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Formel 1 Besuch von Briatore

17.05.2010 ·  Der wegen Sportbetrugs von der Formel 1 ausgeschlossene Lebemann Flavio Briatore ist im Fahrerlager von Monaco willkommen und trifft sich mit einflussreichen Freunden. Sein Lächeln ist triumphierend - und sein Wissen groß.

Von Anno Hecker, Monte Carlo
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In Wahrheit ist die Formel 1 eine Zeitmaschine mit einem irrwitzigen Verbrauch. „Lebenslang“ entspricht etwa acht Monaten. So lange dauerte die auf Unendlichkeit ausgelegte Verbannung von Flavio Briatore. Am Freitag stand er wieder im Fahrerlager. Lächelnd, im blauen Poloshirt. Brusthaare quollen aus dem V-Ausschnitt, mit einer stark getönten Sonnenbrille verhinderte er Einblicke. Briatore sah nicht gerade aus wie ein Unschuldslamm. Aber er fühlt sich so. Gerade noch der Schlachtbank entkommen, nach dieser „üblen Geschichte, dieser Ungerechtigkeit“.

Der Internationale Automobil-Verband (FIA) tut sich schwer, Briatores Freispruch in eigener Sache zu folgen. Er hält den Italiener noch immer für eine Art Sportbetrüger. Weil Nelson Piquet, einst Pilot des ehemaligen Teamchefs von Renault, beim Großen Preis von Singapur 2008 absichtlich einen Unfall inszenierte und damit Renaults Star Fernando Alonso unter den Augen Briatores zum Sieg verhalf.

Piquet gab später alles zu und bezichtigte den unumschränkten Boss im Stall, bestens informiert gewesen zu sein. Prompt ließ der FIA-Chef Max Mosley den schillernden Lebe- und Geschäftsmann von allen Ämtern in der Formel 1 ausschließen; inklusive Sippenhaft für jeden, der mit Briatore im Motorsport unter FIA-Ägide weiter zusammenarbeite.

Zurück im Allerheiligsten

Das war wohl ein Schauprozess. Oder hatte Mosley, dieser scharfsinnige Jurist, nicht ahnen können, dass solche Fallbeil-Urteile vor keinem ordentlichen Gericht bestehen würden? Im Zuge einer außergerichtlichen Einigung hat Briatore seine politische Verantwortung jüngst eingeräumt, jede „persönliche“ Schuld aber bestritten. Trotzdem stimmte er seinem Ausschluss vom Betrieb bis Ende 2012 zu. Insofern hatte der Nachtschwärmer in Monaco noch keinen Freigang. Es war nur ein Landgang.

Von seiner Yacht Blue Force, 63,23 Meter vom Bug bis zum Heck, sprang er mal eben ins Allerheiligste der Formel 1. Mit einem Pass, der die elektronische Schleuse öffnet. Das Gros der Zutrittsberechtigten erhält ihn nur auf Antrag und unter Auflagen. Verstöße werden streng geahndet. Mit einem Rauswurf. Es muss nicht gleich eine Rennmanipulation sein. Die Weitergabe des Passes reicht.

Wissen ist Briatores Macht

Briatore hat Freunde. Reiche und sehr einflussreiche. Vijay Mallya, der indische Besitzer von Force India, lud ihn auf sein schwimmendes Hotel im Hafen von Monaco ein. Formel-1-Chefmanager Bernie Ecclestone zog sich am Freitag mit Briatore zum Mittagessen zurück. Im April hatte schon Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo nach der Reduzierung der Strafe beste Grüße übermitteln lassen: „Ich freue mich für Flavio.“ Selbst der verhinderte Scharfrichter Mosley meldete sich im Frühjahr. Per SMS – wie Briatore behauptete – zur Geburt des jüngsten Sprösslings im März. Da konnte auch die FIA kaum anders, als die Schranken zu öffnen. FIA-Chef Jean Todt, schrieb der „Guardian“, hatte keine Bedenken. Briatore sei schließlich ohne Amt.

Die Formel 1 als Resozialisierungsbetrieb: Das ist schon eine kleine Überraschung. So wie sich die Rennställe im größten (bekannten) Betrugsskandal der Formel-1-Geschichte überhaupt recht vornehm zurückgehalten haben. Gab es weitere Klagen? Nicht bekannt. Die um Sieg, Plazierungen und Prämien betrogenen, sonst um jeden Cent feilschenden Teams rührten sich kaum. Jetzt tritt Briatore allen mit einem triumphierenden Lächeln entgegen. „Die Wahrheit“, sagt er, „siegt letztlich immer.“ Das muss nicht heißen, dass die Wahrheit bekannt ist oder wird. Es soll wohl sagen, dass man allein mit dem Wissen um Wahrheiten immer wieder eine Eintrittskarte bekommt.

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