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Der Fall Mosley Machtkampf bis zum bitteren Ende

03.04.2008 ·  Nachdem der bislang so überzeugende Sittenwächter mit der Neigung zu Seitenhieben als Hauptfigur eines Lustspiels seine Autorität verloren hat, scheint ihm nun auch der Durchblick verstellt. Mosley ist zu einer Belastung für die Formel 1 geworden.

Von Anno Hecker
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Die Überraschungen in der Formel 1 reißen nicht ab: Die Automobil-Konzerne haben sich positioniert. Gegen den umstrittenen Max Mosley, ohne Rückendeckung. Vor den diplomatisch formulierten, aber erstmals eindeutigen Erklärungen vom Donnerstag gab es keine strategische Aufklärung, ob etwa eine mächtige Gruppe von Mitgliedern des Internationalen Automobil-Verbandes (FIA) bereit ist, ihren Chef zu stürzen. Ein als mutige Attacke getarntes abgekartetes Spiel ist die Konzern-Offensive gegen Mosley also nicht. Vermutlich aber der Anfang eines nun unvermeidlichen Machtkampfes.

Denn Mosley ist uneinsichtig. Das ist die nächste Überraschung, eine zweite herbe Enttäuschung: Nachdem der bislang so überzeugende Sittenwächter mit der Neigung zu heftigen Seitenhieben als Hauptfigur eines Lustspiels seine Autorität verloren hat, scheint ihm inzwischen auch der Durchblick verstellt. Mosley ist zu einer Belastung für die Formel 1 geworden, ohne es wahrhaben zu wollen. Auch sein geschickt formulierter Hinweis auf die dunklen Seiten in der Geschichte von BMW und Mercedes wurde im Fahrerlager nicht gerade als intelligente Reaktion gewertet. Sie deutet darauf hin, dass Mosley auch im Moment der Bedrängnis von seinen Gefühlen übermannt wird; von der Angst, die Macht zu verlieren.

Geld und Logistik für Hacker und Prostituierte

Wozu so ein Machtkampf in der Formel 1 führen kann, wird in diesen Tagen in ungeahnter Weise deutlich. Nicht nur an Mosleys Bereitschaft, sich auf die wohl schmerzhafteste Tortur einzulassen, die einer Person des öffentlichen Interesses widerfahren kann. Die Einberufung der Außerordentlichen FIA-Generalversammlung wird die Leidenszeit noch verlängern. Aber auch die Enthüllungsgeschichte belegt, mit welchem Einsatz gekämpft wird. Sie lässt einen hochprofessionellen wie kriminellen Hintergrund vermuten.

Wer einen Menschen wochenlang überwachen lässt, Computerhacker beauftragt, eine Prostituierte für geheime Filmaufnahmen bezahlt, der hat viel Geld und Logistik investiert. Und zwar ohne das Interesse, den Millionär zu erpressen. Sonst wäre Mosleys Schauspiel vom Freitag nicht schon sonntags in der Zeitung und im Internet dokumentiert worden. Dass mit diesem Aufwand nur eine gekränkte Eitelkeit gerächt werden soll, ist zudem unwahrscheinlich.

Zweifellos aber rückte Mosley mit seiner polarisierenden, teils als schreiend ungerecht bewerteten Politik zuletzt mehr und mehr in den Fokus seines Feindes. Er hat es eben nicht verstanden, die Formel 1 zu befrieden, was seine Aufgabe gewesen wäre. Stattdessen trug er mit harten Hieben und Beleidigungen zur Vergiftung des Klimas bei, zu Feindschaften, die zuletzt als bittere persönliche Gefechte ausgetragen wurden: Alles auf dem Rücken des Sports.

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Jahrgang 1964, Sportredakteur.

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