Home
http://www.faz.net/-gu4-15xd1
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Formel 1 in Bahrein Schumacher ist zurück in seiner Welt

15.03.2010 ·  Schumachers Ergebnis in Bahrein ist alles andere als schmachvoll. Im Gegenteil: Schumacher hat sich am ersten Rennwochenende Stück für Stück verbessert. Aber die Formel 1 ist eine andere Rennklasse geworden. Die Renn-Analyse von Anno Hecker.

Artikel Bilder (5) Lesermeinungen (0)

Sechster? Ist es das, was er wollte? Es ist das, was er konnte. Mehr war nicht drin für Michael Schumacher bei seinem ersten Rennen seit 1239 Tagen. Die Erwartungen seiner Fans mögen wesentlich größer gewesen sein. Der verklärte Rückblick in die Vergangenheit, als Schumacher mit 91 Siegen und sieben WM-Titeln sein Image als Siegertyp formte, ließ keine andere Sicht zu.

Aber realistisch war die Kombination von Schumacher und automatischem Erfolg schon zum Ende seiner ersten Karriere nicht mehr. Insofern ist das Ergebnis hinter zwei Weltmeistern und drei erstklassigen Piloten alles andere als schmachvoll. Schumacher ist schon schlechter in eine Saison gestartet. Allerdings lag sein Teamkollege sehr selten, wenn überhaupt, in allen Leistungsvergleichen eines Rennwochenendes vorne.

Schumacher lächelte nach dem Rennen. Er plauderte locker über die Rückkehr in seine Welt. Das war nicht aufgesetzt. Und auch nicht die Folge einer verfrühten Altersmilde im Kreis der bis zu 19 Jahre jüngeren Gegner. Hinter Schumachers Zufriedenheit am Sonntagnachmittag steckte erstens die vorher keineswegs gesicherte Erkenntnis, doch noch im Rennen zu sein. Und zweitens die begründete Aussicht, aus seiner Startposition heraus noch einmal beschleunigen zu können. Nach drei Jahren ohne Übung im Qualifikationstraining konnte niemand eine perfekte Runde erwarten. Außerdem ist der Mercedes noch nicht das Maß aller Dinge. In Mensch und Maschine steckt also noch Potential.

Es ist kaum aufgefallen: Aber Schumacher hat sich am Wochenende peu á peu verbessert. Im Rennen über gut 308 Kilometer erreichte er vier Sekunden hinter Rosberg das Ziel. Das ist keine Deklassierung. Zumal Rosberg schon bei seinem Debüt in Bahrein 2006 mit der „Schnellsten Rennrunde“ seine Fähigkeiten aufblitzen ließ. Er hat das Zeug zum Grand-Prix-Sieger, vermutlich reicht es auch zum Weltmeister. Schumachers Fortschritte, seine Chancen, in der Formel 1 wieder zu triumphieren, werden sich an seiner Annäherung zu Rosberg ablesen lassen.

Schafft es Schumacher, sich der neuen Formel anzupassen?

Der Weg an die Spitze wird aber nicht nur wegen seines Alters beschwerlicher sein als noch vor zwanzig Jahren. Die Formel 1 hat sich, dass ließ sich am Sonntag erkennen, mit den jüngsten Regeländerungen stark verändert. Die Sprintrennen sind vorbei. Die Hatz am Limit über 90 Minuten, wie sie Schumacher liebt und beherrschte, ist nicht mehr gefragt. Stattdessen haben die Piloten die Aufgabe, vorsichtig hauszuhalten mit ihren Reifen, zu schauen, ob es sich zum Ende des Rennens das Tempo erhöhen lässt.

Vettel beklagte, dass die Zeit der „Attacken“ von der ersten Runde an vorerst vorbei sei. Wahrscheinlich aber verschieben sich nur die aufregenden Momente nach hinten. Man muss also nur mehr Geduld haben mit der Formel 1. Und mit Schumacher. Darin steckt die neue Spannung. Schafft er es, auch ohne die verbotenen Testfahrten über die nächsten Rennen, seinen Rhythmus zu finden, das Auto für seinen Fahrstil zu trimmen? Der Formel 1 tut diese nächste Frage gut. Schon die erste Antwort war befriedigend: Schumacher ist immer noch schnell, aber die Stärksten sind doch ein bisschen schneller. Alles andere wäre eine Blamage gewesen.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Stürmer in der Defensive

Von Michael Ashelm

Die Anforderungen an Angreifer haben sich stark verändert – und damit die Auswahl des Personals. Der Stürmertyp, der vorne wartet, bis er bedient wird, stirbt aus. Mehr 1

Ergebnisse, Tabellen und Statistik