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Formel 1 Der Killerinstinkt bricht wieder durch

30.10.2009 ·  Wettrennen um die Formel-1-Plätze: Nach dem Ausstieg von BMW stehen dem Profi-Team vier schwächelnde Neulinge im Weg. Dabei steht das Modell für 2010 längst im Windkanal. Peter Sauber kann auf Unterstützung von Jean Todt hoffen - aber Nick Heidfeld nicht warten.

Von Anno Hecker, Abu Dhabi
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Diesmal ist der minutiös geplante Tagesablauf auch auf Abschied eingestellt. Freitag, 12.30 Uhr vor der Box: ein letztes Mannschaftsfoto. Samstag, von 21 Uhr an im Fahrerlager: feierliche Schlussvorstellung in der Wüste. Sonntag von 17 Uhr an auf der Piste: die letzte große Sause. Langsam dämmert es den Mitarbeitern des Formel-1-Rennstalls BMW Sauber. Das Finale der Saison an diesem Wochenende, zugleich die Premiere der Formel 1 vor den Toren von Abu Dhabi, ist ihre letzte Vorstellung.

„Das Team wird es so nicht mehr geben“, sagt Pilot Nick Heidfeld. Er zögert kurz nach acht Jahren im Dienste von BMW und (oder) Sauber: „Das werden emotionale Momente.“ Dabei müsste der Ausstieg von BMW zum 2. November, im Juli verkündet, gar nicht das Ende sein für für einen großen Teil der Mannschaft aus Hinwil. Denn die Fabrik bei Zürich ist mit Mann und Maus längst verkauft an den nächsten Motorsportinvestor. Allein die Eintrittskarte fehlt. Auf Rang 14 der Meldeliste steht mit Sauber auch ohne BMW zwar ein hochprofessionelles Team. Aber mitfahren dürfen anno 2010 nur dreizehn.

So weit ist die Formel 1 also gekommen. Um das irre Wettrüsten mit astronomischen Ausgaben zu beenden und die Formel 1 für Einsteiger wieder bezahlbar zu machen, hat der Internationale Automobil-Verband (Fia) unter Führung seines ehemaligen Präsidenten Max Mosley ein Sparprogramm auf Biegen und Brechen durchgesetzt. Prompt qualifizierten sich vier neue Rennställe zumindest formal für die nächste Saison. Hinter den Kulissen aber wachsen die Zweifel, wer aus dieser Gruppe überhaupt den Sprung in die erste Startaufstellung schafft.

Das einstige GP-2-Team Campos ist ehrlich bemüht, berichtet aber von finanziellen Engpässen. Manor GP versprach zuletzt seine Mitarbeiterzahl von 18 auf 30 zu steigern. Das Fünffache wäre wohl angemessen. Bei Lotus blühen neben handfesten Versprechungen vor allem die Gerüchte, während das halbe Fahrerlager die Ankündigungen von US F1 für einen PR-Gag hält. Der Nachfolger von BMW Sauber aber hätte nach einer halbwegs verkorksten Saison immerhin genügend Substanz für eine ordentliche Zukunft. „Das Entwicklungsprogramm ist so weiter gelaufen, als würde es den Ausstieg nicht geben“, sagte BMW-Sportchef Mario Theissen am Donnerstag.

Die Zusammenarbeit mit Ferrari läuft reibungslos

Der Formanstieg seiner Renner ließ sich zuletzt in Brasilien beobachten. Robert Kubica wurde Zweiter. Er lässt mit dem Wechsel zu Renault ein Auto hinter sich, dass längst vom Modell 2010 überholt ist. Während sich bei US F1 noch kein Rad gedreht hat, stand eine Neuwagen-Version aus Hinwil neulich erst wieder im Windkanal. Die Zusammenarbeit mit Ferrari, aus Maranello kommen Motor und Getriebe, läuft reibungslos, wie es im Team heißt. Das Jahr der großen Reform führt also in eine aberwitzige Konstellation. Vier Kleine wollen, können aber kaum. Eine etablierte Größe will, darf aber nicht.

Ganz schuldlos ist der Besitzer auf Abruf nicht. BMW verweigerte aus Sorge vor den juristischen Konsequenzen die Unterschrift unter das sogenannte Concorde-Agreement. Dieser Vertrag mit der Fia, dem Vermarkter der Werberechte und den Teams, hätte den Konzern bis 2012 an die Formel 1 gebunden, gleichzeitig aber das Startrecht gesichert. Mitbesitzer Peter Sauber hätte gerne als Statthalter unterzeichnet, konnte aber die von den Bayern geforderte Ablösesumme, kolportierte 90 Millionen Euro, nicht aufbringen.

„Stabile Teams gibt es nicht im Überfluss“

Als sich im September ein Käufer namens Qadbak Investments Ltd. fand, die Hintermänner sind der Öffentlichkeit nicht bekannt, war die Startplatzvergabe abgeschlossen. „Das ist eine unwürdige Situation, die schnell bereinigt werden sollte“, sagte Theissen, „sie ist nicht zum Wohle der Formel 1. Stabile Teams gibt es ja nun nicht im Überfluss.“ Aber Gegner. Sogar in der eigenen Familie. Über ein Jahr hat die Rennstall-Gemeinschaft Fota Harmonie proklamiert, um im Kampf gegen Mosley als Einheit widerstandsfähig zu sein.

Zum letzten Grand Prix in diesem Jahr auf der in den Sand gesetzten pompösen Rennstrecke „Yas Marina Circuit“ bricht der mühsam kaschierte Killerinstinkt aber wieder durch. Der Versuch, Qadbak mit Segen der Fota aufzunehmen, scheiterte am Widerstand von Williams. Teamchef Sir Frank fürchtet offiziell, nicht mehr genug vom Kuchen zu bekommen. Denn die Vermarktungseinnahmen würden mit der nächsten Erweiterung des Kreises teilweise auf 14 Teams aufgeteilt. „Ich glaube“, sagte Theissen, „dass auch andere Interessen eine Rolle spielen.“ Etwa die Lust von Williams auf Petronas, den Hauptsponsor von Sauber. Warum sollte der staatliche Ölkonzern von Malaysia auf einem Auto werben, das nicht vorfährt?

Theissen rechnet dennoch mit einer Lösung. Falls der neue Fia-Präsident Jean Todt, der Peter Sauber freundlich gesinnt ist, keinen politischen Weg findet, dann könnte die Beförderung der BMW-Erben in den Kreis der Startberechtigten teuer werden. Freiwillig wird einer der aussichtslosen Neuen seine Lizenz nicht herausrücken. Gleichzeitig läuft den Beteiligten die Zeit davon. Ohne Startplatzzusage „kann man keine harten Verhandlungen führen, Fahrerverträge abschließen“, sagt Theissen, „die Situation wird Woche für Woche schwieriger“. Gute Piloten suchen oder haben längst Alternativen. Nick Heidfeld zum Beispiel: „Man kann ja nicht bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag warten.“

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Jahrgang 1964, Sportredakteur.

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