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Crashtest - Die Formel-1-Kolumne Große Worte, kleine Brötchen

08.09.2010 ·  Adrian Sutil ist konstant geworden - aber noch nicht der Siegfahrer, für den er sich hält. Dafür fehlt dem Force-India-Piloten das entsprechende Auto. Der Renner für eine große Zukunft auf den Podesten der Rennstrecken wie am kommenden Wochenende in Monza ist freilich nicht in Sicht.

Von Christoph Becker
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Zeit für die italienischen Momente in der Formel 1. Während in Paris der Weltrat des Motorsport-Verbands Fia am Mittwoch über die von Ferrari eingefädelte Reihenfolge des Doppelsiegs in Hockenheim Anfang August entschied, denkt der Rest des Felds voraus: Bis zum Königlichen Park von Monza mindestens, wo Sonntag zum 60. Mal der Gran Premio d'Italia ansteht. Mancher aber auch ein bisschen darüber hinaus. Adrian Sutil, beispielsweise. „Irgendwann muss der große Durchbruch kommen“, sagte Sutil unlängst der „Süddeutschen Zeitung“. Und: „Ich will um den WM-Titel kämpfen.“ Er beherrscht sie eben immer noch, die großen Töne. Das war schon so, als Adrian Sutil vor drei Jahren als Neuling in die Formel 1 kam. Damals ließ er keine Gelegenheit aus, auf sich aufmerksam zu machen, jedenfalls außerhalb des Cockpits. Da war er wahlweise der „Künstler im Cockpit“ (Bunte), der „Pianist als Freund der lauten Töne“ (Financial Times Deutschland), der „Mann, der alles kann“ (Süddeutsche Zeitung).

Warum? Weil ihm klar war, dass sich die Geschichten vom talentierten Konzertpianisten und vom Philharmoniker-Sohn, der lieber Rennfahrer werden will, die er gerne und bei vielfältigen Gelegenheiten erzählte, nur zu gut verkaufen ließen. Und weil Klappern zum Geschäft gehört. Deshalb sagte Sutil nicht nur dieser Zeitung, dass er gewinnen wolle, „so lange, bis ich ganz vorne bin.“ Das Problem damals: Sein Spyker war oft genug das langsamste Auto im Feld. Am Ende des Jahres hatte Sutil einen WM-Punkt in der Tasche. Nicht schlecht für einen Spyker-Piloten, aber zu schlecht für einen, der vorher davon fabulierte „schnell in einem Siegerauto“ sitzen zu wollen.

In dem sitzt Sutil bis heute nicht, auch wenn sein Team längst Force India heißt, dessen Autos in den letzten zwei Jahren, auch dank des leistungsstarken Mercedes-Motors im Heck, deutlich besser geworden sind. So gut gar, dass Sutil in Spa-Francorchamps als Fünfter im Ziel der beste Deutsche war, die Mercedes-Werksfahrer Rosberg und Schumacher abgehängt hatte und nun vor Schumacher in der Fahrer-Weltmeisterschaft liegt.

Konstanter Punktesammler

Das Jahr 2010 läuft für Sutil deutlich besser als während der ersten drei Jahre in der Formel 1: 2008 hatte es nicht zu einem WM-Punkt gereicht, 2009 wurde er in Monza Vierter (bis heute Sutils beste Plazierung in einem Grand Prix), gewann aber nirgends sonst einen Punkt - immer wieder verhinderten selbst verschuldete Unfälle in aussichtsreicher Position Zählbares.

Inzwischen ist Sutil nicht mehr der Bruchpilot von einst, achtmal stand er am Ende eines Rennens in diesem Jahr in den mittlerweile allerdings bis zu Rang 10 verteilten Punkten. Das beweist, dass Sutil neben den Sprüchen nun auch die Arbeit am und im Rennauto beherrscht. Doch der Fortschritt ist endlich: Aus dem Force India wird aller Voraussicht nach auch in Zukunft nicht das Auto, aus dem Weltmeister steigen. Hilft also nur der Ausstieg aus dem Team. Zumal sein Vertrag mit Mallya am Jahresende ausläuft.

Große Ankündigungen für Monza

Wo aber wird im kommenden Jahr eine Tür aufgehen für Sutil? Weltmeister wird nur, wer in einem Topteam sitzt - nach Lage der Dinge kommen für dieses Prädikat 2011 die üblichen Verdächtigen in Frage. Mercedes und McLaren haben die Personalfragen für das kommende Jahr geklärt und eine Anstellung bei Ferrari oder Red Bull ist für Sutil außer Reichweite, aller Konstanz in dieser Saison zum Trotz. Er wisse noch nicht, was im nächsten Jahr wird, sagt er. Gut möglich, dass seine Umgebung die vertraute bleibt und er sich eben doch ein weiteres Jahr Force India anschließt, trotz der forschen Ankündigungen.

In Monza jedenfalls, sagt Sutil, wolle er so gut abschneiden wie in Spa - mindestens. Oder gleich so gut wie im vergangenen Jahr als Vierter. Das ist ein eher optimistisches Vorhaben. Sicher aber ist bei Sutil: Man wird von ihm hören.

Crashtest - Die Formel-1-Kolumne bei FAZ.NET: Anno Hecker, Christoph Becker und Michael Wittershagen folgen Woche für Woche dem schnellsten Kreisverkehr der Welt auf den Rennstrecken und abseits der Boxengassen.

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1978, Sportredakteur.

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