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Formel 1 auf dem Nürburgring Vettels Jagdgesellschaft rückt ein wenig näher

24.07.2011 ·  Es gab schon deutlich bessere Wochenenden für Sebastian Vettel. Auf dem Nürburgring rettet der Weltmeister in letzter Sekunde mit einem Manöver in der Boxengasse immerhin noch Rang vier. Hamilton siegt vor Alonso und Webber.

Von Christoph Becker, Nürburg
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Lewis Hamilton hat im McLaren den Großen Preis von Deutschland gewonnen. Der Brite entschied ein überaus spannendes Rennen vor Fernando Alonso im Ferrari und Mark Webber im Red Bull für sich. Sein Teamkollege, der WM-Führende Sebastian Vettel, wurde Vierter.

Adrian Sutil im Force India gelang auf dem Nürburgring als Sechster sein bestes Rennen in dieser Saison und ein besseres Resultat als den beiden Mercedes-Piloten Nico Rosberg und Michael Schumacher. Sie landeten auf den Plätzen sieben und acht. Timo Glock wurde im Virgin 17., Nick Heidfeld schied mit seinem Renault nach einer Kollision aus.

Es entwickelten sich schnell ganz neue Aussichten für Vettel, den Weltmeister, zumindest ungewohnte und lange verdrängte: Es lief die 19. Runde des Großen Preises von Deutschland am Nürburgring und Weltmeister Sebastian Vettel steuerte seinen bislang so überlegenen Red Bull auf Platz neun über die Rennstrecke, mit Ausblick auf das Heck von Ferraris Nummer zwei, Felipe Massa, im Panoramaformat. Und das nach sechs Siegen und drei zweiten Plätzen in den vorangegangenen neun Rennen.

Es gab schon deutlich bessere Vettel-Wochenenden

Vettel hatte schon das ganze Wochenende über das Fahrverhalten seines Autos geklagt, besonders nach den Trainingsläufen am Freitag, aber trotz gegenteiliger Beteuerungen nach dem Qualifying am Samstag war klar: Vettel hat schon deutlich bessere Wochenenden gehabt in dieser Formel-1-Saison. Seine Mimik unmittelbar nach Platz drei in der Qualifikation sprach Bände. Nach dem Rennen sagte er: „Wir haben uns das ganze Wochenende schwer getan.“ Neue Töne in der vom Erfolg verwöhnten Red-Bull-Welt.

Denn was für Vettels Verhältnisse ungewohnt verhalten begonnen hatte, wurde im Rennen schnell nachteiliger. Schon 250 Meter nach dem Start, beim Anbremsen auf die erste Kurve des Grand-Prix-Kurses zwängte sich Fernando Alonso am Red Bull vorbei und Vettel behielt genug Überblick, beim Ausweichmanöver nicht in den Ferrari von Massa zu steuern.

Vettels Chancen sinken früh auf ein Minimum

Rund fünfeinhalb Kilometer weiter, in Kurve drei der zweiten Runde, schlüpfte Vettel noch einmal an Alonso vorbei, weil der Spanier die perfekte Einfahrt verpasste, aber in Runde acht passierte Alonso Vettel wiederum mit viel Geschwindigkeitsüberschuss bei der Fahrt in die erste Kurve. Der Spanier, der seit seinem Sieg in Silverstone vor vierzehn Tagen wieder Hoffnung im WM-Kampf geschöpft hatte, war auf und davon.

Schon jetzt waren die Chancen auf den angestrebten ersten Heimsieg für Vettel auf ein Minimum gesunken - und seine Konzentration war nicht dazu angetan, sie wieder zu heben. In Runde neun kam der Heppenheimer beim Anbremsen von Kurve zehn mit dem rechten Hinterrad auf den rutschigen Randstreifen und drehte sich in die an dieser Stelle asphaltierte Auslaufzone. „Mein Fehler“, sagte Vettel anschließend. „Ich war mit meinen Augen schon zu weit vorne.“ Und ein Fehler, den Michael Schumacher in seinem Mercedes später ziemlich exakt kopierte, die einzige Auffälligkeit im Rennen des Mercedes-Manns, der wie Rosberg weiter nur für Plätze in den hinteren Punkterängen gut, eingebremst vom eigenen Sportgerät.

Endlich Erster? Eein äußerst flüchtiges Vergnügen!

Die Schwäche des Favoriten aber war nicht zum Nachteil der 65.000 Zuschauer, die trotz bestenfalls frühlingshaften Temperaturen an die Strecke gekommen waren. Dafür sorgten schon jene drei Fahrer, die sich in der zweiten Saisonhälfte der Jagd verschrieben haben, der Jagd auf den scheinbar überlegen die Weltmeisterschaft anführenden Vettel. Fernando Alonso, McLaren-Pilot Lewis Hamilton und Mark Webber im zweiten Red Bull fuhren einen erstklassigen Grand Prix, es entwickelte sich ein Dreikampf um den Sieg.

Die besten Karten hatte zunächst Hamilton, der trotz Webbers Pole Position als Erster aus der ersten Kurve des Rennens kam. In der zwölften Runde kam Webber dann erstmals in diesem Jahr als Führender über eine Start-und-Ziel-Linie, weil er einen Fahrfehler Hamiltons in der Schlusskurve ausnutzte. Dabei hatte der Brite von der Box soeben noch zu hören bekommen, er möge bitte den Abstand auf den Australier im Red Bull vergrößern. Endlich Erster? Es blieb ein äußerst flüchtiges Vergnügen.

„Schweigt still, wenn ich Rennen fahre“

Hamilton sah bei der Anfahrt auf die erste Kurve eine Lücke, rechts vom Red Bull, links der Boxenmauer und Hamilton blieb seinem Naturell treu. Er zwängte sich an Webber vorbei, auf schmalem Grad und mit einer Menge Mut, die bei weitem nicht jeder Rennfahrer des aktuellen Jahrgangs aufbringt. Es sind Manöver wie diese, die beeindrucken - und deren Eindruck Hamilton sich nur zu bewusst ist. „Schweigt still, wenn ich Rennen fahre“, war sein verbaler Return an seine Crew via Funk. Liebesgrüße aus dem Cockpit hören sich anders an.

Die Hatz der drei nahm weiter Fahrt auf. Schlag auf Schlag folgten Reifenwechsel, Webber machte dabei im ersten Durchgang den besten Schnitt und sammelte nun doch einige Führungsrunde. Aber als die Pneus zum zweiten Mal rundum erneuert wurden, Webber hatte abermals mit dem Spektakel begonnen, wehrte Hamilton, dank Webbers Erbe nun der Führende, eine weitere Attacke des Australiers ab, wiederum auf seine eigene, kompromisslose Art. Der dritte im Bunde, Fernando Alonso führte nun eine Runde lang, bis auch er zum Stopp gebeten wurde.

„Super Job Jungs, super Job. Wunderbar“

Kaum aus der Boxengasse heraus, tauchte Hamilton als Vollformat im Heckspiegel des Ferrari auf. Alonso wurde umkurvt, dies war Hamiltons Rennen. Er ließ es bis zum Schluss nicht mehr los - im Gegenteil. In Umlauf 59, der vorletzten, gelang ihm die schnellste Runde (1:34,302 Minuten). Als er die Zielflagge als Erster sah, funkte er plötzlich ganz andere Töne an die Box: „Super Job Jungs, super Job. Wunderbar. Wenn wir weiter so Druck machen, kriegen wir diese Ergebnisse. Danke für den Druck, Jungs.“

Vettel, dessen Rennen es hätte werden sollen und dessen Rennen es niemals war, passierte beim letzten Boxenstopp in der letzten Runde schließlich doch noch Felipe Massa - Platz vier bringt ihm zwölf Punkte. Die Weltmeisterschaft, die er mit 216 Punkten vor Webber (139), Hamilton (134) und Alonso (130) anführt, scheint bis auf weiteres seine zu bleiben. Die Jagdgesellschaft hält er noch auf Abstand.

Grand Prix von Deutschland auf dem Nürburgring (60 Runden à 5,148 km/308,863 km):

1. Lewis Hamilton (England) McLaren Mercedes 1:37:30,334 Std. (Schnitt: 190,059 km/h)
2. Fernando Alonso (Spanien) Ferrari + 3,980 Sek.
3. Mark Webber (Australien) Red Bull + 9,788
4. Sebastian Vettel (Heppenheim) Red Bull + 47,921
5. Felipe Massa (Brasilien) Ferrari + 52,252
6. Adrian Sutil (Gräfelfing) Force India + 1:26,208 Min.
7. Nico Rosberg (Wiesbaden) Mercedes + 1 Runde
8. Michael Schumacher (Kerpen) Mercedes + 1 Runde
9. Kamui Kobayashi (Japan) Sauber + 1 Runde
10. Witali Petrow (Russland) Lotus Renault + 1 Runde
11. Sergio Perez (Mexiko) Sauber + 1 Runde
12. Jaime Alguersuari (Spanien) Toro Rosso + 1 Runde
13. Paul di Resta (Schottland) Force India + 1 Runde
14. Pastor Maldonado (Venezuela) Williams + 1 Runde
15. Sébastien Buemi (Schweiz) Toro Rosso + 1 Runde
16. Heikki Kovalainen (Finnland) Lotus + 2 Runden
17. Timo Glock (Wersau) Virgin + 3 Runden
18. Jérôme d Ambrosio (Belgien) Virgin + 3 Runden
19. Daniel Ricciardo (Australien) Hispania + 3 Runden
20. Karun Chandhok (Indien) Lotus + 4 Runden

Ausfälle: Nick Heidfeld (Mönchengladbach) Lotus Renault (11. Runde/Kollision); Rubens Barrichello (Brasilien) Williams (18. Runde/Defekt); Jenson Button (England) McLaren Mercedes (37. Runde/Defekt); Vitantonio Liuzzi (Italien) Hispania (39. Runde/Defekt)

Schnellste Rennrunde: Lewis Hamilton (McLaren Mercedes) 1:34,302 Min.

Pole Position: Mark Webber (Red Bull) 1:30,079 Min.

Fahrer-Wertung nach 10 von 19 Rennen:

1. Sebastian Vettel 216
2. Mark Webber 139
3. Lewis Hamilton 134
4. Fernando Alonso 130
5. Jenson Button 109
6. Felipe Massa 62
7. Nico Rosberg 46
8. Nick Heidfeld 34
9. Witali Petrow 32
10. Michael Schumacher 32
11. Kamui Kobayashi 27
12. Adrian Sutil 18
13. Jaime Alguersuari 9
14. Sergio Perez 8
15. Sébastien Buemi 8
16. Rubens Barrichello 4
17. Paul di Resta 2

Team-Wertung nach 10 von 19 Rennen:

1. Red Bull 355
2. McLaren Mercedes 243
3. Ferrari 192
4. Mercedes 78
5. Lotus Renault 66
6. Sauber 35
7. Force India 20
8. Toro Rosso 17
9. Williams 4

Nächstes Rennen: GP Ungarn am 31. Juli in Budapest

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1978, Sportredakteur.

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