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Formel 1 Beifahrer für Vettel gesucht

26.06.2011 ·  Der Vertrag von Vettels Teamkollege Webber läuft bald aus. Red Bull muss planen. Kommt möglicherweise Hamilton? Kategorische Ablehnung sieht anders aus. Vielleicht macht aber auch ein 21 Jahre junger Australier das Rennen.

Von Michael Wittershagen, Valencia
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Er hat das Visier seines Helmes nach oben geklappt und die Augen weit aufgerissen. Mark Webber sieht aus wie ein Mann, der bereit ist für den nächsten Angriff. Doch er ist es nur auf einem überdimensional großen Bild – ein zum Helden stilisierter Rennfahrer. Darunter sitzt der Weltmeister, lächelt und nippt an der Wasserflasche. Sebastian Vettel dreht sich nicht um, und das ist mehr als ein Symbol. Er hat seinen Teamkollegen längst hinter sich gelassen, ihm die kalte Schulter gezeigt und intern für klare Verhältnisse gesorgt.

Vettel ist die Nummer eins, er ist derjenige, der die Richtung vorgibt. Ein Alphatier in einer Branche voll mit extremen Charakteren. Die Frage ist, wer künftig an seiner Seite rasen wird. Der Vertrag von Webber bei Red Bull endet nach dieser Saison, und das allein ist für viele schon Grund genug, die Zeit der Spekulationen einzuläuten. „Aus Teamsicht wollen wir die besten Fahrer, die verfügbar sind“, sagt Teamchef Christian Horner. „Aber wir wollen auch eine harmonische Paarung, die für das Team funktioniert.“

Harmonie – sie hat Vettel nicht unbedingt im Sinn, wenn er an Webber denkt. Im vergangenen Jahr sind beide mit ihren Boliden auf der Strecke von Istanbul kollidiert, und auch außerhalb der Rennwochenenden haben sie sich nur wenig zu erzählen. Ein Satz genügt, um das Verhältnis zwischen ihnen zu beschreiben, Vettel wiederholt ihn in unregelmäßigen Abständen: „Wir werden sicher keine Freunde mehr werden.“ Genau das kann jeder sehen.

Nirgendwo sind Webbers Aussichten besser

Immerhin eint sie der Erfolg. Bis zum letzten Rennen der abgelaufenen Saison kämpften beide um den Titel und sicherten Red Bull den Gewinn der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft. Und doch glaubten viele Experten im Fahrerlager, dass diese Zweckgemeinschaft schon bald ihr Ende finden werde. Sie täuschten sich, und vor dem Großen Preis von Europa an diesem Sonntag (14.00 Uhr / FAZ.NET-Formel-1-Ticker) sagt Webber gar, dass es für ihn am vernünftigsten wäre, bei Red Bull zu bleiben. Ob er das auch darf?

Längst hat sich der Australier seinem Schicksal gefügt, schon lange verzichtet er auf verbale Angriffe gegenüber dem Deutschen. Der Vierunddreißigjährige weiß genau, dass der Platz im zweiten Red Bull immer noch besser ist als viele Chefsessel von anderen Rennställen. Theoretisch hat Webber das Material, um Rennen und sogar die WM zu gewinnen. Und der Rennstall hat 2010 zudem bewiesen, dass er – anders als zum Beispiel Ferrari – in den Kampf seiner beiden Fahrer nicht eingreifen will. Stattdessen forcierte er das freie Spiel der Kräfte. Nirgendwo anders sind die Aussichten für Webber auf der Schlussrunde seiner Karriere größer als bei Red Bull. Wäre da nicht dieser Vettel.

Immer wieder behaupten die Piloten, dass sie sich nur auf sich selbst konzentrieren. Dass sie wie in einer Art Tunnel durch die Saison rasen. Von Rennen zu Rennen, von Kontinent zu Kontinent. Monat für Monat. Nur den eigenen Erfolg vor Augen. Aber das ist nicht die Wahrheit. Es geht auch darum, seine Alleinstellungsmerkmale zu wahren. Am Donnerstag wurde Vettel mit einer möglichen Gefahrenquelle konfrontiert, eine Reporterin hielt ihm die neueste Ausgabe der österreichischen „Sport-Woche“ entgegen.

„Es war nur eine kleine Unterhaltung, eigentlich nichts“

Lewis Hamilton war darauf abgebildet, und der McLaren-Pilot trug den blauen Rennoverall von Red Bull. Das Urteil des Deutschen? „Steht ihm nicht.“ Vettel weiß ganz genau, dass der Alltag mit dem Draufgänger aus England ungemütlich werden könnte. Denn mit der Rolle als Beifahrer des Weltmeisters würde sich Hamilton nicht zufriedengeben. Den Verantwortlichen von McLaren gefällt die gewagte Fotomontage ebenso wenig wie Vettel, das Team wollte energisch dagegen vorgehen.

Zumindest auf den ersten Blick scheint im schnellsten Zirkus der Welt kaum etwas derart unrealistisch wie ein Wechsel von Hamilton zu Red Bull. Doch kategorische Ablehnung klingt anders – und sie sieht auch anders aus. Am Abend vor dem Grand Prix in Kanada vor zwei Wochen brach der Sechsundzwanzigjährige zu einem ungewöhnlichen Besuch auf, er betrat das Motorhome von Red Bull – und jeder konnte ihn dabei beobachten. Es folgte ein Gespräch mit Teamchef Horner, über die Inhalte schweigen die beiden Hauptdarsteller. „Es war nur eine kleine Unterhaltung, eigentlich nichts“, sagt Hamilton. „Wir haben nicht über Rennverträge oder so etwas gesprochen.“

Wird Lewis Hamilton zum 30-Millionen-Mann?

Sein Kontrakt bei McLaren soll 2012 auslaufen, doch schon jetzt beginnt die Phase, in der sein Marktwert in die Höhe getrieben werden kann. Zwanzig Millionen Euro beträgt das geschätzte Jahresgehalt von Hamilton, vielleicht wird er schon bald zum 30-Millionen-Mann. Ob die Verantwortlichen von Red Bull so viel bezahlen wollen? Schließlich haben sie die Zukunft mit Vettel längst unter Vertrag. Das Zusammenspiel von Mensch und Maschine besitzt alles, um eine neue Ära in der Formel 1 zu prägen. Erst kürzlich wurde ihre Zusammenarbeit schriftlich bis 2015 fixiert.

Eine andere vielversprechende Hoffnung wird langsam an einen festen Platz im Cockpit herangeführt: Daniel Ricciardo. Der 21 Jahre alte Australier ist Mitglied des Red-Bull-Nachwuchskaders und testet freitags an den Rennwochenenden für das Schwesterteam Toro Rosso. Ricciardo wäre die unspektakulärste Lösung. „Ich glaube, jeder Fahrer würde gerne in einem Red-Bull-Auto sitzen“, sagt Horner. Doch eines muss diesem Mann dabei bewusst sein: Er nimmt es mit dem Weltmeister auf.

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Jahrgang 1981, Sportredakteur.

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