28.07.2010 · Was für eine Schande! Das Urteil nach Alonsos Manöver gegen Massa ist gefällt. Doch Hand aufs Herz, ihr Gutmenschen: Könnte es nicht sein, dass Ferrari bei allem Kalkül auch eine von außen nicht zu erkennende Ungerechtigkeit korrigiert hat?
Von Anno HeckerDie Empörung ist groß: Schande über Ferrari und die Formel 1. Wer es sich leicht macht, hat das Urteil längst gesprochen: Was für eine Ungerechtigkeit ist da am Sonntag in Hockenheim Felipe Massa widerfahren. Der Kreisverkehr ist nichts als ein ständiger Deal mit Lug und Betrug. Der arme Brasilianer. Vor einem Jahr in Ungarn knapp dem Tode entronnen. Er hat sich mühsam wieder vorangearbeitet, gegen alle Zweifel, gegen die Durchsetzungsfähigkeit von Fernando Alonso. Und nun wird er der Maschinerie geopfert.
Auf den ersten Blick mag das Ganze aussehen wie ein Skandal. Am Sonntag ist schließlich in der 49. Runde die herausragende Leistung eines Einzelnen per verbotener Teamorder unterdrückt worden. Massa durfte nicht gewinnen. Und er ist nicht von einem einzelnen Gegner - etwa Alonso - bezwungen worden, sondern von wenigstens einem halben Team samt Chefetage.
Alle - vermutlich abgesehen von seiner Crew - gegen Massa: Das wirkt so unfair. Und löst Reflexe aus, selbst bei der so genannten Formel-1-Prominenz. Eddie Jordan etwa, einst Teamchef bei Jordan, lästerte im ersten Moment. Niki Lauda gesellte sich dazu, Christian Horner, der die Geschicke bei Red Bull zu lenken versucht. Alle schlugen sie auf Ferrari ein. Es traf ja auch, formal betrachtet, die Richtigen. Die Italiener haben gegen die Regel verstoßen. Eine Teamorder ist verboten. Dafür sind sie zurecht bestraft worden.
Opportunistische oder politische Gründe
Aber Hand aufs Herz, ihr Gutmenschen. Welches Rittertum beseelte die Helden der Dreißiger und Fünfziger Jahre? Peter Collins musste einst seinen Ferrari während des Rennens abgeben, damit Juan Manuel Fangio gewinnen konnte. Eddie Jordans Gedächtnis reichte am Sonntag offensichtlich nicht weit zurück. Sonst hätte er sich an das Rennen in Spa 1998 erinnert. Damals hätte Ralf Schumacher seinen führenden Teamkollegen leicht überholen können - wenn Teamchef Jordan es erlaubt hätte.
Der Ire, Lauda, Horner und andere bekannte Gesichter sagten aus opportunistischen oder politischen Gründen, was die empörte Öffentlichkeit von ihnen erwartete. Dabei wissen sie viel besser als ihre Zuhörer und Zuschauer, wie üblich Teamorder ist. Und wie kompliziert das Verhältnis zwischen den Teams und ihren Fahrern. Niemand bezweifelt, dass diese Heroen einen ausgeprägten Hang zur Egozentrik brauchen, um Erfolg zu haben. Seit Motorsport betrieben wird, spielen die zentralen Figuren ihre Macht aus.
Ayrton Senna ist in seinem letzten Jahr bei McLaren, wie es heißt, zu manchem Grand Prix erst angereist, nachdem eine Million Dollar auf seinem Konto eingegangen war. Pro Rennen wohlgemerkt. Zwischen Cockpitfront und Motor sitzen also nicht nur willfährige Angestellte. Im Gegenteil. Da hocken Typen, die ihre Grenzen ständig erweitern, ihren Einfluss vergrößern, wenn sie denn die Kraft dazu haben. Massa kennt diesen Zweikampf hinter den Kulissen. 2008 musste ihm Kimi Räikkönen beim Kampf um den Titel weichen.
Bis an die Grenze der Belastbarkeit
Kein ernsthafter Rennstall bevorzugt einen Piloten, den er für schwächer hält als den Teamkollegen. Dass sich Teamchefs und die gesamte Ingenieursmannschaft also ein Bild machen und dann zugunsten des besseren - und im Ranking besser plazierten - Piloten Entscheidungen treffen, ist mit Blick auf die Ziele innerhalb einer Weltmeisterschaftssaison nicht nur logisch. Es stellt sich auch die Frage, ob es wirklich unmoralisch ist.
Kenner von Ferrari behaupten, Alonso habe den weitaus größeren Anteil an dem Aufschwung der Scuderia in den vergangenen Wochen. Er zieht die Mannschaft mit, motiviert sie, weiter an der Grenze der Belastbarkeit zu arbeiten. Wer unter den Ferrari-Kritikern die Formel 1 als Mannschaftsleistung akzeptiert - was könnte sie anderes sein? - der müsste jetzt innehalten. Könnte es nicht sein, dass Ferrari bei allem Kalkül auch eine von außen nicht zu erkennende Ungerechtigkeit korrigiert hat?
Netter Versuch
Jan Matthias (JanMatthias)
- 28.07.2010, 16:23 Uhr
@ Anno Hecker
Ullrich Schnappe (JohnBrown)
- 28.07.2010, 16:24 Uhr
sinnfreier Artikel
Steve Beck (rew13bt)
- 28.07.2010, 17:00 Uhr
Regel ist aber Regel
Norbert Heller (nheller)
- 28.07.2010, 17:19 Uhr
Welch ein Skandal Herr Hecker?
Uwe Wagner (view)
- 28.07.2010, 17:36 Uhr