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Formel 1 in Bahrein Methusalems Jagd

14.03.2010 ·  Der Weg zurück in die Zukunft beginnt für Schumacher mit Platz sieben im Qualifying. Das erste Kräftemessen der Formel-1-Saison in Bahrein entscheidet Vettel für sich. Mercedes hat vor dem ersten Rennen der Saison Sorgen - der Abstand zur Spitze ist groß.

Von Anno Hecker, Manama
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Ist das nun die Wahrheit? Sie wäre nicht angenehm für die internationale Formel 1. Denn nach dem ersten Kräftemessen beim Qualifikationstraining für den Großen Preis von Bahrein an diesem Sonntag (13 Uhr/FAZ.NET-Liveticker) scheinen die Deutschen kräftig mitzumischen in der Spitze; auch ohne ihre Galionsfigur Michael Schumacher in der ersten Startreihe. Auf die Pole Position fuhr am Samstag Sebastian Vettel mit seinem Red Bull. Der Hesse sieht zwar nicht nach Schumacher aus mit seinem strubbeligen Haar, dem locker sitzenden Overall und seiner ständigen Lust zu lachen. Aber die Szene hat längst verstanden, dass in dem Heppenheimer eine 19 Jahre jüngere Version des siebenmaligen Champions steckt. „Mit einem dicken Hals“, wenn es wie am Freitag nicht läuft, und aufgeräumt, wenn „die Kiste“ zeigt, was sie „draufhat“. Fahrer inklusive.

Wenn man so will, dann demonstrierte die Jugend vor dem Saisonauftakt den Älteren, wer das Tempo vorgibt. Vettel schlug nicht nur die Ferrari-Fraktion mit Felipe Massa und dem zweimaligen Weltmeister Fernando Alonso. Nico Rosberg ließ auch dem 41 Jahre alten Schumacher an den ersten beiden Tagen keine Chance. Fünfter Rang für den in Wiesbaden geborenen Mercedes-Mann, Platz sieben für den Weltstar der Branche bei seinem ersten Qualifikationstraining nach drei Jahren.

Das mag, will man unbedingt an den kolportierten Nimbus der Unbesiegbarkeit glauben, wie eine Niederlage wirken. Der Methusalem der Formel 1 aber sprang juvenil aus seinem Silberpfeil, drehte den Daumen der linken Hand nach oben und zwinkerte in die Kameras. Die Sieben zum Wiedereinstieg könnte daran erinnern, dass noch was kommt: „1991 bei meinem Debüt wurde ich auch Siebter. Hier bin ich.“

Siebter. Das war, was Schumachers Rundenzeit betrifft, weniger, als er noch am Samstagmorgen zustande gebracht hatte. „Es gibt einige Gründe. Einer liegt bei mir“, sagte Schumacher. „Ich hatte noch nicht den Rhythmus, da fehlt noch das Feintuning auch des Autos, um herauszuholen, was möglich ist.“ Wer kann auch erwarten, dass drei Jahre Abwesenheit vom vielleicht schnelllebigsten Geschäft des Sports spurlos vorübergehen? Schumacher lebte zu Zeiten seiner Dominanz bei Ferrari nicht von genialen Eingebungen während der Fahrt, sondern vor allem von seiner akribischen Vorbereitung. Der schrittweisen Beschleunigung über Tausende Testkilometer zwischen den Rennen. Diese Übungsfahrten sind inzwischen verboten. Das Instrumentarium, sich systematisch dem Limit zu nähern, ist in Zeiten der Spar-Formel stark geschrumpft.

Nur das jüngste Resultat zählt

Schumacher wurde am Haupteingang der Formel 1 freudig in Empfang genommen und mit maximaler Aufmerksamkeit bis zu seinem Arbeitsplatz verfolgt. Das ist der Vorschuss, den er für seine einmalige Trophäensammlung erhielt. Aber die Formel 1 richtet sich nicht lange nach alten Verdiensten. Wenn die Räder rollen, zählt nur noch das jüngste Resultat. Während der Rheinländer nach dem Startplatzrennen fast unbehelligt in Jeans und T-Shirt zu seiner Teamunterkunft lief, hielten Vettel, Massa und Alonso Hof, umringt von Fernsehkameras. Der Rekordweltmeister war der Erste, der das bestens verstand: Motorsportgeschichte hat ihn nie besonders interessiert.

Nicht als Gejagter, sondern wie erwartet als Jäger reizt ihn die Frage, wie es (schneller) weitergeht. Vielleicht an diesem Sonntag schon? „Das Rennen wird ihm noch besser liegen als das erste Qualifying nach so langer Zeit“, sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. Also mit kühlem Kopf und bester Strategie von Rang sieben nach vorne? Vielleicht. In der kongenialen Kombination von Fahrer und Teamchef an der Boxenmauer, von Schumacher und dem am Samstag leicht erkrankten Ross Brawn, steckt vorerst das größte Potential für eine sprunghafte Entwicklung.

Das große Rätsel des vollen Tanks

Aber selbst Rosbergs starker Auftritt täuschte nicht über eine große Distanz zur Spitze hinweg. Vettels Vorsprung war zu groß für allzu gutes Gefühl. 1,1 Sekunden: „Zu viel“, sagte Haug mit Blick auf Red Bull und Ferrari. „Gut aufholbar“, behauptete Rosberg. Bei den hohen Asphalttemperaturen (44 Grad Celsius) überhitzten die Hinterreifen am Mercedes mehr als bei Vettels und Massas Boliden. Deshalb konnten Rosberg und Schumacher ihre Zeiten vom dritten freien Training nicht mehr erreichen. Dass sich Vettel und Massa aber zu einer „tollen Runde“ (Schumacher) steigerten, lässt Zweifel aufkommen an der Stärke von Mercedes im Dauerlauf. „Wir hatten ja schon mit wenig Benzin Schwierigkeiten“, räumte Rosberg ein, „mal sehen, wie es mit vollem Tank ist. In jedem Fall wird es sehr interessant.“

Auch Vettel wusste nicht genau, was seine sechste Pole Position wert ist. „Im letzten Jahr hatten wir noch Sprintrennen“, sagte der Heppenheimer. Nämlich vom Start zum ersten, dann zum zweiten Boxenstopp und ins Ziel. Selten mit mehr als 60 Kilogramm Benzin an Bord. Seit dieser Saison dürfen die Autos nicht mehr tanken während des Rennens. Sie fahren als Tanker (etwa 160 Kilogramm statt 60) los und kommen als Sprinter (vielleicht mit fünf Kilogramm) an.

Red Bull fürchtet ein anfälliges Auto

Die Belastung beim Start, wenn die ersten zehn mit den Reifen ihrer besten Qualifyingrunde antreten müssen, führt zu einer neuen Renncharakteristik: „Man wird nicht gleich am Start attackieren“, sagte Vettel, „sondern vorsichtig sein. Wir werden ins Auto hineinhören, nach den Reifen und Bremsen schauen. Da gibt es noch viel zu lernen für uns Fahrer und die Leute an der Boxenmauer. Wichtig ist, dass man ankommt.“

Hinter Vettels Hoffnung auf ein „langweiliges Rennen, in dem wir unsere Positionen halten“, steckt eine Befürchtung. Der Red Bull zählte zu den anfälligsten unter den schnellsten Autos im Wintertest. Und so setzen die Hintermänner über Adrian Sutil (10. im Force India), Nico Hülkenberg (13./Williams) bis hin zu Timo Glock (19) im Virgin auf Ausfallerscheinungen. Sie könnten schneller kommen, als man denkt: „Ich bin gespannt auf die erste Kurve“, sagte Schumacher und dachte an den verlängerten Bremsweg: „Wir haben wenig Erfahrung mit vollen Tanks.“

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Jahrgang 1964, Sportredakteur.

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