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Formel 1 in Monaco: Qualifying Red Bulls Serie hält - Webber auf Pole

15.05.2010 ·  Mark Webber startet mit den besten Aussichten in Monaco: Der australische Red Bull-Fahrer fuhr im Qualifikationstraining die schnellste Zeit vor Robert Kubica und Sebastian Vettel. Michael Schumacher wird vom Teamkollegen gebremst.

Von Anno Hecker, Monte Carlo
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Aufregung im Fahrerlager. Kaum hatte Michael Schumacher sein Qualifikationstraining kommentiert, da schrillten die Alarmglocken. Streit bei Mercedes? In seiner vorletzten Runde beim Rennen um den besten Startplatz in Monaco konnte der siebenmalige Weltmeister seinen Boliden nicht wie gewünscht ausfahren. Schumacher sah sich blockiert: „Leider noch von meinem Kollegen“, sagte der Rheinländer dem Fernsehsender RTL nach Rang sieben. Nico Rosberg als Sechster um einen Wimpernschlag (0.046 Sekunden) schneller auf Bremstour?

Allenfalls passiv, als Folge einer Kommunikationsstörung mit dem Team wie Schumacher hinterher vermutete. Absicht unterstellt er dem 16 Jahre jüngeren Landsmann nicht. Dann schwang er sich auf sein Elektrofahrrad und brauste ohne weitere Nebengeräusche zum Briefing. Im Kreis der Ingenieure diskutierte man weniger über die Petitesse als über das Grundübel im eigenen Lager. Die Konkurrenz ist auch in Monaco weit voraus.

Zwar sprach Rosberg schwer enttäuscht von seiner verpassten Chance auf die Pole-Position: „Ich habe eine fürchterliche Vorstellung geboten.“ Aber 0,6 Sekunden Rückstand hinter Mark Webber im Red Bull zeugen nicht allein von einem fahrerischen Schwächeanfall. Näher ist die Silberpfeil-Fraktion der Spitze nicht gekommen. Zwar betrug der Rückstand in Barcelona rund 1,2 Sekunden. Die Runde ist allerdings auch um zwei Kilometer länger.

Red Bull, wer sonst? Sechsmal bei sechs Versuchen besetzte ein Pilot des britisch-österreichischen Teams den besten Startplatz. In Monaco ist das Gold wert. Alles ist erlaubt, selbst das Überholen in der Einbahnstraße. Aber der Platz reicht kaum. Deshalb sprang Webber nach vollbrachter Tat auf seine Ingenieure zu, als sei er zum ersten Mal der Trainingsschnellste gewesen. Dabei war es am Samstag nur eine Woche her. Was man Sebastian Vettel auf den ersten Blick ansah. Wieder geschlagen vom eigenen Teamkollegen. Vettel brauchte etwas Anlauf bis zum Punkt: „Ich fand keinen Rhythmus, habe mich schwer getan, es war nicht ganz ideal. Zum Schluss war ich nicht schnell genug.“

Überraschungsgast Kubica

Am Auto lag es nicht, dass sich der Heppenheimer im besten Boliden als Dritter in der zweiten Startreihe wiederfand. Es war der Fahrer: Robert Kubica sprengte als Überraschungsgast die Red-Bull-Formation und düpierte die große Konkurrenz: Ferrari? Mit Massa auf Rang vier vor Lewis Hamilton im McLaren-Mercedes und dem Silberpfeilduo. Der Coup von Kubica hatte sich erst am Samstag beim dritten Training mit einer Bestzeit angekündigt. „Wenn man vor einer Woche 1,5 Sekunden hinterherfuhr, dann rechnet man nicht mit diesem Sprung. Es ist ein Wunder.“

Eines, das man erklären kann. Im Renault hat Kubica mit einem vermeintlich schwächeren Motor und ungenügender Balance auf den „schnellen“ Strecken keine Chance. Im Qualifying kam er bislang über Rang sechs nicht hinaus. In Monaco aber lassen sich die Vorteile eines Autos mit viel Traktion ausspielen. Es hat einen kurzen Radstand und wirkt wesentlich weicher als die Renner seiner Gegner. Den Rest, Teamkollege Vitali Petrov (14.) prallte in die Leitplanken, vollbrachte der Pole. Seine Begabung ist erwiesen. Bei seinem ersten Auftritt in der Formel 1, in Monza 2006, wurde er im BMW-Sauber Dritter. Kubica gelang auch der einzige Sieg des Teams, führte 2008 vorübergehend die Fahrer-Weltmeisterschaft an - in einem unterlegenen Auto. Dem Red Bull wird er auch in Monaco über 78 Runden (260,5 Kilometer) kaum folgen können. „Aber das ist hier doch nicht so wichtig, ob ich eine Sekunde schneller oder langsamer bin. Es kommt nur darauf an, vorne zu sein“, sagte der leidenschaftlicher Poker-Spieler. Kubica verzog keine Mine.

Alonsos Radrasur nimmt dem Zeittraining die Brisanz

Aber die Strategie kann niemand verbergen: Am Start beim Sprint zur ersten Kurve (St. Devote) - der Notausgang führt zur Kapelle - will er auch noch Webber überraschen. Das wollen sie alle. Manche mit Wut im Bauch. Ausgerechnet in Monaco musste sich Adrian Sutil (12.) im Force India erstmals seinem Teamkollegen Vitantoni Liuzzi (10.) geschlagen geben. Angesichts der zahlreichen Befürchtungen, das Qualifikationstraining könne wegen der sechs hoffnungslos langsamen Autos zu einem „Lotteriespiel“ (Schumacher) verkommen, verlief die Stunde reibungslos.

Das aber lag auch an einem Mann, der gar nicht mitfuhr: Fernando Alonso hatte die rechten Räder seines Ferrari im Vormittagstraining in der Massenet-Kurve bei einem Leitplankentreffer abrasiert. Sein Auto konnte nicht rechtzeitig repariert werden. Dem Zeittraining war die Brisanz genommen. Denn mit Alonsos Ausfall und den sechs Piloten von Lotus, HRT und Virgin (mit Timo Glock, 20.) standen die sieben Streichkandidaten des ersten Durchgangs schon vor dem Start fest.

Formel 1, Großer Preis von Monaco in Monte Carlo, 6. von 19 Läufen zur Weltmeisterschaft, Startaufstellung (eine Runde = 3,340 km):

1. Mark Webber (Australien) Red-Bull-Renault 1:13,826 Minuten,
2. Robert Kubica (Polen) Renault 1:14,120,
3. Sebastian Vettel (Heppenheim) Red-Bull-Renault 1:14,227,
4. Felipe Massa (Brasilien) Ferrari 1:14,283,
5. Lewis Hamilton (Großbritannien) McLaren-Mercedes 1:14,432,
6. Nico Rosberg (Wiesbaden) Mercedes 1: 14,544,
7. Michael Schumacher (Kerpen) Mercedes 1:14,590,
8. Jenson Button (Großbritannien) McLaren-Mercedes 1:14,637,
9. Rubens Barrichello (Brasilien) Williams-Cosworth 1:14,901,
10. Vitantonio Liuzzi (Italien) Force-India-Mercedes 1:15,170,
11. Nico Hülkenberg (Emmerich) Williams-Cosworth 1:15,317,
12. Adrian Sutil (Gräfelfing) Force-India-Mercedes 1:15,318,
13. Sebastien Buemi (Schweiz) Toro-Rosso-Ferrari 1:15,413,
14. Witali Petrow (Russland) Renault 1:15,576,
15. Pedro de la Rosa (Spanien) Sauber-Ferrarri 1: 15,692,
16. Kamui Kobayashi (Japan) Sauber-Ferrari 1:15,992,
17. Jaime Alguersuari (Spanien) Toro-Rosso-Ferrari 1:16,176,
18. Heikki Kovalainen (Finnland) Lotus-Cosworth 1:17,094,
19. Jarno Trulli (Italien) Lotus-Cosworth 1:17,134,
20. Timo Glock (Wersau) Virgin-Cosworth 1:17,377,
21. Lucas di Grassi (Brasilien) Virgin-Cosworth 1:17,864,
22. Bruno Senna (Brasilien) Hispania-Cosworth 1:18,509,
23. Karun Chandhok (Indien) Hispania-Cosworth 1:19,559,
24. Fernando Alonso (Spanien) Ferrari ohne Zeit

Quelle: FAZ.NET mit dpa
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Jahrgang 1964, Sportredakteur.

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