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Formel 1 in Barcelona: Qualifying Mercedes ist besser - aber nicht gut genug

09.05.2010 ·  Die Red Bull-Piloten Mark Webber und Sebastian Vettel zeigen sich in Barcelona der Konkurrenz überlegen: Der Australier erobert die Pole Position vor dem Deutschen. Michael Schumacher wird im Mercedes Sechster und ist schneller als Teamkollege Rosberg - doch der Abstand zur Spitze ist groß.

Von Anno Hecker, Barcelona
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Vorerst keine Worte, nur Gesichter. Und zwar lange. So reagierten die Stars der Szene auf die Demonstration von Red Bull. Mark Webber gewann das Startplatzrennen für den Großen Preis von Spanien an diesem Sonntag vor seinem Teamkollegen Sebastian Vettel. Dieser Wechsel ist keine große Überraschung. Webber gehört über eine Runde zu den Spitzenpiloten der Formel 1. Auch die fünfte Pole Position für Red Bull erstaunte nicht. Aber der Vorsprung hinterließ Spuren. Das Minenspiel von Lewis Hamilton, Dritter vor Fernando Alonso und Weltmeister Jenson Button, sprach Bände im ersten Moment.

Regungslos, ernüchtert und für den Augenblick desillusioniert nahmen sie diese heftige Niederlage hin: Geschlagen um rund eine Sekunde! Das war es? Die Überlegenheit von Red Bull zauberte auch dem zunächst verknitterten Vettel ein Lächeln auf die Lippen. Trotz kleiner Fehler in seinem letzten Versuch. Denn die Erkenntnis des Tages bestärkt den Heppenheimer, mit seinem Dienstwagen auf dem besten Weg zum ersehnten WM-Titel zu sein.

Weil die Piste von Barcelona wie ein ultimativer Prüfstand der Formel 1 betrachtet wird. Wer auf dem Circuito di Catalyna brilliert, muss ein Auto mit überragenden aerodynamischen Eigenschaften besitzen. Die lassen sich, wenn auch nicht im Kreisverkehr von Monaco am nächsten Sonntag, so doch auf allen anderen Pisten mit „schnellen Kurven“ gewinnbringend ausspielen. Das heißt zwar nicht, dass sich die WM nun zu einer internen Meisterschaft zweier rasender Getränkedosen entwickelt. Aber für diesen Sonntag sieht es nach einer Solotour von Red Bull aus. Vettel hätte demnach, einen unfallfreien Start vorausgesetzt, nur einen Gegner: „Ich gratuliere Mark. Er war heute nicht zu schlagen. Aber ich hoffe, den Spieß umdrehen zu können.“

„Michael ist extrem gut gefahren an diesem Wochenende“

Daran hatten sie alle gedacht vor der Rückkehr aus Übersee nach Europa. Und im Akkord an ihren Boliden gearbeitet, um den Rückstand aufzuholen. Vergeblich. Nur einem gelang, was Vettel sich für das Rennen wünscht: Michael Schumacher ließ als Sechster erstmals Nico Rosberg (Achter) hinter sich. „Ich hatte das ganze Wochenende große Schwierigkeiten mit dem neuen Aeropaket“, sagte Mercedes-Pilot Rosberg, „ich bin mir noch nicht sicher, warum es für mich so eine Katastrophe war.“

Sein Problem: Das Auto untersteuert in der Kurvenmitte, schiebt über die Vorderräder geradeaus. „Damit bin ich noch nie zurechtgekommen“, sagte Rosberg und ärgerte sich über ein Manöver von Alonso. Der Spanier rauschte ihm bei der Ausfahrt aus der Box fast ins Auto. „Irgendeine Strafe müssen sie kriegen“, sagte Rosberg. Sie folgte auf dem Fuße: 20.000 Euro. Rosberg hätte sich mehr vorstellen können. „Das war eine gefährliche Ausfahrt.“ Aber einmal besänftigt, attestierte er seinem berühmten Teamkollegen die in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung angekündigte Leistungssteigerung: „Michael war die ganze Zeit schneller als ich, er ist extrem gut gefahren an diesem Wochenende.“

„Der Abstand nach vorne ist erschreckend groß“

Schumacher fühlt sich nach dem radikalen Umbau des Mercedes nun viel wohler im Auto. Die sichtbare Freude über den persönlichen Fortschritt aber wich mit der Analyse. Weil die Verlängerung des Radstandes, die Aufteilung und Herabsetzung der Airbox zur besseren Anströmung des Heckflügels, der neue Unterboden und andere Details vorerst nicht mal annähernd reichen, der Spitze gefährlich nahe zu kommen. Mit ein paar kräftigen Flügelschlägen ist Red Bull der gesamten Konkurrenz davongeflogen.

„Der Abstand nach vorne ist erschreckend groß“, sagte der Rekordweltmeister. „Wir müssen jetzt herausfinden, warum sie so große Vorteile in den schnellen Kurven haben, und darauf reagieren.“ Langfristig wird der „Rest“ (Hamilton) eine technische Lösung bevorzugen. Kurzfristig setzt Schumacher auf eine natürliche: „Wir müssen gar nicht auf das Podium schielen. Wir sollten die Rückspiegel im Auge behalten und hoffen, dass es während des Rennens regnet.“

Wechselhaftes Wetter: Diese Prognose für den Sonntagnachmittag erleichtert 22 von 24 Piloten die Aussicht auf das Rennen. Denn bliebe es trocken, dann drohte die ortsübliche Prozession nach einem in der Regel aufregenden Start mit einer einzigen Option: „Wir wissen ja, dass man in Barcelona schnell nach vorne kommen muss, wenn man weit kommen will“, sagt Adrian Sutil (Force India).

„Es gibt nur eines: Um jeden Preis angreifen“

Visier runter, Gang rein, Vollgas: Vor der S-Kurve, dem ersten Knick nach dem langen Anlauf von der Startposition, wird das Feld zusammengestaucht, wenn die Verfolger nach maximaler Beschleunigung ins Gedränge geraten, herunterbremsen von Tempo 240 auf etwa 130. „In Barcelona“, sagt der ehemalige Grand-Prix-Pilot Gerhard Berger, „gibt's für die Hinteren in den ersten Momenten nur eines: um jeden Preis angreifen.“

Neben Sutil gehört noch Nico Hülkenberg (13./Williams) in seinem fünften Formel-1-Grand-Prix zur Gruppe potentieller Start-Gewinner. Timo Glock (23.) dagegen wird selbst bei Wind und Wetter oder einem Blitzstart sein ganz eigenes Rennen fahren. Im runderneuerten Virgin ließ er zwar seinen Teamkollegen wieder hinter sich. Aber eigentlich hat der Odenwälder andere Ziele: Er will ankommen. Es wäre das erste Mal in dieser Saison. Und ein Grund für eine gute Miene.

Formel 1, Großer Preis von Spanien in Barcelona, 5. von 19 Läufen zur Weltmeisterschaft, Startaufstellung (eine Runde = 4,655 km):

1. Mark Webber (Australien) Red-Bull-Renault 1:19,995 Minuten, 2. Sebastian Vettel (Heppenheim) Red-Bull-Renault 1:20,101,
3. Lewis Hamilton (Großbritannien) McLaren-Mercedes 1:20,829, 4. Fernando Alonso (Spanien) Ferrari 1:20,937,
5. Jenson Button (Großbritannien) McLaren-Mercedes 1.20,991, 6. Michael Schumacher (Kerpen) Mercedes 1:21,294,
7. Robert Kubica (Polen) Renault 1:21, 353, 8. Nico Rosberg (Wiesbaden) Mercedes 1:21,408,
9. Felipe Massa (Brasilien) Ferrari 1:21,585, 10. Kamui Kobayashi (Japan) Sauber-Ferrari 1:21,984,
11. Adrian Sutil (Gräfelfing) Force-India-Mercedes 1:21,985, 12. Pedro de la Rosa (Spanien) Sauber-Ferrarri 1:22,026,
13. Nico Hülkenberg (Emmerich) Williams-Cosworth 1: 22,131, 14. Sebastien Buemi (Schweiz) Toro-Rosso-Ferrari 1:22,191,
15. Jaime Alguersuari (Spanien) Toro-Rosso-Ferrari 1:22,207, 16. Vitantonio Liuzzi (Italien) Force-India-Mercedes 1.22,854,
17. Rubens Barrichello (Brasilien) Williams-Cosworth 1:23,125, 18. Jarno Trulli (Italien) Lotus-Cosworth 1:24,674,
19. Witali Petrow (Russland) Renault 1:22, 139, 20. Heikki Kovalainen (Finnland) Lotus-Cosworth 1:24,748,
21. Karun Chandhok (Indien) Hispania-Cosworth 1:26,750, 22. Bruno Senna (Brasilien) Hispania-Cosworth 1:27,122,
23. Timo Glock (Wersau) Virgin-Cosworth 1:25,475, 24. Lucas di Grassi (Brasilien) Virgin-Cosworth 1:25,556

Witali Petrow wurde wegen Getriebewechsels fünf Plätze zurückgestuft, Timo Glock und Lucas di Grassi wurden wegen eines Verstoßes gegen FIA-Regeln ebenfalls um fünf Plätze zurückgestuft.

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1964, Sportredakteur.

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