andeutungen, vom eigenen Team behindert worden zu sein; wie die Piloten aus einem Stall sich gegenseitig Punkte wegnahmen. Hamilton sauste dabei nicht nur auf der Piste häufig vor der Nase des impulsiven Titelfavoriten her. Er kreiste vor allem in dessen Kopf.

Formel-1-Kommentar: Lenken und umdenken

So geriet der mental starke Alonso aus der Balance, fing sich wieder, bot trotz der durch und durch vergifteten Atmosphäre als isolierter Mann im eigenen Team Spitzenleistungen. Das gelingt nur den Besten. Nun wird er McLaren-Mercedes wohl vorzeitig verlassen, was für den Zuschauer bedauerlich sein muss. So ein Duell wird er wohl lange nicht mehr erleben.

Er lebt, um zu gewinnen

Dennis muss man also danken. Hätte er wie einst Ferrari auf einen Mann gesetzt, dann wäre es nicht zu diesem Schauspiel am physischen und psychischen Limit gekommen. Nur ist es fraglich, ob Dennis dieser Ehre etwas abgewinnen kann. Am Sonntagabend wirkte er gefasst, erklärte geduldig, immer wieder lächelnd, wie gut sich sein Rennstall über das Jahr präsentiert habe.

Das sagte ein Mann, der laut eigener Aussage den Zweiten im kleinen wie im ganz großen Rennen für den ersten Verlierer hält. Mit zweimal 109 Punkten kommt Dennis also nicht über die Runde. Er lebt, um zu gewinnen. Deshalb kann die sportlich grandiose Saison leider nur eine Konsequenz haben. Hamilton steigt – nach Alonsos Abschied – zum Chefpiloten auf und bekommt einen genügsameren Kollegen zur Seite gestellt. Eine Art Massa. Das wird ein wesentlicher Punkt sein. Beim nächsten Mal vielleicht schon der entscheidende.

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Jahrgang 1964, Sportredakteur.

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