Home
http://www.faz.net/-gu4-t0ol
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Formel 1 Deutscher Debütant zeigt den Stars die Bremslichter

25.08.2006 ·  Von Null auf Eins in zwei Stunden: Sebastian Vettel hat einen Traumstart in die Formel 1 hingelegt. Der 19jährige BMW-Testfahrer fuhr am Freitag in Istanbul bei seinem Trainingsdebüt Bestzeit.

Artikel Bilder (4) Lesermeinungen (0)

Von Null auf Eins in zwei Stunden: Sebastian Vettel hat einen Traumstart in die Formel 1 hingelegt und sogar Rekord-Weltmeister Michael Schumacher die Bremslichter gezeigt.

Der 19jährige raste am Freitag in Istanbul bei seinem Trainingsdebüt in der „Königsklasse“ prompt auf den ersten Platz - zu seiner eigenen Verwunderung. „Der Ergebnis überrascht mich selbst. Das ist einfach klasse und ein gutes Gefühl. Es war toll“, schwärmte der Heppenheimer.

Schumacher-Poster im Kinderzimmer

Im BMW-Sauber benötigte Vettel auf dem 5,338 Kilometer langen Kurs im „Istanbul Park“ 1:28,091 Minuten. Schumacher war im Vergleich dazu mehr als sieben Zehntelsekunden langsamer. Lehrgeld mußte der Renn-Rookie zwei Tage vor dem Großen Preis der Türkei allerdings auch bezahlen: Im ersten Training hatte er vergessen, in der Boxengasse den Geschwindigkeitsregler einzuschalten. „Das wird teuer“, sagte Vettel, der nach dem zweiten Training auch noch zur Dopingprobe mußte.

Gleich zum Auftakt das volle Programm für den Teenager, der im Fahrerlager inmitten von Schumacher, Alonso & Co. wie der Sieger eines Schüler-Wettbewerbs wirkt, der einen Tag in der Formel 1 gewonnen hat. Doch auf der Rennstrecke zeigte Vettel, dessen Kinderzimmer einst die Fotos von Rekordchampion Schumacher schmückte, gleich einmal, was in ihm steckt. Sehr zur Freude von BMW-Motorsportchef Mario Theissen: „Seine Leistung war tadellos. Die Bestzeit stand gar nicht auf dem Programm, aber es rundet die starke Vorstellung von Sebastian ab“, lobte er seinen neuen Testfahrer.

Begeisterung ins Gesicht geschrieben

Vettel nutzte seine Chance eindrucksvoll, nachdem Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve (Kanada) entlassen und der Pole Robert Kobica vom Test- zum Stammfahrer des bayrischen Werksteams aufgestiegen war. Die Begeisterung stand dem Blondschopf nach seinen rasanten Fahrten ins Gesicht geschrieben. „Was hier in den schnellen Kurven abgeht, ist einfach unbeschreiblich“, sagte er.

Es sei allerdings auch schwierig gewesen. „Ich kannte die Strecke nicht. Und ich hatte ja erst einen richtigen Formel-1-Testtag“ erzählte der Heppenheimer, dessen Leistung um so höher einzuschätzen ist. „Es ist fantastisch, hier zu sein. Ein Traum ist wahr geworden“. Vor allem mit Ferrari-As Schumacher gemeinsam auf der Piste zu sein, sorgte bei dem Teenager für Begeisterung.

Reifeprüfung bestanden

Schumacher, der sich dem Debütanten geschlagen geben mußte, verfolgt die Entwicklung von Vettel mit Interesse und sieht sie mit Wohlwollen. „Es freut mich, daß er seine Karriere stetig fortgesetzt hat und auch erfolgreich immer wieder Akzente setzen konnten und er jetzt so langsam den i-Punkt drauf bekommt“, meinte der 37jährige, der einst bei einem Kartrennen von Vettel vor zehn Jahren die Zielflagge geschwenkt hatte.

Wo Schumacher ist, will Vettel noch hin. Neben Michael, Ralf Schumacher (Toyota), Nico Rosberg (Williams) und Heidfeld sowie den Testpiloten Adrian Sutil und Markus Winkelhock ist der Abiturient der siebte deutsche Pilot, der in dieser Formel-1-Saison eingesetzt wird. Seine erste PS-Reifeprüfung hat der Formel-BMW-ADAC-Meister von 2004 wenige Monate nach seinem Abitur mit Bravour bestanden.

Formel 1, Großer Preis der Türkei, Freies Training

*1. Sebastian Vettel (Heppenheim) BMW 1:28,091
2. Felipe Massa (Brasilien) Ferrari 1:28,164
3. Kimi Räikkönen (Finnland) McLaren-Mercedes 1:28,315
4. Jenson Button (Großbritannien) Honda 1:28,506
*5. Anthony Davidson (Großbritannien) Honda 1:28,598
6. Ralf Schumacher (Kerpen) Toyota 1:28,614
7. Michael Schumacher (Kerpen) Ferrari 1:28,777
*8. Robert Dornboos (Niederlande) Red-Bull 1:28,848

13. Fernando Alonso (Spanien) Renault 1:29,741
14. Nick Heidfeld (M'gladbach) BMW-Sauber 1:29,780

24. Nico Rosberg (Wiesbaden) Williams 1:31,015

*Testfahrer, dürfen nur am Freitag fahren

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa, sid
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Stürmer in der Defensive

Von Michael Ashelm

Die Anforderungen an Angreifer haben sich stark verändert – und damit die Auswahl des Personals. Der Stürmertyp, der vorne wartet, bis er bedient wird, stirbt aus. Mehr 1

Ergebnisse, Tabellen und Statistik