03.02.2010 · Ein einziger Auftritt auf dem Circuito Ricardo Tormo genügte, um aus Schumacher ein weiteres Mal den Maßstab der Branche zu machen. Schon jetzt scheint die Kombination aus Silberpfeil und Lichtgestalt gehörig zu beeindrucken.
Von Michael Wittershagen, ValenciaSieben Sterne glitzern auf seinem feuerroten Helm, und ein Drache symbolisiert Stärke und Energie. Der Schein trügt nicht. Ein einziger Auftritt von ihm bei den ersten Testfahrten des Jahres auf dem Circuito Ricardo Tormo in Valencia genügte, um aus Michael Schumacher ein weiteres Mal den Maßstab der Branche zu machen. Jeder Schritt eine Aussage, jeder Gang eine Geschichte.
Dieser Mensch arbeitet wieder. Mit jeder seiner Fasern. Und auch die Maschine, der Formel-1-Mercedes, scheint zu funktionieren. 198 Mal schoss der Silberpfeil am Montag und Dienstag um den Kurs. Das ist dokumentiert, vieles andere bleibt vorerst Spekulation. Denn noch will niemand ein öffentliches Urteil sprechen, einschätzen, wie gut dieser Mercedes mit der Identitätsnummer MGP W01 tatsächlich ist. Immerhin rollte er mehr, als er stand. Geheimnisse sind eine harte Währung in der Formel 1, um sie zu lüften, wird viel Geld ausgegeben. Bluff und Spionage sind elementare Bestandteile dieser überdimensionalen Kopiermaschine.
Halb im Scherz, halb mit Schmerz: Steig sofort aus!
Das Heck der Autos wurde in Valencia bei den Boxenpausen eifrig in schlichtes Tuch gehüllt, um neugierige Blicke der Konkurrenz auf den Diffusor abzuwehren. Schumacher, 41 inzwischen, hingegen gewährte überraschenderweise sogar kostenlose Einblicke. Seit 2005 färbt er sein Haupthaar - dem Boulevard ist in diesen Tagen der kollektiven Aufregung selbst das eine Schlagzeile wert. Dabei würden die Mechaniker und Ingenieure bei Mercedes GP lieber ganz andere Sätze hören. Seit Wochen beschäftigt sie vor allem eine Frage: Hoffentlich genügt das Auto den Ansprüchen von Michael!
Die sind hoch. Genau dort, wo das Bestmögliche beginnt. Viele Gegner zweifeln indes schon jetzt nicht mehr an den Fähigkeiten von Mann und Mercedes. Rubens Barrichello, sein ehemaliger Teamkollege bei Ferrari, schickte schon mal einen Ratschlag an seinen Nachfolge-Leidensgenossen. Steig sofort aus! Halb im Scherz, halb mit dem Schmerz vergangener Jahre sprach der Brasilianer diese Worte, aber Nico Rosberg mühte sich redlich, seinen Kämpferblick aufzusetzen, um den zweiten Mercedes in dieser Saison nicht nur im Schatten Schumachers über die Strecken dieser Welt zu chauffieren.
Die Kombination aus Silberpfeil und Lichtgestalt
Noch sind sie Partner. Testrunde um Testrunde versuchen beide, den Boliden zu verbessern. Von Versuch zu Versuch ändern sich Kleinigkeiten, kaum zu sehen, kaum zu messen, aber unabdingbar für den Erfolg. Schon jetzt scheint die Kombination aus Silberpfeil und Lichtgestalt manch einen gehörig zu beeindrucken. Gleich am Montag raste einer ins Kiesbett, nachdem Schumacher an seinem ersten Arbeitstag im neuen Gewand auf die Strecke ging: Barrichello im Williams.
Ob mit einem Schlag der Blutdruck des Brasilianers wieder in die Höhe schnellte? Schließlich hat Barrichello feststellen müssen, dass er in den vergangenen drei Jahren nicht mal den Geisterfahrer Schumacher in seinem Kopf losgeworden ist. Der wird alles genau beobachten. Und dann angreifen. Schritt für Schritt.