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Crashtest - die Formel-1-Kolumne Die Spur des Dollars

02.11.2011 ·  Die Formel 1 expandiert, aber vor allem nach Osten. Traditionelle Strecken fallen dem Wettbieten zum Opfer. Skrupel gibt es kaum, solange die Zahlen auf dem Kontoauszug von Bernie Ecclestone stimmen.

Von Michael Wittershagen
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© dpa Gerast wird so oft und so lange, wie es Geld zu verdienen gibt: Bernie Ecclestone

Wie viel Formel 1 verträgt die Welt? Welche Strapazen sind den Protagonisten zumutbar? Ein kleiner alter Mann wird nur milde lächeln über solch sorgenvolle Fragen. Gerast wird so oft und so lange, wie es Geld zu verdienen gibt! Bernie Ecclestone, der 81 Jahre alte Chefvermarkter der Rennserie, ist Pragmatiker. Was wirklich zählt, sind die Zahlen auf seinem Kontoauszug.

Andere machen sich mehr Sorgen: „Ich weiß, dass wir immer auf der Jagd nach Geld sind“, sagt McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh. „Aber wir erreichen das Limit.“ In der kommenden Saison stehen von Mitte März bis Ende November zwanzig Grand Prix auf dem Rennkalender – so viele wurden in einem Jahr noch nie gefahren.

Die Formel 1 folgt konsequent der Spur des Dollars. Vierzig Millionen davon sollen es gewesen sein, die den rasenden Zirkus zuletzt dazu motiviert haben, die große Show in Indien aufzuführen. In einem Land ohne richtige Mittelschicht, geprägt vom Gegensatz Reich und Arm.

Einige Bauern wurden für ihre Felder entschädigt, damit der Budd International Circuit überhaupt gebaut werden konnte. Ein Rennen in diesem Umfeld ist nur konsequent, denn Skrupel vor irgendetwas gab es selten in der Vergangenheit. Monarchen, Oligarchen, Demokraten und Unterdrücker – sie alle bekamen die Formel 1 schon zu sehen. Hauptsache der Preis stimmte.

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© dapd Vierzig Millionen Dollar sollen das Rennen in Indien am vergangenen Wochenende ermöglicht haben

Traditionelle Rennstrecken wie Imola oder Magny-Cours sind dem Wettbieten zum Opfer gefallen. Auch der Grand Prix am Nürburgring in der Eifel ist gefährdet. Die Formel 1 expandiert, aber sie schaut dabei vor allem nach Osten. Im vergangenen Jahrzehnt kamen unter anderem in Asien Strecken in Malaysia, China, Singapur und Südkorea dazu, im Nahen Osten fährt die Branche seit einiger Zeit in Bahrein, der Türkei und Abu Dhabi.

„Ich liebe das“, sagt Jenson Button (McLaren). „Als Pilot kannst du niemals genug bekommen. Aber man muss an die Ingenieure und Mechaniker denken, diese Jungs arbeiten inzwischen beinahe nonstop.“

„Wir reden hier nicht vom Ende der Welt“

Gerade entwickeln sie parallel zu den ausstehenden Rennen die Boliden der neuen Generation, im Februar werden diese getestet, einen Monat später beginnt der Ernstfall. „Vielleicht müssen wir bald mehr Leute einstellen“, sagt McLaren-Teamchef Whitmarsh. Das kostet Geld.

Kaum zu glauben, dass Ecclestone einen Teil seiner Gewinne zu diesem Zwecke abgibt. Möglicherweise aber erledigt sich das Problem von selbst. Denn es ist noch längst nicht sicher, dass 2012 die Rennen in Bahrein, Südkorea und den Vereinigten Staaten wirklich beginnen. Die politische Lage im Golfstaat gilt weiter als instabil, die Asiaten plagen finanzielle Sorgen, die Amerikaner zweifeln offenbar selbst daran, dass die neue Strecke in Austin rechtzeitig fertig wird.

Für Ecclestone sind all das Nichtigkeiten: „Wir reden hier nicht vom Ende der Welt“, sagt er. Andere Bewerber stehen schließlich schon längst wieder Schlange bei ihm.

Crashtest - Die Formel-1-Kolumne bei FAZ.NET: Anno Hecker, Christoph Becker und Michael Wittershagen folgen Woche für Woche dem schnellsten Kreisverkehr der Welt auf den Rennstrecken und abseits der Boxengassen.

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1981, Sportredakteur.

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