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Formel 1 in Monaco Webbers Spitzenfahrt, Schumachers Strafe

16.05.2010 ·  Doppelsieg für Red Bull: Mark Webber übernimmt mit seinem Sieg in Monte Carlo die WM-Führung. Punktgleich Zweiter ist Sebastian Vettel. Kubica wird Dritter. Schumacher ist schneller als Rosberg und Alonso, wird aber zu einer 20-Sekunden-Strafe verdonnert.

Von Anno Hecker, Monte Carlo
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Das Problem hätten andere Teams auch gerne: zwei Fahrer, die gleich gut sind. Zumindest nominell. 78 Punkte notieren die Rechnungsführer der Formel 1 für Mark Webber nach seinem Sieg beim Großen Preis von Monaco. Auf die gleiche Zahl kommen sie bei Sebastian Vettel. Rang eins und zwei am Sonntag im Fürstentum bescherte Red Bull eine Doppelführung in der Fahrerwertung und Rang eins in der Kategorie Konstruktion.

Endlich, sollte man sagen. Denn da gehören sie hin. Die Piloten wie das Auto. Sechs Grand Prix hat es gedauert, bis das britisch-österreichische Team seine Überlegenheit ausfuhr. Dass Robert Kubica (59) als Dritter im sonst eher mittelmäßigen Renault die Sieger von den prominenten Verlieren wie Ferrari mit Felipe Massa auf Rang vier vor Lewis Hamilton im McLaren trennte, verstärkt den Eindruck noch: Der Red Bull ist das Maß der Dinge auf jeder Strecke. Überlegen sogar einem speziell für Monaco guten, weil weichen, mit kurzem Radstand versehenen Renault. Die Konkurrenz ist also vorerst abgehängt.

Zweimal binnen einer Woche schlägt Webber Vettel

Angesichts des technischen Vorsprungs rücken nun die Steuer-Männer der Maschinen in den Mittelpunkt. Packt Webber im reifen Alter von 33 Jahren den elf Jahre jüngeren Vettel, den hochgeschätzten WM-Kandidaten, bei den Hörnern? „Nein, ich habe keine Angst vor ihm“, sagte der Hesse schon am Samstag, „er hat sich mal das Bein gebrochen. Dem laufe ich immer noch weg.“ Vielleicht draußen, auf dem Platz. Aber im Cockpit ist ihm der Australier nach dem souveränen Sieg in Barcelona binnen einer Woche zum zweiten Mal davon gesaust, zum vierten Sieg in 144 Grand Prix.

Formel 1 in Monaco: Webbers Spitzenfahrt, Schumachers Strafe

„Ein ganz spezieller Tag für mich. Es wäre schon, wenn heute schon das WM-Finale wäre“, sagte Webber. Nach Siegen (zwei) liegt er nämlich vor seinem deutschen Teamkollegen. Aber Vettel ließ sich nicht beirren: „Ich denke, es wird bald wieder anders herum ausgehen.“ Der Hesse setzt wohl auf die vermeintliche Schwäche seines ersten Gegners. In der Vergangenheit ließ Webber Konstanz auf hohem Niveau vermissen.

Schumacher überholt Alonso - Prüfungsbedarf

In Monaco aber war von den Schwankungen nichts zu spüren. Trotzdem war es ihm nicht vergönnt, seine Klasse bis ins Ziel zu zeigen. Weil Jarno Trulli mit seinem Lotus drei Runden vor Schluss in der Rascasse-Kurve auf den Boliden des Inders Karun Chandhok hüpfte, bog das herbeigerufene Sicherheitsfahrzeug erst dreihundert Meter vor dem Ziel wieder von der Piste.

Nur einer scherte kurz danach aus der Reihe, Schumacher, vom Team zur Attacke aufgefordert. Und so schob er sich ausgangs der letzten Kurve an Alonso vorbei auf Platz sechs. „Aus meiner Sicht war es ein sehr cooles Manöver“, sagte Teamkollege Nico Rosberg. Es ist auch fast immer erlaubt. Laut Regel 40.13 aber nur dann nicht, wenn das Rennen hinter dem Safetycar beendet wird. Drei Stunden nach der Siegesfeier auf offener Straße addierten die Streckenkommissare deshalb zwanzig Sekunden zum Ergebnis des Mercedes-Piloten. Schumacher fiel auf Rang zwölf zurück. Alonso rückte wieder auf Platz sechs, der Rosberg auf sieben und Adrian Sutil im Force India auf Platz acht vor. Das Urteil ist umstritten, Mercedes kündigte entsprechend einen Protest an. Auch Renault hatte Kubica zum Angriff animiert. Zudem signalisierten geschwenkte grüne Flaggen eine Freigabe des Rennens. Offensichtlich verstießen die Streckenposten, die Verkehrspolizisten des Motorsports, gegen die geschriebenen Regeln.

Alonso mit cleverer Taktik

Warum nicht mal nach hinten schauen, wenn vorne nichts passiert? Da führte Webber nach seinem Blitzstart das Feld an, gefolgt von Vettel, der gleich auf den ersten Metern seinen Rückfall am Samstag ausglich. Mit einem Manöver vorbei an Kubica. Dann aber rauschte der Eilzug mit Schumacher auf Rang sieben vor Rosberg dahin. Vorbei an den Trümmern nach dem heftigen, aber relativ schmerzfreien Unfall von Nico Hülkenberg im Tunnel. Wer etwas vom Reiz des Rennfahrens erleben wollte, musste nur eine halbe Minute warten. Da kam er, der feuerrote Blitz. Alonso, schwer geschlagen nach seinem selbstverschuldeten Crash im freien Training am Samstag in der Massenet-Kurve. Dabei wurde das Chassis so beschädigt, dass der Spanier erst zum Rennen aus der Boxengasse wieder lossauen durfte: Als Kameramann unter Überholzwang.

Wie aber verschafft man sich in dem engen Geschlängel des Fürstentums freie Fahrt? Mit Aggressivität, mit Täuschungen. Alonso setzte dem armen Lucas di Grassi (Virgin) so zu, dass dem Brasilianer bald hier, bald dort das Heck des um mehrer Sekunden pro Runden langsameren Boliden auszubrechen drohte. Unwirsch deutete Alonso bei der Auffahrt zum Casino, bei Tempo 220 mit einer Hand an, dass der Kollege gefälligst Platz zu machen habe. Di Grassi gehorchte am Ausgang des Tunnels, so neben zwei anderen auch Timo Glock im zweiten Virgin (vor seinem Ausfall wegen eines Spurstangenbruchs).

Rosberg entschuldigt sich bei Schumacher

Nach 17 Runden hatte Alonso die Langsamen hinter sich. Die schnelleren übersprang er mit einer weitsichtigen Taktik. Gleich zu Beginn, als das Saftey-Car wegen Hülkensbergs Crash ausrückte, kam er zum obligatorischen Reifenwechsel. Die folgenden 76 Runden jagte er auf einem Satz Pneus ins Ziel. Vorbei an acht Gegnern, die bei ihrem Serviceaufenthalt im laufenden Rennen viel mehr Boden verloren. Von 24 auf sieben. Bei dieser Übung war bislang nur einer besser: Schumacher. Er hatte 2006 seinen Boliden im Zeittraining in der letzten Kurve abgestellt und damit Alonso auf dem Weg zur Bestzeit blockiert. Zur Strafe musste er vom letzten Platz losfahren. Als Fünfter kam er ins Ziel. „Es gab mal einen Fahrer in einer ähnlichen Situation“, zitierte Ferraris Presseabteilung den Chefingenieur Chris Dyer.

Als wüsste der frühere Renningenieur von Schumacher nicht mehr, mit wem er den Coup (Rang fünf) landete. Diesmal fuhr Schumacher fast im Kreis. Und machte doch einen kleinen teaminternen Fortschritt nach dem ärgerlichen Moment am Samstag. Rosberg hatte ihn beim Zeittraining blockiert. Just als der Rekordmann der Formel 1 eine Sicherheitsrunde gefahren war und dann angreifen wollte. „Wir haben Nico wegen eines Problems zu spät auf die Strecke geschickt“, erklärte Teamchef Ross Brawn. So landete der in Monaco aufgewachsene Landsmann direkt vor der Nase des Seniorchefs, ließ sich, den langsamen Barrichello vor Augen zurückfallen, um Schwung zu holen. „Ich habe mich entschuldigt.“ Schumacher akzeptierte. Zurück blieb nur ein bisschen Interpretationsspielraum: Der Altmeister zeigt sich im Rückspiegel. Der Jungstar macht sich breit. Aber so einen Konflikt nähme Mercedes gern in Kauf. Wenn nur das Auto schneller wäre.

Grand Prix von Monaco in Monte Carlo (78 Runden à 3,340 km/260,520 km):

1. Mark Webber (Australien) Red Bull 1:50:13,355 Std. (Schnitt: 141,814 km/h);
2. Sebastian Vettel (Heppenheim) Red Bull + 0,448 Sek.;
3. Robert Kubica (Polen) Renault + 1,675;
4. Felipe Massa (Brasilien) Ferrari + 2,666;
5. Lewis Hamilton (England) McLaren- Mercedes + 4,363;
6. Michael Schumacher (Kerpen) Mercedes + 5,712;
7. Fernando Alonso (Spanien) Ferrari + 6,341;
8. Nico Rosberg (Wiesbaden) Mercedes + 6,651;
9. Adrian Sutil (Gräfelfing) Force India + 6,970;
10. Vitantonio Liuzzi (Italien) Force India + 7,305;
11. Sébastien Buemi (Schweiz) Toro Rosso + 8,199;
12. Jaime Alguersuari (Spanien) Toro Rosso + 9,135;
13. Witali Petrow (Russland) Renault + 5 Runden;
14. Karun Chandhok (Indien) Hispania + 8 Runden;
15. Jarno Trulli (Italien) Lotus + 8 Runden

Ausfälle: Nico Hülkenberg (Emmerich) Williams (1. Runde/Unfall); Jenson Button (England) McLaren-Mercedes (3. Runde/Motorschaden); Pedro de la Rosa (Spanien) Sauber (22. Runde/Defekt); Timo Glock (Wersau) Virgin (23. Runde/Defekt); Lucas di Grassi (Brasilien) Virgin (26. Runde/Defekt); Kamui Kobayashi (Japan) Sauber (27. Runde/Defekt); Rubens Barrichello (Brasilien) Williams (31. Runde/Unfall); Heikki Kovalainen (Finnland) Lotus (59. Runde/Defekt); Bruno Senna (Brasilien) Hispania (59. Runde/Defekt)

Schnellste Rennrunde: Sebastian Vettel (Red Bull) 1:15,192 Min.
Pole Position: Mark Webber (Red Bull) 1:13,826 Min.

Fahrer-Wertung nach 6 von 19 Rennen:
1. Mark Webber 78
2. Sebastian Vettel 78
3. Fernando Alonso 73
4. Jenson Button 70
5. Felipe Massa 61
6. Robert Kubica 59
7. Lewis Hamilton 59
8. Nico Rosberg 54
9. Michael Schumacher 30
10. Adrian Sutil 18
11. Vitantonio Liuzzi 9
12. Rubens Barrichello 7
13. Witali Petrow 6
14. Jaime Alguersuari 3
15. Nico Hülkenberg 1

Team-Wertung nach 6 von 19 Rennen:
1. Red Bull 156
2. Ferrari 134
3. McLaren-Mercedes 129
4. Mercedes 84
5. Renault 65
6. Force India 27
7. Williams 8
8. Toro Rosso 3

Nächstes Rennen: Grand Prix von Türkei am 30. Mai in Istanbul

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1964, Sportredakteur.

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