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Formel 1 in Valencia Ein einziger Genuss für Sebastian Vettel

26.06.2011 ·  Achtes Rennen, sechster Sieg: Vettel bleibt eine Klasse für sich. Der Deutsche führt vom Start bis ins Ziel in Valencia. Alonso und Webber folgen auf den Plätzen. Rosberg wird Siebter, Schumacher patzt und landet auf Rang 17.

Von Michael Wittershagen, Valencia
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Es war ein weiterer Tanz mit seinen Gegnern, noch ein Beweis seiner Stärke. Als Sebastian Vettel am Sonntagnachmittag nach rund 100 Minuten aus seinem Red Bull ausstieg und Raketen in den Himmel über Valencia stiegen, da lief der Schweiß an seiner Haut herunter. Doch der Weltmeister lächelte zufrieden, abermals hätte ein Wochenende für ihn nicht besser laufen können.

Am Samstag sicherte er sich die Pole Position, am Sonntag die schnellste Rennrunde und den größten Pokal beim Großen Preis von Europa. Zehn Sekunden betrug sein Vorsprung nach 57 Runden und rund 308 Kilometern durch den Hafen von Valencia auf Fernando Alonso (Ferrari). Seine Dominanz aber ist weitaus größer. „Ich liebe das einfach, wenn man jede Runde gegen sich selbst fährt“, sagte er. Vernichtender kann niemand die derzeitige Situation in der Formel 1 beschreiben.

Längst ist Vettel (186 Punkte) den anderen im Gesamtklassement enteilt, Mark Webber (Red Bull) und Jenson Button (McLaren) folgen mit jeweils 77 Punkten Rückstand. Doch noch immer zeigt der Weltmeister keine Anzeichen von Genugtuung: „Wir bleiben hungrig und wollen immer besser werden.“ Dabei machte vor allem Ferrari einen deutlich besseren Eindruck als zuletzt. „Es war ein harter Kampf mit Fernando“, sagte Red-Bull-Teamchef Christian Horner. „Es war nicht so einfach, wie es aussah.“

Wer soll Vettels WM-Triumph verhindern?

Zur Mitte des Rennens trennten den Führenden und seinen ersten Jäger gerade einmal drei Sekunden. Wie stark der Spanier fuhr, zeigte seine Attacke gegen Webber in der 23. Runde. Alonso zog aus dem Windschatten des Australiers, täuschte außen an und ging auf der Innenseite vorbei. Die Mehrzahl der 85.000 Zuschauer riss es von den Sitzen. Ein Überholmanöver gegen einen Red Bull - so etwas gab es in dieser Saison bisher nur selten.

Webber wurde Dritter, in den letzten fünf Runden des Rennens kämpfte er mit stumpfen Waffen gegen Alonso. Getriebeprobleme zwangen den Vierunddreißigjährigen dazu, das Tempo zu reduzieren. Doch anders als so oft in der Vergangenheit rettete sich Red Bull auch mit diesem Boliden ins Ziel. Vettel und Webber haben damit als einzige Fahrer eines Rennstalls jede der 499 Runden bei den bisherigen acht Grand Prix absolviert. Ihr Bolide ist nicht nur schnell, er ist mittlerweile auch noch zuverlässig.

Wer also soll verhindern, dass Vettel auch 2011 den WM-Pokal überreicht bekommt? Sechs Rennen hat er gewonnen in diesem Jahr, zwei Mal wurde er Zweiter. Eine Bilanz, die Angst und Schrecken verbreiten muss. Dabei wollten die Jäger angreifen in Valencia. Sie witterten ihre Chance, weil die Regelhüter des Internationalen Automobil-Verbands (Fia) das so genannte Anblasen des Diffusors verboten hatten und Red Bull so den vermeintlich größten technischen Vorteil verloren zu haben schien.

„Wir arbeiten in die richtige Richtung“

Doch wieder einmal hatte man die Rechnung ohne Vettel gemacht. Schon nach dem Start zog er einige hundert Meter davon, hinter ihm gingen Alonso und Felipe Massa (beide Ferrari) an Lewis Hamilton (McLaren) vorbei und konnten das Tempo der Spitze halten. „Wir arbeiten in die richtige Richtung“, sagte Alonso. „Der zweite Platz war das Maximum, an mehr konnten wir hier wirklich nicht glauben.“

Alle 24 Autos sahen am Sonntag die Zielflagge - das gab es noch nie in der Geschichte der Formel 1. Es war nicht das einzige Alleinstellungsmerkmal dieses Grand Prix. Denn bei keinem anderen Rennen dieser Saison gab es bisher so wenige Überholmanöver wie in Valencia, daran konnten auch die beiden Zonen nichts ändern, in denen der verstellbare Heckflügel eingesetzt werden durfte.

„Pass auf, die Reifen sind richtig heiß“

Manch einer versuchte es deshalb mit einer aggressiven Strategie. Hamilton ging als erster aus der Spitzengruppe an die Box und ließ neue Pneus an seinen Boliden aufziehen. Auf der Strecke aber nahm er dieses Mal nicht einmal Rücksicht auf sich selbst und raste bei seiner Aufholjagd ein wenig zu aggressiv über die Piste. „Pass auf, die Reifen sind heiß, richtig heiß!“, rief ihm sein Team via Funk zu. Doch der Engländer ignorierte die Warnung. „Jungs, ich kann wirklich nicht langsamer fahren.“ Hamilton kam als Vierter vor Massa ins Ziel. „Das ist ein gutes Resultat im Vergleich zu den letzten beiden Rennen“, sagte er. In Monaco und Kanada war er vor allem als Rüpel auf der Piste auffällig geworden.

Eine Kollision war in Valencia der einzige Moment, in dem einer der beiden Silberpfeile im Rampenlicht auftauchte. Als Michael Schumacher in der 15. Runde nach seinem ersten Boxenstopp zurück auf die Piste ging, stieß er mit dem Renault von Vitali Petrow zusammen. Nicht zum ersten Mal in dieser Saison. Wieder war Schumacher der Leidtragende, der Frontflügel seines Mercedes brach, ein weiteres Mal musste er zu seinen Mechanikern rollen und reihte sich am Ende des Felds ein.

„Der Unfall geht auf meine Kappe“

Letztlich wurde der Rekordweltmeister Siebzehnter. „Der Unfall geht auf meine Kappe. Ich wollte den Platz gegen Vitali verteidigen und konnte nicht mehr stoppen“, sagte Schumacher. Sein Teamkollege Nico Rosberg kam als Siebter ins Ziel. Damit war er nur unwesentlich besser als Adrian Sutil (Force India/9.) und Nick Heidfeld (Renault/10.).

Ein Vergnügen sind die Wochenenden derzeit vor allem für einen: Sebastian Vettel. „Er hat die Zeit dort draußen auf der Strecke richtig genossen“, sagte Teamchef Horner. Das wird sich wohl so schnell nicht ändern.

Grand Prix von Europa in Valencia (57 Runden à 5,419 Kilometer/308,883 Kilometer):

1. Sebastian Vettel (Heppenheim) Red Bull 1:39:36,169 Std. (Schnitt: 186,069 km/h)
2. Fernando Alonso (Spanien) Ferrari + 10,891 Sek.
3. Mark Webber (Australien) Red Bull + 27,255
4. Lewis Hamilton (England) McLaren Mercedes + 46,190
5. Felipe Massa (Brasilien) Ferrari + 51,705
6. Jenson Button (England) McLaren Mercedes + 1:00,065 Min.
7. Nico Rosberg (Wiesbaden) Mercedes + 1:38,090
8. Jaime Alguersuari (Spanien) Toro Rosso + 1 Runde
9. Adrian Sutil (Gräfelfing) Force India + 1 Runde
10. Nick Heidfeld (Mönchengladbach) Lotus Renault + 1 Runde
11. Sergio Perez (Mexiko) Sauber + 1 Runde
12. Rubens Barrichello (Brasilien) Williams + 1 Runde
13. Sébastien Buemi (Schweiz) Toro Rosso + 1 Runde
14. Paul di Resta (Schottland) Force India + 1 Runde
15. Witali Petrow (Russland) Lotus Renault + 1 Runde
16. Kamui Kobayashi (Japan) Sauber + 1 Runde
17. Michael Schumacher (Kerpen) Mercedes + 1 Runde
18. Pastor Maldonado (Venezuela) Williams + 1 Runde
19. Heikki Kovalainen (Finnland) Lotus + 2 Runden
20. Jarno Trulli (Italien) Lotus + 2 Runden
21. Timo Glock (Wersau) Virgin + 2 Runden
22. Jérôme d Ambrosio (Belgien) Virgin + 2 Runden
23. Vitantonio Liuzzi (Italien) Hispania + 3 Runden
24. Narain Karthikeyan (Indien) Hispania + 3 Runden

Schnellste Rennrunde: Sebastian Vettel (Red Bull) 1:41,852 Min.
Pole Position: Sebastian Vettel (Red Bull) 1:36,975 Min.

Fahrer-Wertung nach 8 von 19 Rennen: 1. Sebastian Vettel 186 2. Jenson Button 109 3. Mark Webber 109 4. Lewis Hamilton 97 5. Fernando Alonso 87 6. Felipe Massa 42 7. Nico Rosberg 32 8. Witali Petrow 31 9. Nick Heidfeld 30 10. Michael Schumacher 26 11. Kamui Kobayashi 25 12. Adrian Sutil 10 13. Jaime Alguersuari 8 14. Sébastien Buemi 8 15. Rubens Barrichello 4 16. Sergio Perez 2 17. Paul di Resta 2

Team-Wertung nach 8 von 19 Rennen: 1. Red Bull 295 2. McLaren Mercedes 206 3. Ferrari 129 4. Lotus Renault 61 5. Mercedes 58 6. Sauber 27 7. Toro Rosso 16 8. Force India 12 9. Williams 4

Nächstes Rennen: Grand Prix von Großbritannien am 10. Juli in Silverstone

Quelle: F.A.Z.
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Jahrgang 1981, Sportredakteur.

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