07.07.2008 · Monatelang waren Formel-1-Boss Bernie Ecclestone und Max Mosley, Chef des Automobil-Weltverbands Fia, zerstritten. Nun beendeten sie die Fehde, weil Ecclestone offenbar Max Mosley als Feind mehr fürchtet denn als Freund.
Von Hermann Renner, SilverstoneEs war, als hätte es einen Streit nie gegeben. Bernie Ecclestone und Max Mosley spielten Doppelpass, wie sie das vierzig Jahre lang erfolgreich praktiziert hatten. Mosley, Präsident des Internationalen Automobil-Verbandes (Fia), lobte seinen alten Kompagnon dafür, dass es ihm gelungen sei, dem Grand Prix von England einen Platz im Formel-1-Kalender zu sichern. Und er beglückwünschte ihn zu seiner Wahl des neuen Austragungsortes: Donington Park wird von 2010 an Silverstone ablösen.
Bernie Ecclestone nahm den Ball von Mosley dankbar auf: „Wir wollten ein Projekt schaffen, auf das die Teams und die englischen Formel-1-Fans stolz sein können.“ Mit dem Ortswechsel ist beiden gedient. Ecclestone hasst Silverstone und die versnobte Einstellung des British Racing Drivers Club (BRDC), der seit Jahren mit dem Formel-1-Chef einen Disput über die Zukunft des Traditionskurses führt.
Persönlicher Rachefeldzug Mosleys
Die Betreiber der Rennstrecke zögerten überfällige Modernisierungsmaßnahmen hinaus, weil sie dachten, dass Ecclestone die Alternative fehle. Mosley trifft mit seiner Unterstützung für Donington die führenden Köpfe des BRDC. Es ist ein persönlicher Rachefeldzug. Damon Hill und Jackie Stewart zählen seit Jahren zu seinen schärfsten Kritikern.
Die gemeinsame Erklärung der beiden alten Herren des Motorsports sollte der Motorsportgemeinde vor allem eines signalisieren: Wir sind wieder ein Team. Drei Monate lang war die Allianz auf eine ernsthafte Probe gestellt worden. Der ehemalige Gebrauchtwagenhändler und der frühere Jurist hatten sich nach allen Regeln der Kunst einen Schlagabtausch um die Vormachtstellung in der Königsklasse geliefert.
Besser mit Mosley als gegen ihn
Ecclestone unterstellte Mosley, er wolle den Wert der Formel 1 so weit drücken, dass er sie dann für ein Butterbrot zurückbekommt. Mosley mutmaßte, dass die Inhaber der kommerziellen Rechte die Formel 1 verkaufen wollen und dass dabei der Verband unter die Räder kommen würde.
Am Sonntag vor dem englischen Grand Prix kam es in London zu einem Treffen der Streitparteien. Die Rechteinhaber CVC Capital Partners hatten darum gebeten, weil ihnen klar wurde, dass Mosley am längeren Hebel sitzt. Für CVC ist die Formel 1 eine Aktie, und jede schlechte Nachricht lässt deren Wert fallen. Am Ende des Muskelspiels stand die Erkenntnis: besser mit Mosley als gegen ihn.
Mosley fordert Kostenreduzierung im Sinne der Privatteams
Kaum war die Friedenspfeife geraucht, kehrten die Drahtzieher zu ihrer gewohnten Taktik zurück: teile und herrsche. Mosley lässt von seiner Forderung ab, dass CVC mehr Geld an die Teams verteilen müsse. Er kämpft für die Privatteams und verteilt Ohrfeigen an die Hersteller. Die Summen, die die Autokonzerne in die Entwicklung ihrer Autos investierten, seien weder zeitgemäß noch akzeptabel.
Deshalb forderte er die Teams auf, binnen drei Monaten Vorschläge zur Reduzierung der Kosten zu machen. Gleichzeitig erwartet der Präsident neue Ideen für umweltfreundliche Neuerungen.
Werden die Teams wieder Spielball der Mächtigen?
Mosleys Unterschrift unter das Concorde-Abkommen, das die Verteilung der Einkünfte regelt, steht demnach nichts mehr im Wege. Ecclestone hat pflichtbewusst versprochen, dass er in den nächsten Tagen einen verbesserten Entwurf nach Paris schicken werde. Der Stabilitätspakt zwischen Fia, CVC und den Teams ist eine Art Qualitätssiegel.
Er gibt Planungssicherheit und macht das Produkt für Interessenten attraktiv. Die Teams wussten nicht, ob sie sich freuen oder ärgern sollten. Einerseits machte sich Erleichterung breit, dass der Sport nicht im Chaos versinkt. Andererseits sind sie jetzt wieder der Spielball der Mächtigen.
Spielball der Mächtigen?
Hans-Jörg Eitel (schnippchen)
- 07.07.2008, 17:24 Uhr