15.10.2006 · Wahre Bruderliebe sieht anders aus: Wenige Tage vor Michael Schumachers letztem Formel-1-Rennen verspürt Ralf Schumacher keinen Abschiedsschmerz. Er selbst hat die Hoffnung nicht aufgegeben, in die Fußstapfen des Rekordweltmeisters treten zu können.
Wahre Bruderliebe sieht anders aus. Wenige Tage vor Michael Schumachers letztem Formel-1-Rennen in Sao Paulo verspürt Ralf Schumacher keinen Abschiedsschmerz. Er werde Michael nicht vermissen, und auch die Formel 1 habe in ihrer Geschichte bewiesen, daß sie nicht von einem einzigen Fahrer abhängig ist, meinte der Toyota-Pilot. „So wird es auch nach Michael sein“, sagte „Schumi II“ in einem Interview und lästerte: „Toyota wird in Zukunft kein Auto weniger verkaufen, nur weil Michael aufhört.“
Aus deutscher Sicht werde alles davon abhängen, ob einer von den verbleibenden deutschen Fahrern die Lücke schließen könne, die sein Bruder hinterlasse. Zum Saisonanfang 2007 werde speziell in Deutschland noch häufiger von Michael die Rede sein. „Aber genauso sicher wird sich das auch relativ bald beruhigen“, meinte Ralf Schumacher.
„Wir waren schließlich Konkurrenten“
Er selbst habe die Hoffnung nicht aufgegeben, irgendwann in die großen Fußstapfen seines Bruders zu treten. „Ich glaube immer noch fest daran, mit Toyota meinen Traum vom WM-Titel verwirklichen zu können“, sagt der 31jährige, der auch in Zukunft keine Ratschläge von seinem sechs Jahre älteren Bruder annehmen will: „Ich glaube nicht, daß das funktioniert. Er wird doch wohl bei Ferrari Berater bleiben - da kann er mir bei Toyota sicher nicht weiterhelfen.“
Als Bruder tue es ihm zwar Leid, daß Michael nicht mehr mitfahre, so „Schumi II“, „als Rennfahrer ändert sich aber für mich gar nichts“. Michael habe ihm nur in der Kartzeit geholfen, danach hätte der siebenmalige Weltmeister genug mit sich selbst zu tun gehabt: „Und schließlich waren wir in der Formel 1 ja auch Konkurrenten“ (Siehe auch: Schumacher: Momente einer beispiellosen Karriere)
Nicht mehr „Klein-Schumi“ sein
Der Name Schumacher habe beim Formel-1-Einstieg geholfen, gibt Ralf Schumacher zu, schränkt aber sofort ein: „Aber schnell fahren mußte ich dann immer alleine. Oder saß Michael irgendwann mal bei mir mit im Cockpit?“ Vor allem der Name „Klein-Schumi“ habe ihn gestört: „Das hatte aber damit zu tun, daß man als 30jähriger nicht mehr der Kleine sein will. Das ist doch eine Sache der Höflichkeit, und darauf wollte ich hinweisen.“
Eines steht für Ralf Schumacher fest: Seinem Bruder will er so schnell nicht in den Ruhestand folgen. „Ich bin jetzt 31, habe noch irre viel Spaß. Im Moment ist kein Ende in Sicht. Es spricht nichts dagegen, noch bis 40 zu fahren“, sagt der Toyota-Pilot, der in der Formel 1 bislang sechs Siege gefeiert hat. Sein Team habe das Ziel in dieser Saison klar verfehlt, gesteht Ralf Schumacher: „Wir hatten viele Ausfälle, und unsere Ergebnisse sind bisher zu dürftig.“
Eine Rückkehr zu BMW komme für ihn aber nicht in Frage, sagte Ralf Schumacher und dementierte damit entsprechende Spekulationen: „Das wird mir nur immer wieder nachgesagt, weil ich mich häufiger mit Teamchef Mario Theissen treffe. Aber der ist einfach nur ein Freund. Über eine Rückkehr zu BMW haben wir nicht gesprochen.“ Und außerdem sehe er keinen Grund dafür, warum sich Toyota in Zukunft hinter irgendeinem Team - wie immer es auch heißt - verstecken muß.