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Formel 1 in Spa Vettel bohrt sich in Buttons Boliden

29.08.2010 ·  Nach einem Unfall, einer Strafe, einem Platten und mehreren Boxenstopps muss sich Vettel beim Großen Preis von Belgien mit Platz 15 zufrieden geben. Sieger Hamilton und Teamkollege Webber behalten in Spa die Nerven.

Von Michael Wittershagen, Spa-Francorchamps
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Am Kommandostand trauten sie ihren Augen nicht. Mit mehr als 220 Kilometer pro Stunde schoss Sebastian Vettel am Ende der Blanchimont-Passage aus dem Windschatten des McLaren von Jenson Button, das Heck seines Red Bull brach aus, Vettel verlor die Kontrolle und krachte in den Boliden des Engländers.

Es war die 16. Runde beim Großen Preis von Belgien, es war der Auftakt eines turbulenten Rennens mit zwei Safety-Car-Phasen, vielen Drehern und einigen Enttäuschungen. Vettel kam am Ende fünf Mal in die Box und wurde auf der Berg- und Talfahrt von Spa-Francorchamps mit einer Runde Rückstand hinter Sieger Lewis Hamilton (McLaren) lediglich 15.

Der Druck auf ihn nimmt zu. Zumal neben Hamilton auch sein Teamkollege Mark Webber die Nerven behielt und Zweiter vor Robert Kubica (Renault) wurde. In der Gesamtwertung hat der 23 Jahre alte Heppenheimer (151) nun schon 31 Punkte Rückstand hinter dem Führenden Hamilton (182), Webber liegt mit 179 Punkten auf Rang zwei. „Ich liebe derartige Rennen“, sagte Hamilton und lächelte. „Es ist einfach in meinem Blut.“

Vettel machte ein verdrießliches Gesicht. Großes hatte er angekündigt, in den Ardennen wollte er im Kampf um den Titel wieder angreifen. Doch seine mangelnde Geduld wurde ihm nun zum Verhängnis. „Ich wollte unbedingt an Jenson vorbei, weil ich schneller war als er“, sagte Vettel zu diesem missglückten Zweikampf um Rang zwei.

Die Rennkommissare belegten ihn mit einer Durchfahrtsstrafe

Schon beim Start hatte sich Button bei einer Berührung mit dem Renault von Kubica den Frontflügel beschädigt und hielt seine Verfolger in den Runden danach auf. „Ich habe es probiert“, sagte Vettel. „Doch dann habe ich das Auto verloren, es war mein Fehler.“ Immerhin rettete er sich nach dem Unfall noch in die Box, ließ den Frontflügel wechseln und kam dann als Zwölfter wieder auf die Strecke.

Für Button hingegen war das Rennen beendet. Und auch Vettel verlor wenige Minuten später alle Hoffnung auf eine Schadenbegrenzung. Die Rennkommissare belegten ihn wegen des Manövers gegen Button mit einer Durchfahrtsstrafe. Doch sein Teamchef Christian Horner wollte ihm keinen Vorwurf machen. „Ich habe den Eindruck, dass Jenson überraschend früh gebremst hat. Dann ist Sebastian einfach in ihn reingerauscht. Das war Pech.“

Ein bisschen Regen reichte für ein bisschen Chaos

Immer wieder schauten die Verantwortlichen der Rennställe an diesem Nachmittag auf die Radarschirme. Das Wetter konnte das Rennen entscheiden, jeder wusste dies - und doch konnte sich niemand darauf vorbereiten. Schon kurz nach dem Start schoben sich dunkle Wolken über die Strecke, und einige Minuten des Regens reichten aus, um ein bisschen Chaos zu verursachen.

Der Jubilar des Tages musste dies als Erster erfahren. Viel zu schnell schoss Rubens Barrichello (Williams) auf Kurve 18 zu, er bremste, doch sein Auto wurde kaum langsamer und räumte den Ferrari von Fernando Alonso von der Strecke. Der Spanier musste an die Box, konnte das Rennen aber noch fortsetzen. Bis zur 39. Runde, dann leistete auch er sich einen Fahrfehler und musst seinen beschädigten Boliden verlassen. In der Gesamtwertung blieb er bei 141 Punkten. „Das wäre eigentlich unsere Chance gewesen“, sagte Horner. „Aber wir haben sie nicht genutzt.“

Schon am Start zog Hamilton an Webber vorbei

Dies tat abermals McLaren. Immer dann, wenn die Bedingungen am schwierigsten waren in dieser Saison, war das Team aus England am erfolgreichsten. Schon am Start zog Hamilton an Webber vorbei. Der Australier hatte in der Einführungsrunde die Einstellung der Kupplung verändert und fiel bis zur ersten Kurve auf Rang sechs zurück. Hamilton aber drehte an der Spitze eine schnellste Runde nach der anderen und fuhr sich so schnell einen kleinen Vorsprung heraus. „Das war am Ende unser Glück“, sagte Teamchef Martin Withmarsh. „Lewis musste nicht mehr allzu viel Risiko gehen.“

Doch selbst das genügte, um seinen sicher geglaubten Sieg noch einmal zu gefährden. In der 36. Runde setze abermals starker Regen ein, doch Hamilton blieb auf der Strecke, wechselte nicht auf Intermediates. Prompt rutschte er kurz danach in das Kiesbett. „Mein Puls war wohl bei 220, ganz nah am Drehzahlbegrenzer“, sagte Hamilton. „Ich bin ganz leicht an die Wand gefahren und habe gedacht: Nicht schon wieder, das darf nicht passieren!“ Und es passierte nicht. Deshalb konnte auch Withmarsh am Ende wieder lachen - und teilte sogleich noch einmal aus an die Konkurrenz im Kampf um die WM. Ziel seiner Attacke: Vettel. „Das macht er sich langsam zur Angewohnheit, dass er andere aufspießt“, sagte er zum Unfall mit Button: „Mir ist es lieber, wenn er das mit seinem Teamkollegen macht.“ So, wie es Vettel und Webber in Istanbul vorführten.

Sutil, Rosberg und Schumacher zeigten bemerkenswerte Leistungen

Still und leise arbeiteten sich die anderen Deutschen im Windschatten der Spitze nach vorne. Adrian Sutil (Force India) fuhr beherzt und wurde Fünfter. Noch bemerkenswerter war die Leistung von Nico Rosberg (6.) und Michael Schumacher (7.) im Mercedes. Von Position 14. und 21. waren sie gestartet. Sie wechselten ihre Reifen erst, als der Regen wieder kam. Ein kluger Schachzug, der beim Rekordweltmeister der Branche sogar Gedanken an einen Platz auf dem Podium aufkommen ließ. „Aber dann wollte der Regen doch nicht so unbeständig einsetzen, wie wir alle gedacht hatten“, sagte der Einundvierzigjährige. Die Rückkehr zu einer seiner Lieblingsstrecken wertete er dennoch als Erfolg. „Heute kann ich mit einem angenehmen Gefühl nach Hause gehen.“

Anerkennung dafür gab es vom ehemaligen Weltmeister Niki Lauda: „Das war der Schumacher wie in alten Zeiten. Eine unglaubliche Leistung.“ Eine solche wird in den kommenden Wochen auch Vettel vollbringen müssen, will er eine Saison nicht zum zweiten Mal in Folge mit einer Enttäuschung beenden. Rein statistisch ist er nur noch die Nummer zwei bei Red Bull. Doch immerhin beteuert Teamchef Horner: „Noch ist es zu früh, um sich auf einen der Fahrer festzulegen.“

Grand Prix von Belgien in Spa-Francorchamps (44 Runden à 7,004 km/308,052 km):
1. Lewis Hamilton (England) McLaren-Mercedes 1:29:04,268 Std. (Schnitt: 207,510 km/h);
2. Mark Webber (Australien) Red Bull + 1,571 Sek.;
3. Robert Kubica (Polen) Renault + 3,493;
4. Felipe Massa (Brasilien) Ferrari + 8,264;
5. Adrian Sutil (Gräfelfing) Force India + 9,094;
6. Nico Rosberg (Wiesbaden) Mercedes + 12,359;
7. Michael Schumacher (Kerpen) Mercedes + 15,548;
8. Kamui Kobayashi (Japan) Sauber + 16,678;
9. Witali Petrow (Russland) Renault + 23,851;
10. Vitantonio Liuzzi (Italien) Force-India-Mercedes 0:34,831;
... 14. Nico Hülkenberg (Emmerich) Williams + 1 Runde;
15. Sebastian Vettel (Heppenheim) Red Bull + 1 Runde;
...18. Timo Glock (Wersau) Virgin + 1 Runde

Fahrer-Wertung nach 13 von 19 Rennen: 1. Hamilton 182, 2. Webber 179, 3. Vettel 151, 4. Button 147, 5. Alonso 141, 6. Massa 109, 7. Kubica 104, ... 8. Rosberg 102, 9. Sutil 45, 10. Schumacher 44, ... 15. Hülkenberg 10.

Team-Wertung: 1. Red Bull 330 Punkte, 2. McLaren-Mercedes 329, 3. Ferrari 250, 4. Mercedes 146, 5. Renault 123.

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1981, Sportredakteur.

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