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Dirk von Zitzewitz über die Rallye Dakar „Uns erwartet in Südamerika ein Abenteuer“

02.01.2009 ·  Der norddeutsche Profi Dirk von Zitzewitz geht jetzt mit seinem südafrikanischen Fahrer Giniel de Villiers in Argentinien und Chile auf große Fahrt - und freut sich auf Dünen, Dünen, Dünen. Trotzdem hofft er auf eine Neuauflage des Wüstenklassikers.

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Die Enttäuschung über die letztjährige Absage der Rallye Dakar war groß bei dem damaligen Favoriten Dirk von Zitzewitz: Nun startet er mit seinem Fahrer in der südamerikanischen Variante, die durch Argentinien und Chile führen wird. Auch wenn er hofft, dass die legendäre Rallye bald wieder in Afrika stattfinden wird - Zitzewitz freut sich auf das Rennen. Denn in Südamerika warten hundert Kilometer Dünen der Atacama-Wüste darauf, befahren zu werden.

Am 3. Januar starten Sie in Buenos Aires mit Ihrem Fahrer, dem Südafrikaner Giniel de Villiers, zur Dakar-Rallye in Argentinien und Chile. Ist die Enttäuschung über die Dakar-Absage im vergangenen Jahr überwunden?

Nein. Wenn so ein Rennen, auf das man sich monatelang vorbereitet und worauf man hingefiebert hat, abgesagt wird, dann ist das immer eine große Enttäuschung.

Kann eine Rallye in Südamerika den Verlust der alten Dakar überhaupt wettmachen?

Ich denke, dass wir die alte Dakar vielleicht noch gar nicht verloren haben. Das Rennen in Chile und Argentinien ist vielleicht nur ein Schritt auf dem Weg zu einer neuen Dakar. Ich gehe fest davon aus, dass wir auch wieder in Afrika fahren werden.

So gesehen wäre das nächste Rennen nur eine Art Ersatz.

Das Wort Ersatz klingt schon zu negativ. Es ist ein Ausweichen, was gut und richtig ist. Ich kann mir aber vorstellen, dass wir, sobald die politische Situation in Afrika wieder ruhiger und sicherer wird und auch vertrauenswürdig ist, wieder dort fahren werden. Da kommt die Dakar her, dort sind die Wurzeln der Dakar, dort hat sich ihr Spirit begründet.

Der logistische Aufwand für Südamerika ist gewaltig. Die Autos sind wochenlang als Schiffsfracht zum Startort unterwegs. Hat das noch etwas mit der alten Dakar zu tun, bei der ja auch viele Privatteams am Start waren, die nun in Südamerika auch aus wirtschaftlichen Gründen nicht in dieser Anzahl dabei sein werden?

Der Veranstalter, die ASO, hat da wirklich einen sehr guten Job gemacht, indem sie die Dakar 2009 zu den gleichen Bedingungen angeboten hat wie das Rennen vor einem Jahr - und zwar inklusive des Transports des ganzen Materials nach Südamerika und zurück. Für Privatfahrer beschränken sich die Mehrkosten eigentlich nur auf das teurere Flugticket zum Start- und Zielort. Das ist dann doch überschaubar. Aufwendiger ist die Sache natürlich für die Fans geworden. Mal so eben zum Start nach Lissabon zu fliegen, das ist in diesem Jahr nicht möglich.

In Zeiten der Automobilkrise kommt einem die Dakar schon fast vor wie ein moderner Kreuzzug der Auto-Abenteurer. Ist die Dakar zeitgemäß, oder verstehen Sie auch die Kritiker, die das Geld lieber in Arbeitsplätze investiert sähen?

Das ist natürlich ein ganz schwieriger Punkt. So gesehen kann man jeden Motorsport, vielleicht sogar den Sport an sich und viele weitere Dinge, die nicht grundsätzlich zum Überleben notwendig sind, in Frage stellen. Motorsport ist immer eine Art von Luxus - und muss natürlich in der Zeit einer automobilen Krise überdacht werden. Wir müssen sparen, den Sport günstiger gestalten, ob das in der Formel 1 oder bei der DTM ist. Das muss jeder mit seinem Gefühl für den Zeitgeist für sich entscheiden.

Kann man den Geist der alten Dakar, den die Veranstalter und Teilnehmer ja auch immer wieder werbewirksam zitiert haben, so einfach transferieren?

Es ist schwer, ihn zu kommunizieren. Das liegt daran, dass die meisten Leute keine richtige Vorstellung von Südamerika haben und von dem, was uns dort erwartet. Nachdem ich mich aber eingearbeitet habe und sich auch das ganze Volkswagenteam mit der Materie befasst hat, können wir alle sagen, dass das, was uns dort erwartet, eine vollständige Dakar sein wird. Wir wollen eine sportliche Herausforderung haben, eine Portion Abenteuer - und genau das erwartet uns in Südamerika. Wir werden landschaftlich grandiose Streckenabschnitte erleben, die Navigation wird schwer sein, es wird anstrengend für die Fahrer und extrem hart für die Autos und die Teams werden.

Über VW war zu erfahren, dass Sie einen Riesenrespekt vor der Rallye hätten.

Ja, den habe ich bekommen, muss ich gestehen. Durch das Kartenstudium und die vielen, vielen Tage, die ich auf Google-Earth verbracht habe. Ich habe vorher nicht allzu viel über Südamerika gewusst. Nachdem ich mich jetzt informiert und die Bilder gesehen habe, weiß ich, dass es dort viel unberührtes Land gibt. Eine der größten Schwierigkeiten wird es sein, dass wir zeitweise alle verschiedenen Geländeformen an einem Tag bekommen. Du fährst morgens über einen Bergpass, danach über die Ebene; dann bist du plötzlich in einem Dünenfeld, fährst anschließend durch Kamelgras, kommst zurück auf schnelle Pisten und bist hinterher wieder in den Bergen.

Wie ist das bei der Dakar in Afrika?

Da hat man manchmal über mehrere Tage die gleichen Geländeformen. Du weißt eigentlich immer, was auf dich zukommt. In Argentinien und Chile kannst du jeden Tag alles haben. Das wird sehr schwierig. Ich habe auch nicht gewusst, dass es so viele Dünengebiete gibt in Argentinien. Rein theoretisch können wir sogar mehr Sand und mehr Dünendurchquerungen bekommen, als wir in Nordafrika gehabt hätten. Es gibt in der Atacama-Wüste in Chile einen Abschnitt, in dem wir hundert Kilometer Dünen am Stück fahren werden - das hat der Veranstalter zumindest versprochen.

Vor der zurückliegenden Dakar zählten Ihr Fahrer de Villiers und Sie zum engen Kreis der Favoriten auf den Sieg. Wie sieht es vor diesem Rennen aus?

Ich zähle zum einen das Volkswagen-Motorsportteam komplett zum Kreis der Favoriten - und dann speziell natürlich auch Giniel und mich. Wir haben uns sehr gut auf das Rennen vorbereitet. Aber trotzdem beobachten wir mit großen Augen und Anspannung, was Mitsubishi macht. Für mich ist Mitsubishi mit Stephane Peterhansel und Luc Alphand genauso ein großer Favorit, wie wir es sind. Das Team ist unheimlich erfolgreich, hat die meisten Dakarsiege verbucht - und ist daher der absolute Favorit.

Wie gut ist Ihr Auto?

Unser Race-Touareg ist sehr ausgereift; ich denke, wir haben wirklich alles Mögliche getan, um ihn auf das Rennen so gut wie möglich vorzubereiten. Unser großer Vorteil ist, dass wir ihn gut kennen. Wir wissen, woran wir sind, und dass er hält und zuverlässig und schnell läuft. Das wird die Schwierigkeit von Mitsubishi sein, mit einem neuen Auto dort zurechtzukommen. Die testen wahnsinnig viel. Trotzdem denke ich, dass sie in dieser Beziehung ein bisschen mehr Bauchschmerzen haben als wir.

Getauschte Rollen also, wenn man in die jüngere Vergangenheit schaut.

Genau. Es ist exakt umgedreht, wenn man an die Jahre denkt, in denen wir mit einem neuen Wagen gegen die Pajeros antraten. Wir wissen, wie schwer es ist, einen konkurrenzfähigen Diesel zu entwickeln. Und deshalb machen wir uns auch Hoffnungen, dass wir gut aussehen werden. Wobei man nicht vergessen darf, dass Mitsubishi ja schon lange im Sport ist - und dass ihr „altes“ Auto schon sehr gut lief. Wir haben bei Volkswagen vor ein paar Jahren mit einem weißen Blatt Papier angefangen.

Das Gespräch führte Leonhard Kazda.

Quelle: F.A.Z.
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