09.11.2011 · Alle maßgeblichen Teams haben das „Resource Restriction Agreement“ unterzeichnet. Nur leider enthält das Papier keine bindenden Regeln.
Von Michael WittershagenAuf die Formel 1 kann man sich verlassen: Gestritten wird immer – und wenn es nur ums Geld geht. Obwohl, was heißt hier eigentlich „nur“? Mit genügend Dollars auf dem Konto lässt sich schließlich so einiges anstellen. Man könnte damit die Entwicklung in der Rennwagenschmiede voran bringen, den eigenen Boliden noch mal ordentlich beschleunigen und vielleicht sogar Weltmeister werden. Seit Monaten schaut die Branche deshalb voller Misstrauen in die Garage von Red Bull und fragt sich: Ob da wohl alles mit rechten Dingen zugeht?
Viele zweifeln daran, aber niemand möchte offen darüber reden. Stattdessen machen Gerüchte die Runde durch das Fahrerlager. Läuft manch einer der vielen Mitarbeiter aus der Marketing-Abteilung etwa heimlich mit dem Schraubenschlüssel in der Tasche herum? Mehr Geld für mehr Erfolge – das wäre die einfache Rechnung und würde bedeuten, dass sich die Verantwortlichen von Red Bull über das Resource Restriction Agreement (RRA) hinweggesetzt hätten. Über die modifizierte Version, die Teamchef Christian Horner im vergangenen Jahr unterzeichnet hat. Red Bull bestreitet allerdings, dass dieses Papier Rechtsgültigkeit besitzt.
Und damit fangen die Probleme erst richtig an. Das RRA umfasst keine bindenden Regeln, und es drohen auch keine Sanktionen. Zwar haben alle Teams bis auf HRT ihre Unterschrift unter das Papier gesetzt und damit ihre Bereitschaft erklärt, die Ausgaben zu reduzieren, aber alles beruht nur auf gutem Willem.
Und der ist nicht immer vorhanden in der Formel 1. „Wenn dir einer einen guten Morgen wünscht, dann solltest du erst mal schauen, wie spät es ist“, hat ein Teamchef mal gesagt. Jeder ist sich selbst der Nächste. Doch aus diesem Gemisch muss etwas entstehen, dass den schnellsten Zirkus der Welt bereit macht für die Zukunft. Sparen wäre angesagt, wollen die großen Vier (Red Bull, McLaren, Ferrari und Mercedes) nicht irgendwann unter sich fahren. An diesem Wochenende trifft sich deshalb die Teamvereinigung Fota beim Rennen in Abu Dhabi und sucht nach einem Ausweg aus der Misere. „Wir müssen uns zusammensetzen, um eine finale Lösung zu finden. Wenn wir uns nicht einigen können, was ist dann der Sinn und Zweck der Fota?“, fragt Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali.
Sinn und Zweck dieser Einrichtung sollte es sein, die Interessen der Teams gegenüber dem Internationalen Automobilverband (Fia) und dem Vermarkter zu stärken. Zugleich sollte das Verprassen von Millionen beendet werden. Doch dafür müssten alle zusammen arbeiten, und das widerspricht der Natur des Wettkampfes. Jeder möchte selbst zu Titeln rasen. Und so dreht sich die Branche munter im Kreis. Denn auf noch etwas konnte man sich in der Vergangenheit stets verlassen: Wenn sich mehrere gestritten haben, dann freute sich darüber immer ein kleiner Mann aus England, dessen Macht mit den Jahren nicht geringer wird: Chefvermarkter Bernie Ecclestone.