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Crashtest - die Formel-1-Kolumne Rivalen der Rennbahn

28.12.2011 ·  Red Bull und Ferrari haben die Teamvereinigung Fota verlassen. Es gilt das Urgesetz der Formel 1: Wenn es um den Erfolg geht, hört die Freundschaft auf.

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Luca di Montezemolo hat sich mal wieder ans Herz gefasst. Für die Ferrari-Crew ist das ein untrügliches Zeichen: Der Präsident schwebt im roten Bereich, am Drehzahllimit. Ein Sieg nur anno 2011, das führte zu schweren Engpässen bei der Versorgung mit Glückshormonen. Noch so ein Jahr des Mittelmaßes in der Formel 1, so die Botschaft des Ferrari-Bosses für das neue Jahr, darf es nicht geben. Zeugen berichten, Montezemolos Leidensmiene habe mächtig gewirkt. Als hinge sein Leben vom Erfolg der Scuderia ab.

Das stimmt natürlich nicht. Montezemolo hat schon härtere Phasen glänzend überstanden. Gelähmt hat ihn die Schwäche seines Rennstalls schon gar nicht. Kaum hatte er zu Journalisten aus dem Rennzirkus in der vergangenen Woche in Maranello gesprochen, da schoss er davon, mit wehenden Rockschößen. Er will in die große Politik wechseln. Das Talent für den öffentlichen Auftritt hat er. Geschult wurde es unter anderem in der Formel 1. Die jüngste sportpolitische Wende deutet darauf hin: Ferrari fährt 2012 wieder auf eigene Kosten.

Treueschwüre und Absichtserklärungen

Das zeugt vom Selbstbewusstsein der zentralen Instanz in der Formel 1, aber auch vom nächsten Scheitern. Die Teamvereinigung Fota hatte sich zur dritten Kraft im Mehrkampf um die Macht in der Formel 1 entwickelt neben dem Vermarkter mit Chefunterhändler Bernie Ecclestone (81) und dem Regelmacher, dem Internationalen Automobil-Verband. Erstmals schienen die Hauptdarsteller über einen längeren Zeitraum am gleichen Strang zu ziehen.

Sie hätten die Spielführung von ihrem greisen Gegner übernehmen können. Aber der weise Ecclestone wusste, wie man solch gefährlichen Gegnern zu Leibe rückt: vor allem mit Geduld. Er behielt Recht. Red Bull und Ferrari haben die Fota verlassen. Denn trotz aller Treueschwüre und Absichtserklärungen kamen sich die Rivalen der Rennbahn wieder in die Quere. Weil Red Bull den Weg des (2011 beschlossenen!) Sparkurses nicht mehr akzeptierte, fühlte sich Ferrari überfahren.

Schließlich hatten die Italiener während der Saison im Sinne des Lagerfriedens von einer fortgesetzten Klage gegen den angeblasenen Diffusor, einer der Leistungsvorteile des Red Bull, abgesehen. Für beide Rennställe nun wieder das Urgesetz der Formel 1: Wenn es um den Erfolg geht, hört die Freundschaft auf.

Weitere Spreizung des Feldes

Man kann Ferrari zugute halten, dass es mit dem Ausstieg aus der Fota nur reagiert hat auf eine verfahrene Situation. An den Konsequenzen für die Formel 1 ändert das nichts. Ohne Transparenz bei den Ausgaben wird niemand den Sparbeteuerungen trauen. Deshalb ist ein neues Wettrüsten zu befürchten. Das wird zu einer weiteren Spreizung des Feldes führen und einige Rennställe in die Existenznot treiben.

Denn nur die ersten vier dieses Jahres, Red Bull, McLaren, Ferrari und Mercedes sind wohl frei von finanziellen Sorgen. Ganz hinten leben Teams von der Hand in den Mund. Man muss deshalb nicht unbedingt in Tränen ausbrechen und könnte sich getrost auf eine Erfahrung des vergangenen Jahrhunderts verlassen.

Autorennen hat es auch nach den größten Katastrophen wieder gegeben. Aber diese Haltung wäre zynisch. Man übersähe, was die Formel 1 viel stärker bewegt als Millionen-Budgets. Nämlich die leidenschaftliche Hingabe von Mechanikern, Fahrern, Ingenieuren, ja sogar von Teamchefs. Ihnen sind Erfolge zwar extrem wichtig und hohe Gehälter sehr lieb. Aber die meisten gingen genauso engagiert an ihre Grenzen, falls sie nur ein Hungerlohn erwartete. Wenn diese Menschen sich ans Herz fassen, ist der Zustand kritisch.

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