12.03.2010 · Rosberg vor Hamilton und Schumacher - das Ergebnis des Trainings in Bahrein ist kaum zu interpretieren. Nur die Gesichter der Fahrer geben Antworten über ihre wahre Stärke.
Von Anno Hecker, ManamaDie Zahlen und Daten sagen wenig auf den ersten Blick. Am Freitag, beteuerten Formel-1-Piloten und Ingenieure, habe sich kaum etwas Grundsätzliches aus den Kolonnen nach den Trainingsrunden herausfiltern lassen. Was also zu erwarten ist von den Formel-1-Stars und ihren Boliden zum Beginn der neuen Saison an diesem Samstag und Sonntag in Bahrein ließ sich allenfalls in den Gesichtern ablesen.
Michael Schumacher lächelte. „Das war doch ganz gut, ich hatte jedenfalls viel Spaß“, sagte der neue Mercedes-Pilot nach seinem ersten offiziellen Training seit drei Jahren. Als Dritter tauchte er am Freitagnachmittag auf der Zeitenliste auf, fast so schnell wie Lewis Hamilton im McLaren-Mercedes und 0,5 Sekunden hinter dem Trainingsschnellsten, Nico Rosberg – seinem Teamkollegen.
Schumacher nahm die Distanzierung, Rosberg fuhr den weicheren, „schnelleren“ Reifen, gelassen. Er führt sie auf den leichten Rost zurück, der ihn in der dreijährigen Auszeit doch nicht verschonte: „Auf eine Runde fehlt mir noch die Routine, das war an einigen Stellen nicht zu übersehen. Ich muss die Details noch zusammenbekommen. Aber da kommt noch was.“ Etwa eine Verbesserung der Balance des im ersten Training noch stark untersteuernden, also in den Kurven über die Vorderräder schiebenden Mercedes. „Die Balance des Autos war schon viel besser“, fügte Schumacher hinzu: „Es sieht nicht so schlecht aus für uns.“ Dann lächelte er.
Mercedes mit Rosberg vorne, McLaren augenscheinlich auf gleichem Niveau, aber Sebastian Vettel im Red Bull schon eine Sekunde zurück, nur knapp vor dem Debütanten Nico Hülkenberg im Williams. Da schaute der Heppenheimer Red-Bull-Fahrer gar nicht so fröhlich aus seinem Overall. Er flüchtete vorerst in den Standardsatz des Nachmittags: „Es ist noch zu früh für eine präzise Analyse. Ich hatte Probleme mit den Bremsen, musste sie wechseln. Wir haben noch viel Arbeit. McLaren und Ferrari sehen aber stark aus.“
Massa: „Ich mache mir keine Sorgen“
Die Scuderia hatte der Hesse hinter sich gelassen mit Felipe Massa als Siebtem und Fernando Alonso auf Rang neun der zweiten Trainingsstunde. Kein berauschendes Resultat angesichts der Rückstände von 1,3 und 1,7 Sekunden. Aber Massa winkte ab: „Ach, wir sind doch gar keine Qualifikationsrunde gefahren. Ich bin absolut sicher, dass wir ein starkes Auto haben, da mache ich mir keine Sorgen.“ Massa zwinkerte.
So kurz vor dem ersten Wettrennen ist die Formel 1 noch nicht auf den Gleichschritt wie zum Ende einer Saison ausgerichtet. In den ersten Tagen einer neuen Saison wird noch gepokert und geprüft, wie man sich am besten auf den Ernstfall unter neuen Regeln vorbereitet. Erstmals seit 16 Jahren darf während des Rennens nicht mehr getankt werden. Das bedeutet, dass die Autos unter höchst unterschiedlichen Bedingungen am physikalischen Limit bewegt werden müssen. Vom Start bis ins Ziel wird das Gewicht um rund 160 Kilogramm abnehmen.
Vor einem Jahr lag der Unterschied bei einem Zentner. „Die Reifen werden zu Beginn eines Rennens ganz enorm belastet“, sagt der Technische Direktor von Sauber, Willy Rampf: „Man muss sehr vorsichtig sein, weil ein aggressives Fahren einen sehr frühen Reifenwechsel erzwingen könnte, der einen unter Umständen hoffnungslos zurückwirft.“ Und so haben die meisten Teams am Freitag den besten Abstimmungskompromiss für den Dauerlauf am Sonntag gesucht, sogenannte „Longruns“, acht, zehn Runden am Stück absolviert, mit beiden unterschiedlichen Reifenmischungen. Das vorläufige Ergebnis: Ferrari scheint sehr stark zu sein, McLaren, Mercedes und Red Bull auf einer Höhe.
Glock hängt über sechs Sekunden zurück
Adrian Sutil macht sich im Force India (12.) Hoffnung auf einen Sprung unter die besten zehn. Nachhaltig ist die erste Rangordnung aber nur, falls die Tanks etwa gleich gefüllt waren. „Kein Kommentar“, sagte Massa verschmitzt. Zehn Kilogramm mehr an Bord bremsen die Autos auf dem 6,299 Kilometer langen Kurs der Sakhir-Wüste um etwa 0,4 Zehntelsekunden. Schumachers gute Laune dürfte ein Indiz für eine konservative Strategie am Freitag gewesen sein: eher schwer- als leichtgewichtig unterwegs.
So weit ist Timo Glock in seinem Virgin gar nicht gekommen. Kupplungsprobleme hielten ihn in der Garage. Drei Runden (statt der üblichen 23) am Nachmittag reichten zwar, den Teamkollegen abzuhängen. Doch 6,628 Sekunden Rückstand hinter dem Landsmann Rosberg sagen alles: Es wird eine harte Zeit.