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Crashtest - Die Formel-1-Kolumne Vier gewinnt nicht

20.01.2010 ·  Senna, Lotus, Richard Bransons Virgin: Große Namen und vier neue Teams wollen in ein paar Wochen in der Formel 1 starten. Große Namen - und nichts dahinter? Bernie Ecclestone jedenfalls hat große Zweifel an der finanziellen Sicherheit der neuen Teams. Crashtest prüft, ob sich Ecclestone zu Recht Sorgen macht.

Von Christoph Becker
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Vier gewinnt - 52 Tage vor dem ersten Training der neuen Formel-1-Saison beim Großen Preis von Bahrein sicher nicht. Dort wollen vier neue Teams in der Wüste stehen. Das britische Team Virgin Racing, die Spanier von Campos Meta, das malaysische Lotus-Team und US F1 aus den Vereinigten Staaten haben große Pläne - die keine acht Wochen vor dem Saisonstart zumindest teilweise an Märchen aus Tausendundeiner Nacht erinnern. Nicht ausgeschlossen, dass von manchen Vorhaben in Bahrein nicht mehr als heiße Luft bleibt.

Das hat jüngst auch Bernie Ecclestone entdeckt: Den vier Neulingen sei ein „kleines Problem“ gemein. „Sie haben wahrscheinlich davon gehört“, sagte Ecclestone den Teilnehmern an Ferraris Jahresauftakt auf Skiern in Madonna di Campiglio, „es ist eine gewisse Finanzkrise in der Welt, die es den neuen Teams schwierig macht, Sponsoren zu finden.“ In der Tat. Und nur mit Kleingeld zündet in der Formel 1 kein Motor.

Die Pole Position unter den neuen Teams nimmt derzeit Virgin Racing ein. Dazu genügen zwei Fahrer und die weitverzweigte Firmengruppe des britischen Milliardärs Richard Branson als Namens- und Geldgeber. Ballonfahrer Branson hatte noch in der vergangenen Saison Brawn GP unterstützt, aber nach dem Gewinn von Fahrer- und Konstrukteurs-WM wieder die Lust am Abenteuer entdeckt und die Namensrechte am Manor-Team von John Booth gekauft. Irrational? Vielleicht. Aber erstens war Vernunft selten der stärkste Antrieb in der Formel 1 und zweitens ist das Investment für Branson eine Herzensangelegenheit: „Ich liebe Underdogs.“

Voll digital: Virgin setzt aufs Wirths Konzept

Teamchef Booth hat neben Timo Glock, der vom aufgelösten Toyota-Team kommt, Lucas di Grassi als Fahrer verpflichtet. Di Grassi, in den vergangenen Jahren Test- und Ersatzfahrer bei Renault, fuhr schon 2005 in der Formel-3- Euroserie für Booth und wurde 2007 Zweiter der GP2-Serie - hinter Glock. Entscheidender als die beiden Fahrer ist für den Erfolg des Projekts aber die Arbeit von Nick Wirth. Der Konstrukteur arbeitete von 1993 bis 1999 bereits in der Formel 1, unter anderem bei Benetton, bis er - wie er sagt - die Lust „an der grauenhaften Geldverschwendung“ verlor: „Es ging zu wie beim Wettbewerb zwischen Boeing und Airbus.“

Nun propagiert Wirth Sparsamkeit - nach den Klassenmaßstäben - und verzichtet auf die traditionelle Arbeit mit Modellen im Windkanal. Seine Autos entstehen durchgängig digital durch die Arbeit mit numerischer Strömungsmechanik (CFD), einem 3D-Projektionsraum und modernen Fahrsimulatoren. Die CFD-Entwicklung spare die Hälfte des Geldes, die bei der Arbeit im Windkanal fällig werde, behauptet Wirth. In Amerika hatte der Brite damit Erfolg - sein digital entstandener Le-Mans-Prototyp Acura ARX-02 stand beim Debüt bei den 12 Stunden von Sebring im vergangenen Jahr auf der Pole Position, vor den europäischen Konkurrenten Audi und Peugeot.

Senna für Campos und gecrashte Nasen bei US F1

Nichts für Romantiker ist der Auftritt von Lotus, trotz des berühmten Namens und des Motors von Cosworth, den alle neuen Teams bekommen. Die erfahrenen Jarno Trulli und Heikki Kovalainen sollen für das malaysische Nationalteam Gas geben, das nichts gemein hat mit dem von Colin Chapman gegründeten Team Lotus. In den Sechziger und Siebziger Jahren gewannen Chapmans Entwürfe sieben Konstrukteursweltmeisterschaften und seine Fahrer sechs Titel. Dem heutigen Chef Tony Fernandes, wie Branson Flugunternehmer, und seinem erfahrenen Entwickler Mike Gascoyne wäre schon geholfen, würden sie bis zum 12. Februar ein paar Sponsoren gewinnen. Dann soll das neue Auto präsentiert werden - der staatseigene, malaysische Ölkonzern Petronas entschied sich im Dezember für ein Engagement als Hauptsponsor bei Mercedes.

Wie Lotus hat Campos Meta immerhin einen großen Namen zu bieten. Nicht den von Teamchef Adrian Campos - dem zwei Zielankünfte in zwei Jahren Formel 1 mit Minardi Ende der Achtziger Jahre gelangen - sondern den seines bislang einzigen Fahrers: Bruno Senna. Kein Nachwuchsfahrer hatte in den vergangenen Jahren mehr Aufmerksamkeit, neben Erfolgen in der GP2-Serie verhalf dem Neffen des dreimaligen Weltmeisters Ayrton auch der prominente Nachname zu Testkilometern bei Honda - Ross Brawn zog jedoch später Rubens Barrichello als Piloten vor. Doch ohne Geld fließt kein Benzin und um Campos Meta sorgte sich Bernie Ecclestone schon im Dezember. Seither wurden vom Team keine weiteren Finanziers annonciert, im Gegenteil: Campos klagte öffentlich über die Schwierigkeiten bei der Sponsorensuche. Es könnte sein, dass Bruno Senna weiter auf sein erstes Formel-1-Rennen warten muss.

Das größte Rätsel unter den Neuen stellt US F1. Bislang hat der Teamchef des ersten amerikanischen Formel-1-Teams seit den Sechziger Jahren, Peter Windsor, noch keinen Fahrer bestätigt. Ein Cockpit dürfte wohl für den Argentinier Jose Maria Lopez reserviert sein. Lopez ist weithin unbekannt, aber nicht unbegütert. Mehrere Millionen Dollar an Sponsorengeld soll er mitbringen. „Bald“ will Windsor, einst Teammanager bei Williams, seine Fahrer offiziell benennen - und spätestens, wenn die Amerikaner ihr Renngerät im Barber Motorsports Park in Alabama testen, muss ein Pilot am Steuer sitzen. Wann das ist? Auch bald. „Anfang Februar“, sagt Windsor. Genauer geht es nicht. Auf der Team-Website dokumentiert US F1 den eigenen Fortschritt in Videos. Bislang zu sehen: eine fertige Nase im Crashtest. Für großen Optimismus ist das ein bisschen wenig. Bernie Ecclestone fügte in den Alpen jedenfalls noch an, dass er mit einem Starterfeld von zehn gesunden Teams auch gut leben könne.

Crashtest - die neue Formel-1-Kolumne bei FAZ.NET: Anno Hecker, Christoph Becker und Michael Wittershagen folgen Mittwoch für Mittwoch dem schnellsten Kreisverkehr der Welt auf den Rennstrecken und abseits der Boxengassen.

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1978, Sportredakteur.

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