20.06.2009 · Es ist seine dritte Pole Position in dieser Saison: Sebastian Vettel war in Silverstone wieder der Schnellste im Qualifying. Dabei drohte die größte Gefahr aus dem eigenen Lager. Am Sonntag will Vettel nun das Brawn-Team ärgern.
Von Anno Hecker, SilverstoneDas gab es am Samstag in Silverstone: aufregende Gespräche über Rundenzeiten und atemraubende Kurvengeschwindigkeiten. Am Samstagnachmittag hatten die Fahrer das Wort. Zuerst Sebastian Vettel. So verlangt es das strenge Protokoll vom Schnellsten des Qualifikationstrainings. Prompt sprudelte es aus dem Hessen nach seinem Startplatzrennen für den Großen Preis von England an diesem Sonntag (14.00 Uhr / FAZ.NET-Formel-1-Liveticker) nur so heraus.
„Also, die letzte Runde, das war fast perfekt“, erzählte der Heppenheimer mit rotglühenden Wangen von seinem Weg zur dritten Pole Position in dieser Saison: „Die neuen Teile am Auto funktionierten. Das ist ein Schritt nach vorne. Ich war überrascht, wie schnell ich war.“ Und wohl auch zufrieden, dass die größte Gefahr aus dem eigenen Lager drohte.
Teamkollege Mark Webber befand sich nach Vettels Bestzeit noch auf der Piste. Er schien dem Deutschen den Platz an der Spitze im letzten Moment streitig machen zu können: „Aber dann stand mir Kimi (Räikkönen/Ferrari) im Weg. Ich weiß auch nicht, was zur Hölle er da gemacht hat.“ So gebremst brauchte der Australier gar noch eine Hundertstelsekunde länger als Rubens Barrichello im Brawn GP und 0,3 Sekunden mehr als Vettel: Rang eins und drei für Red Bull aber dokumentierten am Samstag, welches Team auf dem Kurs von Silverstone das Tempo vorgibt.
In allen Passagen, in den „schnellen Kurvenkombinationen“ wie in „langsamen“ Ecken, scheint Vettels Bolide ein Renner. „Ich hoffe, wir können Brawn jetzt mal ärgern.“ Ein Sieg soll es werden. Am besten ein Triumph über Jenson Button, der im Brawn sechs der ersten sieben Grands Prix gewann. In der Heimat erreichte er vor 105.000 Zuschauern Startplatz sechs, direkt vor Nico Rosberg (7.) im Williams und dem dritten Deutschen unter den schnellsten zehn, Toyota-Pilot Timo Glock (8.).
Die Leistung auf dem Kurs von Silverstone, sagen Ingenieure, gibt den Teams einen letzten Hinweis, wohin die Reise 2009 führt. Demnach kann sich Ferrari getrost auf die Konstruktion des nächsten Autos konzentrieren. Räikkönens neunter Rang spricht nicht für den erhofften Sprung nach vorne.
Auch BMW-Sauber, Nick Heidfeld (15.) blieb im zweiten Durchgang 1,3 Sekunden hinter Vettel, kommt nicht auf Touren. Ganz zu schweigen vom Weltmeister. Lewis Hamilton, Sieger 2008 im McLaren-Mercedes bei strömendem Regen, stoppte zwar der Unfall von Adrian Sutil (18./Force India). Bei freier Fahrt aber wäre der Engländer (19.) allenfalls im Mittelfeld gelandet. Entsprechend begrenzt war seine Lust, sich an Vettels fröhlicher Kurvendiskussion zu beteiligen.