23.10.2006 · Die Formel-1-Saison ist beendet und damit auch die Ära Schumacher. Der Rekordweltmeister lieferte sich mit Alonso einen ausgeglichenen Zweikampf der Generationen auf hohem Niveau. Ein Kommentar von Anno Hecker mit FAZ.NET-Bildergalerie.
Von Anno Hecker, São PauloSchade. Man hätte es ihm gegönnt, so einen Abschied auf dem Gipfel. Aber Michael Schumacher kam im Finale seiner Karriere eine Panne dazwischen - und einer zuvor, der es nicht weniger verdient hat: Fernando Alonso ist ein würdiger Weltmeister. Sein zweiter Titel, die Verteidigung des Meisterstücks von 2005, gibt der ganzen Branche im richtigen Moment einen wichtigen Schub (Siehe auch: Finale in São Paulo: Schumacher „wird viel vermissen“).
Der zwölf Jahre jüngere Spanier schlägt den erfolgreichsten Piloten der Formel-1-Geschichte! Damit läßt sich im nächsten Jahr die Lücke nach Schumachers Rücktritt am Sonntag leichter schließen. Wie überzeugend hätte eine Formel 1 sein können, wenn sich ein Champion nach seinem achten Titel aufs Sofa legt und die offensichtlich unreife Jugend kreisen läßt?
Zweikampf der Generationen
Der Umkehrschluß, Alonso habe Schumacher aufs Altenteil geschoben, ist natürlich Unsinn. Die Formel 1 bot in diesem Jahr einen ausgeglichenen Zweikampf der Generationen auf hohem Niveau. Deshalb ist der Titel des Asturiers mehr wert als im vergangenen Jahr. 2005 stellte McLaren seinem Piloten Kimi Räikkönen zwar das schnellere Auto zur Verfügung. Aber der Bolide hielt den Belastungen nicht stand. Die Pannen verhinderten ein Duell von der Klasse Schumacher/Alonso (Siehe auch: Schumacher: Momente einer beispiellosen Karriere).
Diesmal zerstörte zwar der Ausfall des Ferraris in Suzuka schon den Traum von einem Kopf-an-Kopf-Rennen im Finale. Aber nach Motorschäden stand es 1:1 vor der letzten Etappe in Brasilien. Glück hat Alonso also nicht gehabt. Allenfalls die Leistungsvorteile zu Saisonbeginn erleichterten ihm den Einstieg in diesen Kampf. Schumachers beeindruckender Aufholjagd aber begegnete er mit der Nervenstärke eines Champions. Alonso verlor vom Frühsommer an Rennen für Rennen einen Vorsprung von 25 Punkten, ohne sich dagegen wehren zu können. Er spürte, wie Schumacher im beschleunigenden Ferrari näher und näher kam, fühlte sich nach einer zweifelhaften Strafe und Rückversetzung in der Startaufstellung beim Großen Preis von Italien betrogen und leistete sich dennoch keinen folgenschweren Fahrfehler. So wird man trotz Schumacher im Nacken Weltmeister.
Wird Alonso der nächste Schumacher?
Alonsos zweiter Titel ist ein Meisterstück mit Langzeitwirkung. Denn der künftige Mercedes-Mann hat bewiesen, daß er ausreichend Talent und Persönlichkeit besitzt, um die Fußstapfen des Superstars ausfüllen zu können. Wie ähnlich sich die beiden sind, ist bislang nicht sonderlich aufgefallen. Denn Schumacher absorbierte einen großen Teil der Aufmerksamkeit. Selbst der kleinste Fehltritt des Platzhirschs bei der Revierverteidigung löste große Empörung aus. Alonso dagegen genoß die Freiheiten der Jugend, obwohl er hin und wieder ein ähnlich ausgeprägtes Verdrängungspotential erkennen ließ. Die Schonfrist ist mit der Abdankung Schumachers nun abgelaufen. Alonso, sollte sein Rennwagen schnell genug sein, könnte sich zum nächsten Schumacher entwickeln. In jeder Beziehung (Siehe auch: Formel 1: Wo ist der nächste Schumacher?).
Quotenkönig Schumacher
Michael Schumacher hat seine Formel-1-Karriere mit einer Spitzenquote beendet. Bis zu 14,83 Millionen Fernsehzuschauer sahen das Abschiedsrennen des siebenmaligen Weltmeisters. Der Spitzenwert der RTL-Übertragung aus Brasilien wurde um 20.00 Uhr gemessen. Im Durchschnitt verfolgten 13,44 Millionen Motorsport-Fans das Saisonfinale in São Paulo. Der Marktanteil lag bei 39,7 Prozent. Gegenüber dem Vorjahresrennen in Brasilien saßen nach RTL-Angaben diesmal 6,11 Millionen Zuschauer mehr vor dem Bildschirm (Siehe auch: Michael Schumacher: Der Goldesel der Formel 1).