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Formel 1 in Singapur Alonso ist schnellster Nachtfahrer der Welt

28.09.2008 ·  Renault-Pilot Fernando Alonso hat das erste Nachtrennen der Formel 1 gewonnen. Der zweimalige Weltmeister kam nach einem turbulenten Rennen vor dem Wiesbadener Nico Rosberg ins Ziel. Für Ferrari gab es ein nächtliches Desaster.

Von Anno Hecker, Singapur
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So dankbar ist Renault seinem Crashpiloten Nelson Piquet lange nicht mehr gewesen. Weil der Brasilianer beim ersten Nachtrennen in der Geschichte der Formel 1 mit seinem Boliden in eine Mauer auf der Singapurer Stadtrundfahrt prallte, gelang dem Rennstall seit zwei Jahren wieder ein Sieg. Denn die Safety-Car-Phase und einige Strafen für Regelverstöße nutzte der zweimalige Weltmeister Fernando Alonso zum Triumph am Sonntagabend.

„Das ist phantastisch. Das Auto war super. Wir sollten ruhig mehr Nachrennen machen“, sagte Alonso ein Jahr nach seinem letzten Sieg. Hinter dem 27-jährigen Asturier belegte Nico Rosberg im Williams erstmals in seiner Karriere Platz zwei vor McLaren-Pilot Lewis Hamilton.

Hamilton baut Gesamtführung aus

Der Brite baute seine Führung in der Fahrerwertung drei Grand Prix vor Ende der Saison auf sieben Punkte vor Ferrari-Pilot Felipe Massa aus, weil Ferrari das Kapitel Singapur mit einem Desaster begann. Massa wurde nach einem spektakulären wie gefährlichen Zwischenfall beim ersten Boxenstopp nur Dreizehnter.

Formel 1 in Singapur: Alonso ist schnellster Nachtfahrer der Welt

Weltmeister Kimi Räikkönen zerstörte seinen Boliden in den Schlussrunden. Die deutsche Fraktion hinter Rosberg überzeugte mit einem geballten Auftritt. Timo Glock (Toyota) wurde Vierter vor Sebastian Vettel im Toro Rosso, der bis anderthalb Stunden nach Mitternacht wegen eines letzt abgelehnten Toyota-Protestes um die Platzierung bangen musste, und BMW-Pilot Nick Heidfeld.

Tankdesaster in der Ferrari-Box

Es war doch grün. Aber schon im nächsten Moment sah ganz Ferrari rot. Als der Bolide mit Massa beim Tankstopp während der Safety-Car-Phase losrauschte, die Zapfpistole noch im Stutzen. Der Renner riss die Anlange um, schleuderte den Tankwart zu Boden und raste mit dem abgerissenen Schlauch zur Boxenausfahrt. Dort hielt der Südamerikaner mit seiner kuriosen Fracht notgedrungen an, während Mechaniker hinterher sprinteten. Zu dritt zerrten sie an dem Fragment, als die gesamte Konkurrenz an dem WM-Kandidaten vorbeizog.

Als der Schlauch endlich entfernt war, kam Massa wieder in die Gänge. Als Letzter - weil das Team die seit mehr als einem Jahr gebrauchte Ampelanlage auf manuelle Bedienung gestellt hatte. In Valencia hatte Kimi Räikkönen das Rotlicht ignoriert. Tankwarte von Ferrari leben gefährlich.

Ärgerliche Strafe für Rosberg

Das Missgeschick um Massa warf den Südamerikaner nicht nur ans Ende des Feldes zurück, sondern brachte ihm auch noch eine Strafe ein. Die „unsichere“ Abfahrt bescherte ihm eine Durchfahrtsstrafe. Ihm folgten zwei Kollegen. Denn zu Beginn der aufregenden Saftey-Car-Phase nach dem Unfall von Piquet in der 15. von 61 Runden hatten Rosberg und Robert Kubica (BMW-Sauber) wegen Benzinmangels die Boxen angesteuert, obwohl die Erlaubnis noch nicht vorlag.

Statt auf der Piste liegen zu bleiben, nahmen sie die Strafe in Kauf. Eine Boxendurchfahrt samt zehn Sekunden Stillstand. Es beraubte sie bester Chancen. Rosberg verlor die im Durcheinander gewonnene Führung, Kubica sogar den komplett den Anschluss.

Alonso machte Qualifikationspleite mehr als wett

Der große Gewinner war der Verlierer vom Samstag: Alonso. In den Trainingsstunden hatte er mit Bestzeiten seine Form angedeutet. „Das Auto war klasse. Ich glaube wir haben BMW eingeholt oder sogar überholt.“ Doch beim Startplatzrennen kam er wegen zu geringen Benzindrucks nur auf Rang 15. (siehe: Formel-1-Qualifying: Massa besteht die Nachtfahrt-Prüfung)

33 Runden nach dem Start als Hinterbänkler kurvte er als Spitzenreiter durch Singapur vor Rosberg und David Coulthard (7.) im Red Bull. Der Schotte bot dem Führungsduo eine Art Schützenhilfe als rollende Bremse. Mitunter fast zwei Sekunden langsamer pro Stadtrundfahrt, aber kaum zu überholen. Hamilton saß ihm rundenlang im Heck, eher er eine Lücke entdeckte.

Überholen doch möglich

Überholen in Singapur? „Sehr schwer, eigentlich unmöglich“, hatte Heidfeld vor dem Rennen gesagt. Doch die Kollegen widerlegten den Mönchengladbacher. Als Erster Rosberg. Der attackierte, verbremste sich, schoss über die Piste hinaus bei dem Versuch, Toyota-Mann Trulli zu passieren. Er fädelte sich hinter dem Italiener wieder ein, ehe er vormachte, was Alonso, Glock, Räikkönen, Hamilton, Kubica oder Massa zur Freude der 100.000 Zuschauer atemraubend nachahmten.

Auf dem Weg über die gebogene Vollgaspassage des Raffles Boulevard zog der Williams-Mann außen am Toyota vorbei. Dort, wo die Wellen im Asphalt am Bremspunkt (bei 290) die Boliden springen lassen wie ungehaltene Böcke. „Ich habe alles riskiert, mit vier blockierenden Rädern, das war echt hart und knapp“, sagte Rosberg.

Sicherheitsfahrzeug rückte ein zweites Mal aus

Jede Runde über den welligen Belag in den quasi ungefederten Boliden schlug in Mark und Bein. In Singapur bekamen selbst die untadeligen Fahrer ihre Prügelstrafe. „Es ist ein ständiges Rühren und Rudern“, beschrieb Vettel die Ansprüche für Körper und Geist. Und damit zum Ende von fast zwei Stunden Kreisverkehr eine ständige Gefahr, leichte Fehler mit großen Folgen zu begehen. Als Alonso, Rosberg und Hamilton an der Spitze die letzten Runden in Angriff nahmen, rutsche Massa aus der Ideallinie vor der Unterführung. Adrian Sutil hatte keine Chance. Beim Ausweichmanöver prallte er in die Streckenbegrenzung.

Sofort rückte das Sicherheitsfahrzeug aus und bescherte dem Publikum sieben Touren vor dem Ende einen „fliegenden“ Neustart, mit allen Boliden schön aufgereiht im Meterabstand. „Das ändert alles“, schrie der Streckensprecher. Nicht wirklich. Alonso gab ein Tempo vor, dem Rosberg nicht folgen konnte. Der sah Hamilton formatfüllend im Rückspiegel.

So wie Glock als Vierter den Renner des Champions Räikkönen: „Ein Fehler und es ist vorbei“, hatte Glock vor dem Start erklärt: „Ich hoffe, die anderen machen mehr als ich.“ Einer tats. Räikkönen krachte in die Mauer. Ferrari könnte also zumindest behaupten, das erste Kapitel in Singapur spektakulär begonnen und beendet zu haben.

Grand Prix von Singapur in Singapur (61 Runden à 5,067 km/309,087 km):

1. Fernando Alonso (Spanien) Renault 1:57:16,304 Std. (Schnitt: 158,068 km/h); 2. Nico Rosberg (Wiesbaden) Williams + 2,957 Sek.; 3. Lewis Hamilton (Großbritannien) McLaren-Mercedes + 5,917; 4. Timo Glock (Wersau) Toyota + 8,155; 5. Sebastian Vettel (Heppenheim) Toro Rosso + 10,268; 6. Nick Heidfeld (Mönchengladbach) BMW-Sauber + 11,101; 7. David Coulthard (Großbritannien) Red Bull + 16,387; 8. Kazuki Nakajima (Japan) Williams + 18,489; 9. Jenson Button (Großbritannien) Honda + 19,885; 10. Heikki Kovalainen (Finnland) McLaren-Mercedes + 26,902; 11. Robert Kubica (Polen) BMW-Sauber + 27,975; 12. Sébastien Bourdais (Frankreich) Toro Rosso + 29,432; 13. Felipe Massa (Brasilien) Ferrari + 35,170; 14. Giancarlo Fisichella (Italien) Force India + 43,571; 15. Kimi Räikkönen (Finnland) Ferrari + 4 Runden
Ausfälle
: Nelson Piquet Jr. (Brasilien) Renault (14. Runde/Unfall); Rubens Barrichello (Brasilien) Honda (15. Runde/Defekt); Mark Webber (Australien) Red Bull (30. Runde/Getriebeschaden); Adrian Sutil (Gräfelfing) Force India (50. Runde/Unfall); Jarno Trulli (Italien) Toyota (51. Runde/Fahrfehler)Schnellste Rennrunde: Kimi Räikkönen (Ferrari) 1:45,599 Min.

Fahrer-Wertung nach 15 von 18 Rennen
1. Lewis Hamilton 84 Punkte
2. Felipe Massa 77
3. Robert Kubica 64
4. Kimi Räikkönen 57
5. Nick Heidfeld 56
6. Heikki Kovalainen 51
7. Fernando Alonso 38
8. Sebastian Vettel 27
10. Timo Glock
12. Nico Rosberg 17

Team-Wertung nach 15 von 18 Rennen
1. McLaren-Mercedes 135
2. Ferrari 134
3. BMW-Sauber 120

Quelle: F.A.Z.
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Jahrgang 1964, Sportredakteur.

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