22.02.2012 · Nico Hülkenberg, bei Williams vergangenes Jahr zu Gunsten der Dollar-Millionen eines Pay-Drivers ausgemustert, liefert bei den Testfahrten im Force India konstant gute Zeiten. Geld ist eben nicht alles.
Von Anno HeckerVor einem guten Jahr war Nico Hülkenberg nicht gut drauf. Er machte eine sparsame Miene und reagierte mit bissigen Kommentaren auf den Trend der Formel 1, sinkende Einnahmen mit Bezahlfahrern auszugleichen. „Talent reicht nicht mehr“, sagte der Rheinländer damals. Wenige Wochen zuvor hatte ihm Williams trotz der Pole-Position beim Saisonfinale 2010 in Brasilien durch den Hinterausgang nach Hause geschickt und Pastor Maldonado aus Venezuela am Portal hereingebeten. Vor allem wegen der stattlichen Mitgift des Sponsors „Petróleos de Venezuela“.
Was ein Glück für Hülkenberg. Die Dollar-Millionen für den nicht schlechten, aber schon mittelalterlichen Maldonado haben dem Rheinländer vielleicht die Chance seines Lebens beschert. Nach einem Jahr als gelegentlicher Freitagsfahrer bei Sahara Force India sitzt der Hülkenberg nun fest im Cockpit seines neuen Rennstalls. Und lächelt.
Nicht, dass er in seinem Beobachtungsjahr Trübsal geblasen hätte. Im Gegenteil. Aber jetzt ist er wieder in seinem Element, lebt geradezu auf. Das ist immer dann der Fall bei den modernen Fahrensleuten, wenn sie spüren, dass es vorangeht mit dem Gefährt unter ihrem Allerwertesten. Der Force India 2012, das lässt sich schon sagen, fährt rund und schnell in diesem Jahr.
Was wiederum die Folge einer Fehleinschätzung ist. Im Winter 2010 wurde der Wagen kurzfristig umgebaut. Erst zum Ende der vergangenen Saison, nach Monaten einer Entwicklung in kleinen Schritten, kamen die Piloten Adrian Sutil und Paul di Resta mit dem Renner dann richtig in die Gänge. Und - nebenbei – Mercedes gefährlich nahe. Die Erkenntnisse des vergangenen Jahres hat der Rennstall, der mit McLaren kooperiert, offensichtlich in die neue Saison retten können. Und so entwickelte sich Force India zu einem soliden Spekulationsobjekt.
Ist das der Aufsteiger 2012? Hülkenberg schüttelt den Kopf. Davon will er gar nichts wissen. Niemand im Fahrerlager will in diesen Tagen ohnehin etwas wissen. Die Topteams nichts von technischen Problemen und die Kleinen nichts von ihren finanzpolitischen Lösungen.
Dabei hat sich die Fahrschule der Formel 1 für Söhne reicher Gönner ja nicht gerade verkleinert. Vier, fünf Fahrer sind vor allem wegen einer oder mehrerer Schecks zu Steuermännern in der ersten Klasse ernannt worden. Was nicht heißen soll, dass ihnen grundsätzlich das Zeug fehlte, über die Runden zu kommen. Aber Geld ist eben nicht alles. Hülkenberg hat es auch ohne Überweisungsbestätigung geschafft: Mit Talent. Mal sehen, wie weit es reicht.
Kleiner Fehler eingeschlichen
Andy Seydel (Querdenker90)
- 24.02.2012, 14:23 Uhr